Sexueller Missbrauch: Die Opfer leiden lebenslang

  • Nach dem Fahndungserfolg von Münster ist eine neue Debatte über sexuellen Missbrauch entbrannt.
  • Rufe nach Strafverschärfungen sind verständlich.
  • Doch andere Mittel sind effektiver, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Was genau die Missbrauchstäter den Kindern von Bergisch Gladbach, Lügde oder Münster alles angetan haben, das zu wissen, bleibt uns Normalbürgern gottlob erspart. Es sind Polizisten und Juristen, die sich mit all den grauenvollen Einzelheiten der Missbrauchsfälle konfrontieren müssen und dafür Dank und Anerkennung verdienen.

Es gibt allerdings ein Bild, das am Wochenende publik wurde und wegen seiner bloßen Funktionalität unfassbar ist. Der Hauptverdächtige von Münster hatte sich nämlich in einer Gartenlaube ein regelrechtes Studio eingerichtet – mit versteckten Festplatten, Aufnahmegeräten und Videokameras. Hier war also kein Mann am Werk, der gegen seine verheerende Neigung verzweifelt ankämpfte, sondern einer, der sie mit allen technischen Mitteln und gemeinsam mit anderen an Wehrlosen auslebte. Dafür gibt es keine Worte.

Versiertes Personal nötig

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Nun hat – wieder einmal – eine Debatte darüber begonnen, wie sich solch entsetzliche Taten verhindern lassen. Darunter ist auch der verständliche Ruf nach Strafverschärfungen. Allerdings werden sich skrupellose Täter dadurch kaum von ihrem Handeln abbringen lassen. Andere Mittel liegen beim Schutz der Kinder näher.

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Dazu gehört der Ausbau von Ermittlungskapazitäten. Das meint nicht nur mehr Personal, sondern IT-technisch versiertes Personal. Solche Experten waren es offenbar, die in Münster zum Durchbruch verhalfen. Dazu gehört ferner ein genauerer Blick auf gefährdete Kinder und eine höhere Sensibilität für Auffälligkeiten. Im Zweifel müssen Jugendämter früher und entschlossener zu ihren Gunsten einschreiten. Daran fehlt es zuweilen.

Mit Kälte betrieben

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Schließlich belegt der Fall Münster abermals, dass Täter mit pädophilen Neigungen schwer oder gar nicht therapierbar sind. Mit Rückfällen muss auch bei vermeintlich Einsichtigen unter ihnen gerechnet werden. Das alles spricht dafür, diese Gruppe von Menschen unter Beobachtung zu halten – sowie die erkennbar Uneinsichtigen dauerhaft in Sicherungsverwahrung zu nehmen.

Klar ist: Wer den sexuellen Missbrauch von Kindern mit derartiger Kälte betreibt wie zuletzt die Täter in der beschaulichen Westfalen-Metropole, für den kann es unter Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze keine Gnade geben. Die Opfer leiden lebenslang – ob sie wollen oder nicht.

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