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Presse zum Kandidatenduell der Union: Laschet hat mehr zu verlieren

Ein Stapel Zeitungen. (Symbolbild)

Berlin. „Die Katze ist aus dem Sack“, „die Würfel sind gefallen“, „die Hüte sind in den Ring geworfen“ – die Vorsitzenden der CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, haben offiziell ihre Bereitschaft erklärt, Kanzlerkandidat der Union werden zu wollen. Doch welcher Kandidat hat nun die besseren Chancen? Aus den Pressestimmen ergibt sich ein gemischtes Bild.

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Söder würde die Tektonik der CDU gefährden

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt: „Wenn Söder tatsächlich Kanzlerkandidat werden sollte, würde das die Tektonik der CDU gefährden. Der frischgewählte Parteichef wäre wenige Wochen nach seiner Wahl schon wieder desavouiert, weil er sich nicht gegen Söder hat durchsetzen können. Auch Laschets Renommee als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen wäre gefährdet – die CDU liefe Gefahr, das Land bei der nächsten Wahl zu verlieren. Und wie soll – gesetzt den Fall, Söder würde Kanzler – eine Bundesregierung funktionieren, in der der Chef der kleinsten Koalitionspartei die Regierung anführt? Dafür bräuchte es mehr diplomatisches Geschick als es die Kanzlerin nach 16 Jahren im Amt hat.“

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Söder wäre als selbstverliebter Spieler in die Parteigeschichte eingegangen

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ meint: „Von Armin Laschet war immer schon klar, dass er Kanzlerkandidat werden wollte. Deshalb hatte er um den Parteivorsitz gekämpft und wäre nicht gewählt worden, wenn es nicht von ihm erwartet worden wäre. Aber Söder? Er hatte sich nie so deutlich erklärt wie am Sonntag nach der Klausur des geschäftsführenden Fraktionsvorstands: ‚Ich bin bereit.‘ Ihm blieb auch nichts anderes mehr übrig. Viel zu lange hatte er CDU und CSU mit vagen Andeutungen auf die Folter gespannt. Hätte er sich jetzt einfach mit einem ‚Mach du‘s, Armin‘ aus dem Rennen verabschiedet, wäre Söder als selbstverliebter Spieler in die Parteigeschichte eingegangen. Zum ersten Mal aber deutete Söder auch an, unter welchen Umständen er nachgeben will. Sollte sich die CDU-Führung hinter Laschet scharen, beuge er sich der Schwesterpartei.“

CDU wird Laschet keine Niederlage beibringen

Die „Augsburger Allgemeine“ beobachtet: „Auch wenn seine Umfragewerte glänzend sein mögen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Union am Ende hinter seinen Herausforderer Armin Laschet stellt, geradezu gigantisch. Dass die CDU ihrem eigenen Vorsitzenden eine öffentliche Niederlage zufügt, ist nicht zu erwarten. Die Regel lautet: Wenn Laschet will, dann wird er auch Kanzlerkandidat – ganz egal, was die kleine Schwester CSU sagt. Würde die gebrochen, kann die Partei gleich wieder mit der Suche nach einem neuen Chef beginnen und die gerade erst verheilten Wunden würden schmerzhafter denn je aufreißen.“

Das Duell braucht schnell einen Sieger

Bei den „Stuttgarter Nachrichten“ heißt es: „Nun ist die Katze aus dem Sack: Nach Monaten voller Andeutungen und Symbolbildern hat CSU-Chef Markus Söder nun auch ganz offiziell erklärt, Kanzlerkandidat der Union und damit auch der Bundeskanzler nach Angela Merkel werden zu wollen. Doch noch immer ist unklar, wie das nun offiziell bestätigte Duell zwischen ihm und CDU-Chef Armin Laschet entschieden werden soll. Die Union weiß, dass sie Tempo machen muss: Einerseits gilt es, dem eigenen Abwärtstrend zumindest mit der Klärung der offenen Führungsfrage entgegenzuwirken. Anderseits braucht es die politische Kraft zurzeit eigentlich für etwas ganz anderes, nämlich den Kampf gegen das sich rasant ausbreitende Coronavirus. Der unionsinterne Machtkampf hat schon zu viel Energie verschlungen. Das Duell braucht schnell einen Sieger.“

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Laschet und Söder bereit für Unionskanzlerkandidatur

Der geschäftsführende Unionsfraktionsvorstand berät derzeit zur K-Frage der Union.

Geht es um Erfolgschancen, muss es Söder sein

Die „Volksstimme“ (Magdeburg) kommentiert: „Nach einer monatelangen Hängepartie hat sich Markus Söder positioniert: Er will Kanzlerkandidat der Union werden. Söder als Merkel-Nachfolger? Da wäre vor Corona niemand drauf gekommen. Doch Söder hat gerade in der Pandemie sein politisches Talent unter Beweis gestellt. Die eigene Linie möglichst volksnah durchziehen, den Entschlossenen geben, eigene Fehler wegdrücken und dem Konkurrenten Armin Laschet mit einer Flut offener und verdeckter Nadelstiche die Luft abdrücken. Das Besondere: Söder hat es als bayerischer Patriot und Ministerpräsident geschafft, sich Sympathien in ganz Deutschland zu verschaffen. Er erreichte Popularitätswerte, von denen die gegenwärtige CDU-Spitze nur träumen kann. All seinen eigennützigen Volten und Wendungen vom Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik bis zum möglichen Nachfolger der Kanzlerin zum Trotz. Aus der Union hieß es immer wieder: Kanzlerkandidat soll derjenige mit den besten Erfolgschancen werden. Das wäre dann Söder.“

Söder hat die besseren Karten

Die „Heilbronner Stimme“ schreibt: „Die besseren Karten hat zweifellos Söder. Der machtbewusste Taktiker, der sich in der Krise als zupackender Macher präsentiert, hätte seinen Hut kaum in den Ring geworfen, wüsste er nicht um zahlreiche Unterstützer aus der Schwesterpartei. Laschet hingegen hat durch seine zahlreichen Wendungen in der Pandemie viel Vertrauen verspielt. Doch als Vorsitzender der größeren Unionspartei will er Söder nicht kampflos das Feld überlassen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Wenn beide tatsächlich übereinstimmen, dass der aussichtsreichere Kandidat ins Rennen gehen soll, kann der Kanzlerkandidat der Union nur Markus Söder heißen.“

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Laschet hat mehr zu verlieren

Die „Neue Zürcher Zeitung“ meint: „Tatsächlich ist es eine Kampfkandidatur mit freundlichem Gesicht. Söder fällt es um einiges leichter, mit zähnefletschender Jovialität Großmut vorzutragen. Für ihn steht deutlich weniger auf dem Spiel als für Armin Laschet. ‚Mein Platz ist in Bayern, und da bleibe ich auch‘, das hatte er seit einem Jahr bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesagt. Erst in den vergangenen Wochen kam ihm dieser Satz nicht mehr über die Lippen. Am Sonntag begründete er seinen Sinneswandel in der K-Frage mit den Bitten aus der Partei und der Bevölkerung. Klappt es für ihn nicht, ist noch immer Bayern da.

Für Laschet, der ein Jahr lang hart gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz kämpfen musste, ist die Kanzlerkandidatur gewissermaßen mit dem eben übernommenen Amt verwoben. Ein starker Parteichef hat de facto automatisch das Erstzugriffsrecht auf den Spitzenjob. Erobert Laschet diesen nicht, wäre auch seine junge Obmannschaft in der CDU beschädigt, noch bevor sie so richtig begonnen hat. Und er würde auch als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen Autorität einbüßen.“

Hinter den Kulissen nervt Söders Aktionismus

Und die „Tiroler Tageszeitung“ in Innsbruck findet: „Mag sein, dass sich etliche Menschen in Deutschland ein wenig von der bayerischen Selbstherrlichkeit für sich und viel von Söders Entscheidungsfreude für die Politik wünschen. Doch jenen, die hinter die Kulissen blicken, geht sein zur Schau gestellter Aktionismus zunehmend auf die Nerven. Einige CDU-Länderchefs merkten zuletzt öffentlich an, dass Söders kraftvollen Ankündigungen oft wenig Tatkräftiges folge. Dass Lautstärke und Machtbewusstsein allein keinen Kanzler machen, erlebte die CSU schon zweimal. 1980 mit Franz-Josef Strauß. Und auch 2002, als sich Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat gegen die damals unterschätzte CDU-Vorsitzende Angela Merkel durchsetzte. Der Ausgang ist bekannt: Gerhard Schröder (SPD) blieb Kanzler – bis 2005.“

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RND/dpa/cz

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