Im Wellenbad der Pandemie?

  • Nach mehr als eineinhalb Jahren ist Corona noch nicht verschwunden.
  • Derzeit ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutsch­land niedrig.
  • Doch es ist nicht gesichert, dass das auch so bleibt.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wo stehen wir eigentlich gerade in der Pandemie? In meinem Umfeld können diese Frage immer weniger Menschen klar beantworten.

Das zeigt sich auch im all­täglichen Verhalten. Während einige begeistert den ersten Urlaub buchen (und sich dann teilweise ärgern, wenn sie aufgrund aktueller Entwicklungen wieder abreisen müssen), bleiben die anderen lieber noch einen Sommer zu Hause. Wiederum andere blicken fassungs­los auf volle Fuß­ball­stadien, während sich wild­fremde Menschen in vollen Bier­gärten in den Armen liegen.

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Auch die Infektions­zahlen, lange gefühlt klarer Indikator für die aktuelle Corona-Lage, geben wider­sprüchliche Signale. Zwar ist die Inzidenz so niedrig wie seit gut einem Jahr nicht mehr – erst­mals stieg sie aber am Sonn­tag wieder minimal an. Und das mitten im Sommer und bei täglich neuen Höch­stwerten der gesellschaftlichen Impf­quote.

Der Wahl­kampf und die Pandemie

Und in der Politik? Seit Wochen stehen die Zeichen einhellig auf Lockerung, in allen Lebens­bereichen. Wer will in dieser Zeit auch schon mit einer Einschränkung des öffentlichen Lebens assoziiert werden? Hat da jemand „Bundes­tags­wahl“ gesagt?

Wie weiter in der Pandemie? Auch in Sachen Corona braucht CDU-Chef Armin Laschet einen Plan. © Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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So sind auch für CDU-Partei­chef und Kanzler­kandidat Armin Laschet Aussagen zur Pandemie ein Tanz auf der Rasier­klinge. Im Gespräch mit Eva Quadbeck, stellvertretende RND-Chef­redakteurin und Leiterin des Berliner Büros, muss er sich allen aktuellen Facetten der Corona-Debatte stellen. Neue Verschärfungen sieht er bis auf Weiteres nicht. Und mit Blick auf die Bedeutung der Sieben-Tage-Inzidenz sagt er:

Aktuell sind die Inzidenz­zahlen der Maßstab. Aber viele Wissen­schaftler verweisen darauf, dass angesichts der hohen Impf­quote die Erkrankten und die Belastung des Gesund­heits­systems, insbesondere die der Intensiv­stationen, die entscheidenden Größen­ordnungen sind.

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Sollte die Inzidenz also zum Herbst hin weiter steigen, muss das für den CDU-Chef nicht heißen, das Leben erneut einzuschränken. Die Mehrheit der Deutschen rechnet hingegen mit steigenden Infektions­zahlen nach dem Sommer – und dadurch auch mit einer erneuten Verschärfung der Corona-Maß­nahmen, so heißt es in einer aktuellen Umfrage.

Die Sache mit der Solidarität

Weiter steht und fällt der Erfolg im Kampf gegen Corona mit dem Fort­schritt beim Impfen. Nun gibt es Anzeichen, dass die Bereit­schaft dazu abnimmt. Eine Umfrage von Cosmo (einem Gemeinschafts­projekt der Uni Erfurt und des RKI mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und öffentlichen Einrichtungen) zeigt, dass in den vergangenen Wochen drei Gründe vermehrt zur Entscheidung gegen eine Impfung geführt haben.

  1. Das Vertrauen in die Impf­stoffe sinkt.
  2. Die persönliche Kosten-Nutzen-Abwägung spricht immer häufiger gegen eine Impfung.
  3. Der solidarische Gedanke spielt eine immer geringere Rolle.

Eine Impf­kampagne muss aber zwingend auf Solidarität in der Gesellschaft setzen und darauf, dass der gesamt­gesell­schaftliche Nutzen im Vordergrund steht.

Das Ergebnis ist ein Paradoxon. Die aktuellen Lockerungen sind möglich, weil die Politik auf den Erfolg der Impf­kampagne setzt. Sie tragen aber gleichzeitig, auch durch die Art, wie sie kommuniziert werden, dazu bei, dass die Impf­bereitschaft sinkt. Womit die Impf­kampagne den Erfolg zu verlieren droht, auf dessen Annahme die aktuellen Lockerungen beruhen.

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Wie nun mit dieser einsetzenden Impf­müdigkeit umzugehen ist, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Während die ersten Politiker bereits nach einem Straf­system rufen, argumentiert Quadbeck in eine andere Richtung. „Besser wäre die Taktik, die in den vergangenen anderthalb Jahren Pandemie immer noch am meisten geholfen hat: erklären, aufklären, appellieren“, schreibt Quadbeck. Also doch wieder die Solidarität.

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Zitat des Tages

Eine „Gesinnungs­kontrolle“ journalistischer Arbeit durch die Politik darf es nicht geben.

Hans-Georg Maaßen, CDU-Politiker und Ex-Verfassungs­schutz­chef, rudert nach seinem Vor­stoß, Journalisten auf ihre Tauglichkeit zu prüfen, zurück.

Lese­empfehlungen

Vor Kurzem ist der britische Sender GB News gestartet, mit politisch rechter Ausrichtung. Es wurden bereits Vergleiche zu Fox News gezogen – das hört der Gründer ungern, dabei fehlen dem Sender dazu ohnehin Finanzen und Professionalität, analysiert unsere Groß­britannien-Korrespondentin Katrin Pribyl. Nach dem Start mit Pannen und kaum News sind die Zuschauerzahlen rapide gesunken.

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­Über die Ästhetik des Hawaii­hemds lässt sich streiten – und doch bahnt es sich, wenn auch in abgewandelter Form, erneut seinen Weg in die Mode­welt. Angesagt sind jetzt Kurz­arm­hemden in dezenten Erd­tönen oder einem unaufdringlichen Blau. Mein Kollege Michael Pohl erklärt, was das Shortsleeve so beliebt macht.

Aus unserem Netz­werk

„Skurrileum“ heißt ein Museum in Stralsund. Und dort gibt es – wie der Name es schon sagt – einige Skurrilitäten zu entdecken. Neu in der Sammlung des Museums: eine nackte Merkel-Figur, der gequält wirkende Männer zu Füßen liegen. Und auch Ex‑US‑Präsident Donald Trump wird auf einem Bild ins Lächerliche gezogen, wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet.

Termine des Tages

Achtel­finale im Tennis: Angelique Kerber und Alexander Zverev spielen heute in Wimbledon um einen Platz unter den letzten acht des Grand-Slam-Turniers. Kerber trifft auf dem Centre-Court auf die 17‑jährige Amerikanerin Cori Gauff. Zverev tritt gegen den Kanadier Félix Auger-Aliassime an.

Titan hinterm Schreib­tisch: Oliver Kahn wird erstmals in seiner Funktion als Vorstands­chef des FC Bayern München bei einer Video­konferenz zusammen mit Präsident Herbert Hainer vor die Medien treten. Der frühere Welt­klasse-Tor­wart ist zum 1. Juli Nach­folger von Karl-Heinz Rummenigge geworden.

Wer heute wichtig wird

Königs­paar in Berlin: Für einen drei­tägigen Besuch kommen Willem-Alexander (54) und Máxima (50) aus den Nieder­landen nach Berlin. Dort stehen auch politische Gespräche auf höchster Ebene an, unter anderem mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Empfangen wird das nieder­ländische Königs­paar aber zunächst von Bundes­präsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue. © Quelle: Piroschka Van De Wouw/Reuters/AP

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Ihr Paul Berten

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