“Ohne uns wird keiner Kanzlerkandidat” – so poltert Söder in Passau

  • Poltern – das hat bei der CSU Tradition am Aschermittwoch.
  • Ihre Anhänger pilgern dann zum “längsten Stammtisch” der Welt nach Passau.
  • Parteichef Markus Söder stellt klar, dass es ohne seine Christsozialen keinen Kanzlerkandidaten der Union geben wird.
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Passau. Das mit dem bayerischen Defiliermarsch und dem Geschiebe in den engen Gängen, als Markus Söder in die Dreiländerhalle einzieht, dauert schon mal lange. Ziemlich lange sogar. Aber dies hier ist ja nicht irgendeine Veranstaltung, sondern das, was die Christsozialen stolz ihr “Hochamt” nennen. Oder den längsten Stammtisch der Welt.

Es ist der Tag, an dem sich CSU-Anhänger schon morgens früh die erste Maß zu 9,30 Euro genehmigen. Ein Polit-Event mit deftigen Sprüchen und Bier, das in Strömen fließt. Und es ist Passau, und damit die Stadt, die Franz Josef Strauß einst am Politischen Aschermittwoch zur heimlichen Hauptstadt der Republik erklärte, und Bayern zum schönsten Land der Welt.

Das ist also das Setting für CSU-Chef Söder, der mit einer handschriftlich vorformulierten Rede nach Niederbayern gereist ist.

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Nicht heute, nicht morgen

Diesmal ist es ein ganz besonderer Aschermittwoch. Es ist der Tag nach dem großen Showdown bei der Schwesterpartei: Friedrich Merz greift nach dem CDU-Vorsitz, so wie der von Jens Spahn unterstützte Armin Laschet. Und Norbert Röttgen ist ja auch noch da.

“Jetzt ist eine ernste Lage”, setzt Söder am Rednerpult an. Er freue sich, dass die CDU den Rat der CSU angenommen habe, die offene Personalfrage schneller zu klären als zunächst geplant. Er werde keinen Rat geben, wer die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer an der CDU-Spitze übernehmen solle. “Mit allen können wir hervorragend zusammenarbeiten”, sagt Söder mit Blick auf die nun bekannten Kandidaten.

“Eine Position – da werden wir natürlich mitreden”, fährt er fort. “Ohne die CSU wird es keinen Kanzlerkandidaten geben. Also geht es nur mit uns. Nur zusammen, und nicht allein, wird es laufen.” Ein Frühstart wie der Martin Schulz 2017 als Kanzlerkandidat der SPD, “der endet im Schnellabsturz”, warnt Söder vor allzu schnellen Festlegungen in der K-Frage.

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Das ist Klartext zur neuen Lage in der Union – nach AKKs Rückzugsankündigung.

Über den Dächern von Passau auf der mächtigen Veste Oberhaus hatten die CSU-Granden ihre Köpfe bereits am Vorabend zusammengesteckt und die jüngsten Entwicklungen analysiert. Die K-Frage werde sicher nicht heute, nicht morgen entschieden, sondern “zu gegebener Zeit” von den beiden Parteivorsitzenden, bereitet Generalsekretär Markus Blume schon einmal den Boden für Söder.

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Der glänzte am Vorabend noch mit Abwesenheit, feilte noch am Manuskript seiner Rede. Doch je länger der Abend im Oberhaus, desto deutlicher wird, dass die Christsozialen energisch auf ihr Mitsprachrecht in der K-Frage beharren werden.

“Merz ist weit weg vom Volk”

Und wer hat die besten Chancen? Bei den CSU-Granden gibt es eine klare Präferenz für Laschet und viel Respekt für Spahn, der plötzlich den Teamspieler gibt. Röttgen wird nicht zugetraut, das Rennen zu machen, ebenso wenig wie Merz: “Der ist abgehoben, weit weg vom Volk”, sagt einer aus dem CSU-Vorstand.

Zurück in die Dreiländerhalle. Es ist 11.51 Uhr. Und damit der Moment, in dem Söder noch einmal klarmacht, dass er gerne Kanzlerkandidatenmacher sein möchte – aber nicht Kandidat. “Hier stehe ich nun als Ministerpräsident”, sagt der CSU-Chef. “Ich kann nicht anders und ich will nicht anders.” Er möchte “ehrlich gesagt” nicht tauschen und irgendwann durch Husum, Solingen oder Herne touren.

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“Mein Platz ist in Bayern”, ruft Söder. Und dafür wird er in Passau gefeiert. “Zugabe", skandiert die Menge in der Halle.

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