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  • Schwere Rezession in Deutschland erwartet: Bundesregierung rechnet mit Einbruch der Wirtschaft und Milliarden-Schulden

Schlimmer als in der Finanzkrise: Bundesregierung erwartet schwere Rezession

  • Nach einer aktuellen Prognose rechnet die Bundesregierung mit einem starken Einbruch der Wirtschaftsleistung.
  • So soll das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 6,3 Prozent schrumpfen.
  • Ein Niveau von vor der Corona-Krise wird erst 2022 erwartet.
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Berlin. Die Bundesregierung rechnet infolge der Corona-Krise mit einer schweren Rezession in Deutschland. Sie erwartet in ihrer Frühjahrsprojektion, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 6,3 Prozent sinkt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Koalitionskreisen erfuhr. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Dies wäre ein stärkerer Wirtschaftseinbruch als in der weltweiten Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren. Erst 2022 wird laut Prognose das Niveau vor der Corona-Krise erreicht werden.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stellt die Projektion am Mittwochmittag (14 Uhr) in Berlin vor.

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Scholz plant mit neuen Schulden in Höhe von 156 Milliarden Euro

Die Frühjahrsprojektion ist auch deswegen wichtig, weil die Eckwerte die Grundlage für die Steuerschätzung im Mai bilden - wegen der Corona-Krise sind dann weniger Steuereinnahmen zu erwarten. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) plant im Kampf gegen die Krise bereits mit neuen Schulden in Höhe von 156 Milliarden Euro.

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Viele Branchen sind von den massiven Beschränkungen im Kampf gegen das Virus schwer betroffen - etwa die Luftverkehrs - und Reisewirtschaft, Hotels und Gaststätten, aber auch das Handwerk und die Industrie. Aufträge und Umsätze sind weggebrochen. Die Bundesregierung hatte umfassende Hilfsprogramme aufgelegt, um Jobs und Firmen zu schützen - und deutlich gemacht, bei Bedarf noch einmal nachzulegen.

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“Angst vor Untergang”: Wirtschaftsverbände appellieren an Politik

Mehrere Wirtschaftsverbände haben vor Beratungen von Bund und Ländern über Wege aus der Corona-Krise Alarm geschlagen und ein klares Signal für ein zügiges Wiederanfahren der Wirtschaft gefordert. In einem Schreiben an Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) heißt es: "Jede Woche, die der Lockdown weiter andauert, kostet die deutsche Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung." Keine Volkswirtschaft der Welt könne dies über Monate aushalten, ohne nachhaltigen Schaden und auch erhebliche Wohlstandsverluste hinzunehmen. "Die Unternehmen erwirtschaften gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die notwendige finanzielle Grundlage, ohne die unser Staat nicht überlebensfähig ist."

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Das Schreiben der Verbände - darunter der Hotel- und Gaststättenverband, der Handelsverband, der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie und der Außenhandelsverband, liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie wenden sich darin "in tiefer Sorge" um das Fortbestehen der Unternehmen an Bund und Länder. "Seit Mitte März befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer katastrophalen Ausnahmesituation." Die Verbände warnen vor einer Verschiebung von Entscheidungen über weitere Lockerungen auf kommende Woche.

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Die Corona-Krise könnte der Startschuss sein für einen klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert.

"Die Angst in den Unternehmen vor dem Untergang schlägt in tiefe Verzweiflung und mitunter auch in Fassungslosigkeit um, wenn existenzielle Entscheidungen im Wochentakt vertagt werden", heißt es. "Für viele mittelständische Unternehmen schlägt die Stunde der Entscheidung, ob sie noch hoffen können oder die Reißleine ziehen müssen. Die derzeitige Perspektivlosigkeit und das völlige Fehlen jeglicher Planbarkeit ersticken unternehmerische Kreativität und Zuversicht. So kann und darf es nicht weitergehen."

Die Politik habe zu Beginn der Krise rasch und mit Augenmaß reagiert und mit ihren Entscheidungen ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die Pandemie Deutschland nicht so heftig und dramatisch getroffen habe, wie dies in anderen Ländern der Fall gewesen sei. “Jetzt geht es darum, mit dem gleichen Augenmaß das wirtschaftliche Leben ab dem 4. Mai zu reaktivieren. Deutschland braucht eine klare Perspektive für den Re-Start jetzt.”

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RND/dpa

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