• Startseite
  • Politik
  • Shitstorm gegen Greenpeace und INSM: Kritik der Abgeordneten auf Twitter einseitig

Shitstorm gegen Greenpeace und INSM: Kritik der Abgeordneten auf Twitter einseitig

  • In der vergangenen Woche haben zwei öffentlichkeitswirksame Aktionen für Wirbel gesorgt.
  • Die Kritik an der INSM-Kampagne kam fast ausschließlich von grünen Politikern.
  • Die Greenpeace-Aktion hingegen wurde aus allen Parteien kritisiert, aber kaum von den Grünen, wie eine RND-Auswertung von Tweets aller Bundestagsabgeordneten zeigt.
Johannes Christ
|
Anzeige
Anzeige

München. Die Ziele der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Umweltschutzorganisation Greenpeace könnten kaum unterschiedlicher sein. Die INSM wird von der Metall- und Elektroindustrie finanziert und setzt sich für wirtschaftsfreundliche Reformen ein. Greenpeace kämpft hingegen dafür, den Unternehmen härtere Umweltauflagen zu machen. In ihren Mitteln sind sich beide Organisation aber gar nicht so fern. Beide wollen mit aufsehenerregenden Aktionen Interesse für ihr Thema wecken.

Gelungen ist das in der vergangenen Woche beiden. Allerdings fiel die Aufmerksamkeit sicherlich weniger wohlwollend aus als gehofft. Die INSM schaltete Anzeigen in vielen Medien, die die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock als Moses zeigten und vor einer „Staatsreligion“ warnten. Eines der zehn Gebote auf Baerbocks Steintafeln lautete „Du darfst keine Verbrennerauto fahren“.

Anzeige

Shitstorm für misslungene PR-Aktion

Greenpeace wollte während des EM-Spiels Deutschland gegen Frankreich von einen Gleitschirmflieger aus einen großen Ball ins Stadion sinken lassen, um die klimaschädlichen Benzin- und Dieselautos von Volkswagen anzuprangern. Die Aktion misslang gründlich: Nur mit großer Mühe konnte ein Absturz in die Zuschauerränge verhindert werden. Zwei Männer wurden verletzt.

Beide Organisation fingen sich auf Twitter einen Shitstorm ein. Auch zahlreiche Bundestagsabgeordneten beteiligten sich daran. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat die Tweets der rund 550 auf Twitter vertretenen Parlamentarier ausgewertet und auf Bezüge zu den beiden Ereignissen untersucht. Dabei zeigt sich, dass die Empörungswelle gegen die INSM fast ausschließlich von grünen Politikern befeuert wurde. Die Kritik an Greenpeace hingegen kam aus allen Fraktionen, mit Ausnahme der Grünen.

Anzeige

Die Greenpeace-Aktion thematisierten vor allem Abgeordnete von Union, SPD, und AfD, wie folgende Grafik zeigt. Jeder Kreis steht für einen Tweet zur Greenpeace-Aktion. Die Größe der Kreise zeigt, wie erfolgreich der Tweet gemessen an der Zahl der Interaktionen war. Klicken Sie in die Grafik zum Heranzoomen.

Die Grünen blieben hingegen relativ leise. Eine Ausnahme bildete der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz, der klare Worte fand.

Greenpeace weniger nahestehende Politiker gingen aber deutlich weiter. Der SPD-Parlamentarier Florian Post forderte nach der Protestaktion im Münchner EM-Stadion, Greenpeace die Gemeinnützigkeit zu entziehen.

Anzeige

Allerdings stellten sich auch keine Politiker der Grünen hinter die Greenpeace-Aktivisten. Einer der wenigen verteidigenden Tweets kam von dem fraktionslosen Abgeordneten Marco Bülow.

Und wer twitterte über die INSM-Kampagne?

Das umgekehrte Bild zeigte sich nach der Werbekampagne der INSM. Damals waren die Grünen auf Twitter eindeutig die Lautesten, die Übrigen hielten sich hingegen bedeckt, wie folgende Grafik zeigt. Klicken Sie in die Grafik zum Heranzoomen.

Vorne dabei war wieder Konstantin von Notz, für dessen Forderung nach Veröffentlichung der Kosten der INSM-Kampagne fast 10.000-mal der „Gefällt mir“-Button geklickt wurde.

Anzeige

Die Vertreter der übrigen Parteien hielten sich zurück. Eine Ausnahme bildete Michael Meister, parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium, der diesen Tweet der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, retweetete, also an die Abonnenten seines Kanals weiterleitete.

Ob die übrigen Abgeordneten von Union, FDP, AfD, SPD und Linken mit der Kampagne gegen Annalena Baerbock einverstanden waren, bleibt weitgehend ihr Geheimnis. Jedenfalls scheint die Empörung über diese Form negativen Wahlkampfs deutlich milder auszufallen, wenn die politische Konkurrenz betroffen ist. Im Volksmund heißt es: „Der Zweck heiligt die Mittel“.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen