Sind Sie schon Impfluencer?

  • Heute endlich sollen in den meisten Bundesländern die Hausärzte mit den Corona-Impfungen beginnen.
  • Die zur Verfügung stehenden Dosen sind zwar begrenzt. Doch die Kampagne soll bald an Tempo gewinnen.
  • Mehr Zeit, die sie eigentlich nicht haben, brauchen Bund und Länder dagegen für ihre Überlegungen über eine Verschärfung des Lockdowns.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eine Frage, die viele Deutsche seit vielen Wochen umtreibt, ist sicherlich diese: Ist bald genug Corona-Impfstoff für alle da? In Niedersachsen, lange Schlusslicht im bundesweiten Vergleich beim Fortschritt der Impfkampagne, hält man das zumindest für möglich. Noch im Mai könnte dort die Priorisierung aufgegeben werden, verkündete Gesundheits­ministerin Daniela Behrens (SPD) gestern bei der Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs. „Wir können uns dann darauf fokussieren, dass alle geimpft werden können, die geimpft werden wollen.“

Immerhin ist heute ein fast schon historischer Tag für die deutsche Impfkampagne: Nachdem für gestern Lieferungen angekündigt waren, sollen in zahlreichen Bundesländern heute die Hausärzte endlich mit dem Impfen beginnen. Ulrich Weigeldt, Chef des Hausärzteverbands, gab grünes Licht, wenngleich er auch einen aufgrund begrenzter Dosen schleppenden Start ankündigte: Mediziner in 35.000 Niederlassungen seien startklar und könnten bei einer ausreichenden Menge an Vakzinen locker bis zu 100 Patienten pro Woche und Praxis impfen – wenn ihnen genug Stoff zur Verfügung steht. Diesen hat das Bundesgesundheits­ministerium zugesichert: Allein im April werden mehr als 15 Millionen Dosen hierzulande erwartet und damit mehr, als im gesamten ersten Quartal gespritzt wurden, wie Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn (CDU) erläuterte. Im zweiten Quartal sollen insgesamt 70 Millionen Dosen anrollen.

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Impfen beim Hausarzt: Startschuss für die nächste Impfphase
1:28 min
In einigen Regionen begannen die Praxen bereits am Dienstag mit den Impfungen. Insgesamt nehmen rund 35.000 Hausärzte daran teil.  © dpa

Probleme bei der Lagerung der zunächst in den Hausarztpraxen eingesetzten mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer gibt es, anders als anfangs befürchtet, offenbar nicht, wie meine Kollegin Sarah Franke berichtet. Geliefert werden die Impfstoffe von Biontech/Pfizer in Trockeneisboxen, in denen die Medikamente bis zu zwei Wochen lagern können. Möglich wäre die Aufbewahrung nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mittlerweile sogar für bis zu zwei Wochen in einem handelsüblichen Kühlschrank.

Geht es also mit dem Impfen voran? Langsam, aber sicher, könnte man meinen. Während sich in diesen Tagen vielerorts Tausende Freiwillige um eine vorgezogene Impfung mit Astrazeneca bemühen, wirbt das Bundesgesundheits­ministerium nun fleißig mit Promis wie Uschi Glas, Sepp Maier und Günther Jauch bei denjenigen für den Piks, die Nebenwirkungen noch immer mehr fürchten als die Corona-Erkrankung selbst.

Eine andere Kampagne dagegen geriet gestern weiter ins Stocken: Der Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und möglichen Unionskanzler­kandidaten Armin Laschet, weitere Schritte für einen härteren Lockdown noch in dieser Woche zu besprechen und nicht erst am kommenden Montag, stieß nicht nur in der SPD auf Widerstand und harsche Kritik. Auch der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder, der mit Laschet um die Unionskanzler­kandidatur konkurriert und bereits zuvor schärfere Maßnahmen gefordert hatte, zeigte sich abwartend, wie die RND-Hauptstadt­korrespondenten Daniela Vates und Tobias Peter berichten.

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Nebeneffekt der mühsamen Diskussion um Laschets „Brücken-Lockdown“: Die von Teilen der Partei für diese Woche erwartete Entscheidung über den Unionskanzler­kandidaten ist offenbar vom Tisch.

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Zitat des Tages

Ein Beleg für Kanzlerfähigkeit ist das entschlossen vorgetragene Ungefähre nicht.

Norbert Walter-Borjans, SPD-Chef, über den Vorschlag eines sogenannten „Brücken-Lockdowns“ von CDU-Chef Armin Laschet

Leseempfehlungen

Sind Geimpfte schon nach einer Dosis gegen das Virus immun? Nachdem die Bundesregierung dem Rat der Ständigen Impfkommission (Stiko) gefolgt ist und Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin für unter 60-Jährige gestoppt hat, warten viele Menschen auf ihre zweite Impfdosis. Vollkommen schutzlos vor dem Coronavirus sind sie nach der Erstimpfung aber nicht. Eine Mitte Februar im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Studie zeigte: Schon nach einer einzelnen Dosis weist der Corona-Impfstoff von Astrazeneca 22 bis 90 Tage nach der Impfung eine Wirksamkeit von 76 Prozent auf.

Strände und Warteschlangen vor Corona-Testzentren: Tausende deutsche Urlauber waren über Ostern auf der Baleareninsel Mallorca. Sie genossen Sonne, 21 Grad und vergleichsweise leere Strände, mussten sich aber vor dem Rückflug auf Corona testen lassen. Daher ging es in den deutschen Arztpraxen hoch her – ein Arzt hat es offenbar nicht so genau genommen, berichtet RND-Spanien-Korrespondent Martin Dahms.

Aus unserem Netzwerk: Gericht kippt Ausgangssperren

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Seit dem 1. April galt für die Menschen, die in der Region Hannover leben, eine nächtliche Ausgangssperre von 22 Uhr am Abend bis 5 Uhr am Morgen. Diese Regelung ist jetzt passé. Am Dienstagabend kippte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Ausgangssperren, die mit sofortiger Wirkungen aufgehoben wurden, berichtet die „Neue Presse“.

Termine des Tages

Urteil im Prozess um Putschversuch 2016 in der Türkei: Den 500 Angeklagten wird unter anderem vorgeworfen, das Gebäude des Staatssenders TRT in Ankara in der Putschnacht besetzt zu haben. Anschuldigungen sind nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu unter anderem versuchte Aufhebung der verfassungsmäßigen Ordnung und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation.

Virtuelle Konferenz zum Weltgesundheitstag in Brüssel: Geplant sind Beiträge des WHO-Chefs Tedros Adhanom Ghebreyesus, des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und des Ex-Fußballprofis und Trainers Christoph Daum. Organisiert wird die Konferenz vom World Forum for Ethics in Business (WFEB).

Wer heute wichtig wird

Hunter Biden, Sohn des US-Präsidenten Joe Biden, gilt schon lange als „schwarzes Schaf“ der Familie. In seiner heute erscheinenden Autobiografie „Beautiful Things“ erzählt er von den Schicksalsschlägen in seiner Familie und von seinen schweren Problemen mit Drogen und Alkohol. © Quelle: imago images/ZUMA Wire
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Der Podcast des Tages

Ein eisiger Wintereinbruch mit Schnee und Kälterekorden, und kaum eine Woche später zeigt das Thermometer plus 20 Grad in der Sonne – mitten im Februar. Sven Plöger, Diplom-Meteorologe und Deutschlands beliebtester Wettermoderator, muss immer öfter von solch extremen Wetterereignissen berichten. In der neuen Folge von „Klima und wir“ spricht der Klimaexperte über den Unterschied von Fühlen und Statistik, was vier Grad mehr für die Erde bedeuten und wie die Erhitzung noch gestoppt werden kann.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

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Ihre Dany Schrader

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