Söder ist der Gewinner der Saison

  • Im ARD-Deutschlandtrend sammelt der CSU-Chef bundesweit Punkte wie nie.
  • Seine Rivalen in der K-Frage, Friedrich Merz und Armin Laschet, lassen nach.
  • Die Union insgesamt profitiert weiterhin sehr stark von der Corona-Krise.
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Werden die Deutschen jemals einen Bayern zum Kanzler wählen? Markus Söder, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, hat diese Frage schon oft hin und her gewendet. Und er kam, bislang jedenfalls, immer zum gleichen Ergebnis: nein, wohl nicht.

Tatsächlich schwangen sich ja schon zwei sehr prominente Vertreter der CSU auf zum Griff nach der ganz großen Macht im Bund – und fassten dann aber doch, hoch oben unter der Zirkuskuppel, im entscheidenden Moment zu kurz.

Stoiber und Strauß haben es nicht geschafft

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Edmund Stoiber scheiterte im Jahr 2002: Um gerade mal 6000 Stimmen lag die Union damals hinter Gerhard Schröder und seiner SPD zurück.

Ein Bild aus der Bonner Republik: Der ARD-Journalist Ernst Dieter Lueg (links) mit den CSU-Politikern Franz-Josef Strauß (Mitte) und Edmund Stoiber. © Quelle: imago images/Dieter Bauer

Franz Josef Strauß stieß 1980 an seine Grenzen: Zwar gelang es der Union damals, auf 44,5 Prozent der Stimmen zu kommen. Da jedoch Helmut Schmidts SPD (42,9) und Hans-Dietrich Genschers FDP (10,6) im Bonner Drei-Parteien-Parlament weiter koalierten, musste Strauß grollend in München bleiben.

Vielleicht muss es die CSU einfach ungefähr alle 20 Jahre mal wieder probieren. Mit Söder jedenfalls hätte sie laut Infratest Dimap (Deutschlandtrend, Auftraggeber: ARD) recht gute Aussichten.

  • 53 Prozent der Deutschen sehen in Söder einen guten Kanzlerkandidaten. Das ist ein Plus von verblüffenden 22 Punkten gegenüber der letzten Befragung zu diesem Thema von Mitte Februar.
  • Die beiden aussichtsreichsten CDU-Aspiranten für die Kanzlerkandidatur tendieren schwächer. Friedrich Merz kommt auf 33 Prozent (minus 7), Armin Laschet auf 27 Prozent (minus 3).
  • Noch günstiger wird das Bild für Söder, wenn man nur die Unionswähler fragt. 67 Prozent der Anhänger von CDU/CSU sehen in Söder einen guten Kanzlerkandidaten. Über Merz sagen das 44 Prozent der Unionsanhänger, über Laschet 29 Prozent.
Ist die Zeit nicht doch bald reif für einen Bayern? Markus Söder auf dem Weg zu einer Krisensitzung in München. © Quelle: imago images/Sammy Minkoff

Söder könnte sich zusätzlich beflügelt sehen durch den insgesamt starken Rückenwind für die Union. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, würden laut Infratest Dimap 39 Prozent der Wahlberechtigten für die Union stimmen – das sind satte 5 Punkte mehr als im April.

Söder könnte ins Grübeln kommen

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Verlierer der Saison sind die Grünen, mit einem Minus von 4 Punkten. Infratest sieht sie nur noch bei 18 Prozent, immerhin aber als zweitstärkste Kraft.

Wenig oder gar keine Veränderung gibt es für die SPD (16), die AfD (9), die Linke (8) und die FDP (5).

Söder könnte also ins Grübeln kommen: Ist die Zeit nicht also doch bald reif für einen Bayern? Aus der Union hört man, Söder bleibe extrem vorsichtig und nachdenklich. Tatsächlich wird hier und da in kleinen Kreisen bereits von einem Martin-Schulz-Effekt gesprochen: Wer heute, in diesen volatilen Zeiten, auf Umfragen vertraue, könne am Ende böse Überraschungen erleben.

Bei der 65 Jahre alten Kanzlerin Rat zu suchen hätte für den 53-jährigen Söder keinen mobilisierenden Effekt. Angela Merkel glaubt nicht an Umfragen, sie hat in ihren 15 Jahren im Kanzleramt schon oft Referenten, die freudestrahlend günstige Trends vorlegten, wieder weggeschickt: Es werde bestimmt bald alles wieder sehr viel schlechter aussehen.

Ihr Team empfand diese uckermärkisch-kühle Grundhaltung manchmal als deprimierend. Inzwischen erscheint sie als eins der Geheimnisse von Merkels Langjährigkeit im Amt. “Sie hat stahlharte Nerven”, sagte Söder jüngst über Merkel. Tatsächlich müssen wahre Spitzenpolitiker mit allem sehr besonnen umgehen: mit schlechten Umfragen – aber auch mit guten.


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