So tickt der designierte Bsirske-Nachfolger bei Verdi

  • Fast 19 Jahre stand Frank Bsirske an der Spitze der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.
  • An diesem Dienstag wird in Leipzig sein Nachfolger bestimmt, einziger Kandidat ist der bisherige Verdi-Vize Frank Werneke.
  • Der 52-Jährige sagt: „Jeder hat seinen eigenen Stil.“
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Berlin. Der Mann, der an diesem Dienstag zum Nachfolger von Verdi-Chef Frank Bsirske gewählt werden soll, stammt aus Schloss Holte-Stutenbrock, einer kleinen Stadt vor den Toren Bielefelds. Eigentlich hatte Frank Werneke Druckvorlagenhersteller werden wollen. Nach der Ausbildung zum Verpackungsmechaniker und einigen Jahren im Betrieb schlug er jedoch einen anderen Weg ein.

Mehr als ein Vierteljahrhundert bereits ist er als hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär tätig, erst bei der IG Druck und Papier, dann bei der IG Medien, seit 2002 bei Verdi.

„Ich stehe auch für Kontinuität“

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Der Wechsel, der jetzt beim Kongress in Leipzig vollzogen wird, bedeutet eine Zäsur für Deutschlands Gewerkschaften. Mit Frank Bsirske geht ihr aktuell bekanntester Vertreter in den Ruhestand. Einer, der zuspitzen und mobilisieren kann. Einer, der in Talkshow besteht.

Nun folgt der eine Frank dem anderen. Werneke war seit 2003 Bsirskes Stellvertreter. „Sicher stehe ich auch für Kontinuität“, sagte er kürzlich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir sind aber auch unterschiedliche Persönlichkeiten, jeder hat seinen eigenen Stil.“

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Verdi zu führen ist kein leichter Job. Die Gewerkschaft organisiert Kita-Erzieherinnen ebenso wie Banker, Müllmänner wie Verwaltungsangestellte. Es gelte, sagt Werneke, „Verdi in der Tarifpolitik möglichst schlagkräftig zu machen“, dazu müsse man in Betrieben und Verwaltungen „noch präsenter“ werden. Was der designierte Chef da als Ziel formuliert, ist für Verdi eine Existenzfrage.

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Seit ihrer Gründung hat die Gewerkschaft etwa ein Drittel ihrer Mitglieder verloren, liegt inzwischen unterhalb der Zwei-Millionen-Marke. Verdi ist zwar nach der IG Metall immer noch die zweitgrößte Gewerkschaft in Deutschland, schafft es aber unverändert nicht, die eigenen Verluste vollständig durch Neumitglieder auszugleichen.

Die Herausforderung, die vor ihm liegt

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Werneke wird Verdi umstrukturieren müssen, möchte die Zahl der Fachbereiche weiter verkleinern und die Kommunikation mit den Mitgliedern verbessern. Selbst beschreibt er seinen Führungsstil als moderierend. Allerdings könne er aber auch „ungeduldig und sehr deutlich werden“. Ein bisschen wie Bsirske also.

Im Gespräch wirkt Werneke, der anders als sein Vorgänger SPD- und nicht Grünen-Mitglied ist, nachdenklich, sachlich und abwägend. Doch kann er auch auf der großen Bühne bestehen? Sich bekannt zu machen und öffentlich an Profil zu gewinnen – das ist Herausforderung, die nun vor ihm liegt.

Zwei Bewährungsproben kommen bereits im ersten halben Jahr auf ihn zu. In der Altenpflege geht es in den nächsten Wochen und Monaten darum, einen Tarifvertrag zu verhandeln, der durch eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung bundesweite Wirkkraft bekommen könnte. Seit Monaten, so Werneke, gebe es bereits einen beachtlichen Mitgliederzulauf bei Altenpflegebeschäftigten. Zahlen dazu nennt er jedoch nicht.

Zweite Herausforderung ist die Vorbereitung der Tarifrunde für mehr als zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen im nächsten Sommer. Werneke weiß aus Befragungen, dass kreative Lösungen gefragt sind: Die Beschäftigten wünschen sich nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Freizeit.

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