Söder nach Corona-Beschlüssen: Die dritte Welle rollt

  • Bund und Länder haben am Mittwoch neue Corona-Beschlüsse gefasst.
  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verteidigte die Vereinbarungen
  • Er sieht Deutschland in der dritten Corona-Welle.
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Berlin/München. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht Deutschland in der dritten Corona-Welle angekommen. „Die zweite Welle (Corona alt) ist besiegt, aber die dritte Welle Mutation, die rollt“, sagte der CSU-Chef am Freitag bei einer Pressekonferenz in München. Fakt sei, die britische Variante verbreite sich weiter. In Bayern seien es im Schnitt 30 Prozent unter den Infizierten.

Bayern habe von zehn deutschen Corona-Hotspots nach wie vor fünf, sagte Söder. Etwa im Landkreis Cham sei bei 78 Prozent der positiven Test bereits die britische Virusvariante festgestellt worden.

Söder verteidigte die Öffnungsschritte der Ministerpräsidentenkonferenz. Er betonte ausdrücklich, von einem Paradigmenwechsel könne bei den Beschlüssen keine Rede sein. Die Zahl der Neuinfektionen sei nach wie vor die Richtschnur. Es sei bewusst eine Notbremse eingezogen worden.

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Söder: Wir dürfen nicht die Nerven verlieren

Der CSU-Chef sieht Deutschland nun vor wichtigen Weichenstellungen. „Fakt ist, viele sind genervt, manch einer ist gestresst. „Manch einer verliert die Nerven – wir dürfen das nicht“, sagte er. Es sei wichtig, alles abzuwägen. „Ich glaube, uns allen geht es so, dass wir zwei Stimmungslagen haben“, sagte Söder. Das Herz spräche sich für Öffnungen aus, der Verstand dagegen.

Die Balance sei wichtig. Der Wunsch nach Normalität sei verständlich, aber es dürfe kein Blindflug werden. Es bleibe bei der klaren Konzeption: Je besser die Lage, desto mehr Freiheit, je schlechter, desto mehr zum Lockdown zurück.

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Akzeptanz der Bevölkerung

Doch die Akzeptanz der Bevölkerung hält Söder weiter für notwendig. In dieser Phase sei es deshalb nun wichtig, Zeichen zu setzen. So bleibe es bei Ausgangssperren in Hotspots und es gebe eine Notbremse, falls die Lage sich verschlechtere. Doch es brauche andererseits auch Vertrauen in die Bevölkerung. Damit einher gehe zudem Verantwortung. Nicht alles, was erlaubt sei, müsse auch getan werden, sagt er.

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In den nächsten vier Wochen werde sich entscheiden, ob es einen entspannten Osterurlaub gebe oder einen neuen Lockdown. Das hänge jetzt von jedem Einzelnen ab.

Söder sieht Kardinalfehler beim Impfen und Testen

Das Ärgerliche an der Situation sei – die Instrumente, die helfen – Tests und Impfungen – seien klar, aber nicht ausreichend vorhanden. In Bayern seien bereits Millionen Tests in Umlauf gebracht. In Schulen und Kitas gebe es das Angebot bereits, es müsse aber noch mehr angenommen werden. „Wir haben keine Testpflicht, aber den dringenden Appell, mehr zu machen“, sagte er.

Das Impfen sei die einzige wirkliche Langzeitstrategie. Umso ärgerlicher sei es, dass Deutschland zeitlich im internationalen Vergleich so hinterherhinke. „Es bleibt ein schwerer Kardinalfehler und eine schwere Hypothek“, sagte Söder. Trotzdem helfe Gejammere jetzt nichts, „wir machen jetzt Druck und Tempo“.

Impfbürokratie verändern

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Von einer Ausweitung der Anwendung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca auf Ältere ab 65 Jahren verspricht sich Söder eine größere Verimpfung des Vakzins. „Alles müsse verimpft werden, was geht“, sagte er. Neben der Priorisierung von Lehrern und Erziehern solle nun auch in Hotspots vermehrt geimpft werden.

Es brauche zudem eine Veränderung der Impfbürokratie. Diese sei zu schwerfällig. „Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir dann rasch auf Ärzte umstellen können.“ Voraussichtlich Ende März. Die Impfzentren blieben jedoch unersetzlich, ergänzte er. „Von einer Mangelverwaltung hin zu einem Massenmanagement“ wolle er kommen. Dann sei auch ein Impfpass sinnvoll, der Reisen ermögliche.

Weiterführende Schulen in Bayern sollen öffnen

In Bayern sollen zudem nach rund einem Vierteljahr Corona-Zwangspause ab dem 15. März auch alle weiterführenden Schulen in Bayern wieder öffnen dürfen – im Wechselunterricht und nur in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100. Das teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag nach einer Videoschalte des Kabinetts in München mit.

Zuvor hatte Söder angesichts der geplanten Öffnungsschritte von Bund und Ländern im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu Vorsicht gemahnt.

„Wahr ist, was hier beschlossen wurde, sind schon sehr große Schritte“, sagte er in der Nacht zum Donnerstag nach der Bund-Länder-Runde in Berlin. Der März werde ein Übergangsmonat. „Es kann sich zum Guten, aber auch zum Schlechten entwickeln“, sagte Söder.

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Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen.

Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

RND/dpa/cz

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