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Söders Angst vor Wechselstimmung ist berechtigt – und selbst verschuldet

  • In den Umfragen ist die Union in freiem Fall, zu Recht fürchtet Markus Söder eine Wechselstimmung im Land.
  • Dabei tauschen die Deutschen gerade in Krisen ihre Regierung nicht aus, sondern suchen Stabilität.
  • Aber gerade dafür stehen CDU/CSU nicht mehr, kommentiert Steven Geyer. Profitieren können die Grünen – falls ihnen die Quadratur des Kreises gelingt.
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Deutschland ist stillgelegt, aber in Bewegung: politisch. Angesichts des freien Falls der Union in den Umfragen hat CSU-Chef Markus Söder die (für ihn) unbequeme Wahrheit jetzt – ganz und gar nicht gelassen – ausgesprochen: „Es kommt Wechselstimmung im Land auf.“

Das ist fürwahr selten vor deutschen Bundestagswahlen. Mit dem Versprechen „Keine Experimente“ fährt die Union seit Adenauers Zeiten gut, weil die Deutschen nicht zu Revolution und Risikobereitschaft neigen, wenn es um ihre Regierung geht: Je unsicherer die Zeiten, desto stabilere Verhältnisse wünschen sich die Wähler. Kanzler- oder gar Politikwechsel? Könnte ja schiefgehen.

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Die britische Mutation des Virus verbreitet sich rasch in Deutschland. Gesundheitsminister Spahn mahnt eindringlich zu Vorsicht und Abstand.  © dpa
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Gerade deshalb kommt die Wechselstimmung nun auf: So wie Deutschland vor Helmut Kohls Abwahl als „kranker Mann Europas“ galt, wirkt nun das Corona-Management, als könnte es ohnehin nicht viel schiefer gehen.

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Das liegt auch daran, dass die nach der Flüchtlingskrise von weiten Teilen der Union weggewünschte Angela Merkel bald aufhört – und die Wähler das nun auch fühlen: Die einen, weil sie ihren Nachfolger als Parteichef, Armin Laschet, an ihr messen und für zu leicht befinden. Die anderen, weil Merkel die Ermüdungserscheinungen aller „lahmen Enten“ im Regierungsamt zeigt – unbestreitbar deutlich bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz.

Mehr noch liegt es daran, dass CDU und CSU auch jenseits von Merkel weder mit Personal noch mit Ideen überzeugen, die die ersehnte Stabilität ausstrahlen. Auch Söder hat den vergeigten Corona-Gipfel mit orchestriert und die Lage in Bayern nicht im Griff.

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Dass der Regierungspartner SPD nicht von der Enttäuschung in die Regierung profitiert, liegt auf der Hand.

Also schaffen es die Grünen auf Augenhöhe zur Union, weil sie sich zwischen all den Meldungen von Krisen und Korruption als Stimme der Vernunft inszenieren können – und ihrerseits ganz auf Revoluzzer-Attitüde verzichten. Ihre Chance besteht in der Quadratur des Kreises: Wechsel ja – aber: keine Experimente.

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