Sinkendes Abiturniveau: Mehr Mut zum Elitären!

  • Die Abiturnoten in Deutschland werden immer besser.
  • Das liegt mehr an gesunkenen Anforderungen als an schlaueren Schülern.
  • Ein Bildungswettbewerb nach unten nutzt dem Land nichts, kommentiert Christian Burmeister.
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Berlin. Immer mehr Schüler machen ein immer besseres Abitur. Was sich im ersten Moment wie eine gute Nachricht anhört, hat auch seine Kehrseite.

Das Abitur war einmal eine relativ elitäre Veranstaltung. Noch im Jahr 1990 erhielten nur 22 Prozent eines Jahrgangs die Allgemeine Hochschulreife, seit Jahren sind es mehr als 40 Prozent. Es mag sein, dass der Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit vieler Schüler und ihrer Eltern heute etwas höher sind als damals. Das ist aber keine ausreichende Erklärung für die immer besseren Noten. Zumal sich in unabhängigen Untersuchungen wie der Pisa-Studie zeigt, dass die Kompetenzwerte jüngerer Schüler in zentralen Fächern seit Jahren eher sinken.

Zwischen den Bundesländern hat in der Schulbildung ein Wettbewerb nach unten stattgefunden. Das beginnt bereits damit, dass es nach der Grundschule meistens keine verpflichtenden Schulempfehlungen mehr gibt, sondern in der Regel der Wille der Eltern entscheidet. Zudem wird heute großzügiger benotet als früher.

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Der Wettbewerb um die besten Ausbildungsplätze ist hart

Es scheint so, als seien alle Kultusminister darauf bedacht, „ihren Schülern“ auf dem Weg zum Abitur möglichst wenige Steine in den Weg zu legen. Schließlich gilt ein (gutes) Abitur im harten nationalen Wettbewerb um begehrte Studien- oder Ausbildungsplätze als das A und O.

Das ist einerseits verständlich. Allerdings: Der wahre Wettbewerb um Zukunftschancen durch Bildung findet heute weniger zwischen Dresden, München und Bochum, sondern eher zwischen Deutschland, China und Südkorea statt. Wir sollten es uns also nicht leisten, das Abitur weiter zu verwässern und damit auch unsere hellsten Köpfe bereits in ihrer Schullaufbahn systematisch zu unterfordern.

Der Mut zum Elitären ist in Deutschland nicht besonders populär. Aber für eine Gesellschaft, die technologisch und wirtschaftlich an der Weltspitze bleiben will, ist er unverzichtbar.

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