• Startseite
  • Politik
  • Sexualisierte Gewalt gegen Kinder: Härtere Strafen reichen nicht

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder: Härtere Strafen sind richtig, reichen aber nicht

  • Das Entsetzen über schwerwiegende Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder ist groß.
  • Die Bundesregierung reagiert darauf mit einem Gesetz, das die Strafen verschärft.
  • Das ist ein wichtiges Signal, dem nun aber noch Einiges folgen muss, kommentiert Tobias Peter.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Der leichte Schritt ist getan. Härtere Strafen für diejenigen auf den Weg zu bringen, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder begehen, ist für Politiker vergleichsweise einfach.

Das berechtigte Entsetzen in der Bevölkerung über eine Reihe schwerwiegender Fälle, die zuletzt bekannt geworden sind, ist groß. Da sind höhere Strafen ein Projekt, das Bürgern den Eindruck vermittelt: Die Politik handelt! Und – da gibt es gar keinen Zweifel – höhere Strafen können auch ein wichtiges Signal sein.

Signale helfen aber nur dann weiter, wenn ihnen auch etwas folgt. In diesem Fall bedeutet das: Im Kampf gegen Übergriffe, die von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit Recht „Gräueltaten“ genannt werden, muss der Staat auch den sehr viel schwierigeren zweiten Schritt gehen.

Nur wenn es ausreichend Ermittler in Polizei und Justiz gibt, kann der Staat das Gesetz und damit die höheren Strafen auch tatsächlich durchsetzen. Immer höhere Strafen zu fordern und zu beschließen, aber danach im Alltag zu wenig tun, ist politisches Maulheldentum – und das wäre besonders bei einem so wichtigen Thema verwerflich.

Anzeige

Der hohe Wert der Prävention

Auch die Debatte, was Ermittler dürfen, um etwa Täter im Bereich Kinderpornografie zu jagen, und was nicht, muss fortwährend und auf der Höhe der technischen Entwicklung geführt werden. Dabei muss mit kühlem Kopf und voller Transparenz abgewogen werden, welche Ermittlungswege zum Erfolg führen – und welchen Preis an bürgerlichen Freiheiten sie bedeuten können.

Anzeige

Die Schritte, die in der Öffentlichkeit am wenigsten gesehen werden, aber den Kindern am meisten helfen können, sind diejenigen für mehr Prävention und bessere Früherkennungssysteme. Dazu kommt alles, was helfen kann, dass Richter und Staatsanwälte im bitteren Ernstfall zumindest kindgerecht mit der Situation umgehen. Es ist unbedingt ernst zu nehmen, wenn der Kinderschutzbund warnt, an dieser Stelle werde noch lange nicht genug getan.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen