Seenotrettung: Kirche schickt Schiff ins Mittelmeer

  • Die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird mit anderen Organisationen ein Schiff für die Seenotretter im Mittelmeer kaufen.
  • Das kündigte der Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, an.
  • Zum Unterhalt des Rettungsschiffs soll ein Verein mit breiter gesellschaftlicher Beteiligung gegründet werden.
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Berlin. Die Evangelische Kirche in Deutschland will ein eigenes Schiff zur Seenotrettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer schicken. Nach gründlicher Prüfung habe man beschlossen, eine entsprechende Resolution des Evangelischen Kirchentages umzusetzen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Donnerstag in Berlin.

"Es ist mehr als Symbolik, es geht um exemplarisches Handeln. Es werden Menschen im Mittelmeer gerettet", betonte er. Der Kirchenfunktionär drückte seinen „hohen Respekt“ für die Menschen aus, die helfen, andere vor dem Ertrinken zu retten und dafür auch bereit seien, Sanktionen in Kauf zu nehmen.

Die Kirche trete gleichzeitig für eine politische Lösung ein. Nötig sei ein Verteilmechanismus für im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge, damit nicht jedes Mal das "Geschachere" um ihre Verteilung beginne. „Not hat keine Nationalität“, betonte der bayerische Landesbischof.

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"Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, darf nicht kriminalisiert werden"

Bedford-Strohm sagte, dass sich die Kirche zudem seit Jahrzehnten durch ihr Engagement etwa in Afrika um die Bekämpfung von Fluchtursachen kümmere.

Laut Bedford-Strohm werde die EKD das Rettungsschiff nicht selbst betreiben. Dazu solle ein Trägerverein gegründet werden. Nötig sei eine intensive Vorbereitung. Für den Kauf des Schiffes gebe es Sondierungen. Dieses werde man umbauen müssen. Das alles werde Monate dauern.

Der EKD-Ratsvorsitzende forderte, die Kriminalisierung von Seenotrettern zu beenden. "Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, darf nicht kriminalisiert werden." Er verlangte zudem, dass die staatliche Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufgenommen wird.

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Hintergrund des EKD-Ratsbeschlusses ist eine Resolution, die im Juni auf dem Kirchentag in Dortmund verabschiedet worden war. In dieser wurden die EKD und die Landeskirchen dazu aufgefordert, selbst ein Schiff zur Rettung von Menschen in Seenot ins Mittelmeer zu entsenden. Initiator war neben anderen der EU-Parlamentarier Sven Giegold (Grüne).

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RND/cle/dpa/epd