Schwierige Fragen nach der Freiheit

  • Die Impfkampagne stockt, die Infektionszahlen steigen, die Pandemie ist noch lange nicht vorbei.
  • Die Suche nach Wegen aus der Krise wird zunehmend kniffliger, die Lösungsansätze werden umstrittener.
  • Dazu fordern Fluten, Hitze und Waldbrände auch Antworten auf die zweite große Krise unserer Zeit.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

früher habe ich gelegentlich Songs von Curse gehört. Der Rapper heißt eigentlich Michael Kurth, arbeitet inzwischen als systemischer Coach für persönliche Weiterentwicklung, gibt Workshops und schreibt Bücher. Dass es bei ihm beruflich einmal in diese Richtung gehen würde, hätte man vielleicht schon an seinen Texten erahnen können. Da kam der Selbstfindungscoach schon ein kleines bisschen durch. Ein Beispiel:

Freiheit heißt, es macht manchmal auch Sinn, dass meine Freiheit da enden muss, wo die Freiheit eines anderen beginnt.

Aus dem Song „Freiheit“ von Curse
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In den vergangenen Monaten ist mir sein Song „Freiheit“ immer wieder in den Sinn gekommen. Logisch, denn wann ist in Deutschland zuletzt so intensiv über die Freiheit debattiert worden wie in der Corona-Krise, zwischen Lockdown und Lockerungen? Und wenn man den Song hört, merkt man, dass sich Fragen der Freiheit nicht immer eindeutig beantworten und schon gar nicht schwarz oder weiß betrachten lassen. Die Pandemie ist dafür ein Paradebeispiel.

Man merkt es etwa bei der Frage, ob der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger ein Vorbild im Sinne der Impfkampagne sein und sich impfen lassen sollte. Oder in der Debatte um die seit heute geltende Testpflicht für Reiserückkehrerinnen und ‑rückkehrer, die die Reisefreiheit einschränkt. Oder bei der Frage, ob man Kinder und Schülerinnen und Schüler in der Pandemie unter besonderen Schutz stellen sollte. Schließlich kehren nächste Woche die Ersten von ihnen in die Klassenräume zurück, wenn die Sommerferien enden.

Auch die Erde krankt

In gleicher Weise gelten diese Fragen aber auch für den Klimawandel, die andere große Krise unserer Zeit. Auch sie ist global und kann nicht innerhalb von Ländergrenzen überwunden werden. Um Lösungen zu finden, braucht es wissenschaftliche Erkenntnisse. Und durch sie nehmen Menschen Schaden – oder verlieren ihr Leben. Das zeigte nicht zuletzt die Flutkatastrophe in Deutschland, deren Auswirkung auf Mensch und Umwelt sich noch nicht final abschätzen lässt.

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In beiden Krisen wird immer wieder Freiheit gefordert. Meistens ist damit gemeint, dass Menschen wieder tun wollen, was sie vor den Krisen gemacht haben. Sie wollen ihr altes Leben zurück – oder sie sind eben nicht bereit, sich zu verändern. Auf der anderen Seite: Wie frei würde ein Leben sein, in dem sich ein Virus unkontrolliert verbreitet und extreme Wetterphänomene immer öfter Menschen den Lebensraum nehmen?

Eine Satellitenaufnahme zeigt aufsteigenden Rauch von Waldbränden in der Nähe des Oymapinar-Damms in der Türkei. © Quelle: Satellite Image ©2021 Maxar Tec
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Spätestens wenn man an Long Covid leidet, sein Hab und Gut in einem Hochwasser oder bei einem Waldbrand verliert, dürfte der Wunsch nach Veränderung da sein. Doch verändern wird sich nur etwas, wenn die Menschen aktiv werden – und dazu bereit sind, die Grenzen der eigenen Freiheit ein Stück weit zu akzeptieren. Ansonsten bleibt eben alles, wie es jetzt ist.

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Zitat des Tages

Egal, ob Jury, Kandidaten oder Tänzer – wir sind Kosmopoliten. Wir haben alles: schwarz, weiß, gay. Wir haben alle möglichen Länder in der Show vertreten. Ich habe mich immer gefragt, warum wir noch keinen Diversitypreis gewonnen haben.

Jorge González, Choreograf und Juror bei „Let’s Dance“

Leseempfehlungen

Am 1. August 1981 geht in den USA der Musiksender MTV auf Sendung. Unser Autor Matthias Schwarzer ist seit 1999 als Zuschauer dabei und trauert. Denn von dem einstigen Musikfernsehen mit Kultstatus ist heute nicht mehr viel übrig.

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Liebeskummer tut weh. Und während man an Herzschmerz leidet, hat man das Gefühl, er geht nie vorbei. Eine neue Umfrage offenbart nun gute und schlechte Nachrichten. Die gute: Liebeskummer geht vorbei. Die schlechte: Es kann durchschnittlich bis zu 12,4 Monate dauern, bis es so weit ist.

Aus unserem Netzwerk

„Ich bin nach wie vor der Meinung, (…) dass Frauen weniger für die Politik geeignet sind, weil sie doch ein Stück weit emotionaler sind als Männer.“ So äußerte sich der AfD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Kramer, in einem Interview. Über den Vorfall und die Empörung berichtet die „Ostsee-Zeitung”.

Termine des Tages

Armin Laschet in Warschau: Der Kanzlerkandidat der Union setzt seinen Besuch in Polen fort und nimmt an einer Gedenk­veranstaltung zum 77. Jahrestag des Beginns des Warschauer Aufstands teil.

Testpflicht für Reisende: Ab heute gilt der neue Beschluss der Bundesregierung. Wer nicht geimpft ist und aus dem Ausland zurück nach Deutschland kommt, muss sich auf das Coronavirus testen lassen – unabhängig davon, ob er mit dem Auto, dem Zug oder dem Flugzeug reist.

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Der Tag in Tokio

8 Uhr: Wasserspringen vom Drei-Meter-Brett mit Bronzemedaillen­gewinnerin Tina Punzel

9.30 Uhr: Tennisfinale der Männer – Alexander Zverev gegen Karen Chatschanow

+++ Alle Infos zu den Olympischen Spielen finden Sie in unserem Liveblog. +++

12.24 Uhr: Turnfinale am Stufenbarren mit Elisabeth Seitz

14.50 Uhr: 100 Meter der Männer

Wer heute wichtig wird

Alle Augen auf Alexander „Sascha“ Zverev: Im Finale des olympischen Tennisturniers hat er die Chance, als erster Deutscher eine Goldmedaille im Einzel zu gewinnen. Zuletzt gewann Tommy Haas 2000 in Sydney Silber. Sein Gegner ist der Russe Karen Chatschanow. Gegen 9.30 Uhr beginnt das Duell der beiden um Gold. Den emotionalsten Moment erlebte Zverev wohl schon am Freitag, als er den Weltranglisten­ersten Novak Djokovic bezwingen konnte und sich damit eine Medaille sicherte. © Quelle: imago images/Agencia EFE

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Nils Thorausch

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