Schwarzer Handel und rote Zahlen

  • Heute ist Black Friday, der vielleicht schönste Tag des Jahres für den Onlinehandel.
  • Keinen schwarzen Tag will hingegen Bildungs- und Familien­ministerin Franziska Giffey erleben – sie soll heute trotz Plagiats­affäre zur neuen SPD-Chefin Berlins gewählt werden.
  • Und in der Nacht legte der Haushalts­ausschuss den letzten Schliff an den Bundeshaushalt 2021, der Deutschland knapp 180 Milliarden Euro neue Schulden bringen soll.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

werden Sie heute noch auf Schnäppchen­jagd gehen? Es ist Black Friday, der alljährliche Großkampftag der Onlinehändler. Wobei, „Tag” ja eigentlich nicht mehr ganz richtig ist. Aus dem Black Friday ist schon längst die Black-Friday-Woche geworden. Und die dauert beim weltweit größten Onlinehändler auch schon einmal zehn Tage. Und dann gibt es im Anschluss ja auch noch den Cyber-Monday.

Der deutsche Einzelhandel rechnet in diesem Jahr jedenfalls mit Rekord­umsätzen von fast 4 Milliarden Euro. Mehr als jeder dritte Onlineshopper möchte laut einer Umfrage des Handels­forschungs­instituts IFH Köln die Aktionstage nutzen.

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Aber Augen auf beim Schnäppchen­kauf: Viele Händler arbeiten mit Tricks, um Interessenten zum Kauf zu überreden. Da werden vor Beginn der Rabatttage Preise erhöht, Countdowns setzen Käufer unter Druck, Statusbalken implizieren, dass ein Artikel bald vergriffen ist – obgleich identische Produkte kurze Zeit später wieder verfügbar sind. Georg Tryba von der Verbraucher­zentrale NRW verrät, wie man digitale Schnäppchen­fallen vermeidet.

Insgesamt werden gut 420 Millionen Sendungen in den nächsten Wochen auf die Reise gehen. Ausgeliefert werden die ganzen Käufe von Paketdiensten, bei denen die Arbeits­bedingungen zuletzt immerhin etwas besser wurden. Außer bei Amazon, kritisieren Gewerkschafter – denn das Unternehmen setzt weiter vehement auf Subunternehmer.

„Das Virus lässt sich nicht betrügen“

Für Franziska Giffey ist heute auch ein großer Tag. Die 42-jährige Politikerin soll an die Spitze der Berliner SPD gewählt werden. In einer Doppelspitze zwar, mit Raed Saleh, aber jedem ist klar, dass Giffey die wahre Nummer eins ist. Als Bundes­familien- und -frauen­ministerin agiert sie sehr erfolgreich, aber Giffey hat ein großes Problem: ihre Doktorarbeit. Darin hat sie andere Autoren zitiert, ohne das ausreichend kenntlich zu machen. Wie groß dieses Problem für die ganze Berliner SPD ist, haben die RND-Hauptstadt­korres­pondenten Andreas Niesmann und Tobias Peter aufgeschrieben.

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Einen Tag nach den Marathon­verhandlungen mit den Länderchefs über die Corona-Maßnahmen im Dezember hat Angela Merkel gestern eine Regierungs­erklärung gehalten. Darin warnte sie, „dieses Virus lässt sich nicht betrügen und nicht umgehen“. RND-Chef­korres­pondentin Daniela Vates begleitet die Kanzlerin seit Jahren. Mit meinem Kollege Dirk Schmaler hat sie über Merkels Rolle in der Pandemie gesprochen. Und darüber, wie es ist, unter Corona-Bedingungen von der großen Politik in Berlin zu berichten.

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Scharfe Kritik an der Einigung von Bund und Ländern kommt von der Lehrer­gewerkschaft GEW. Ihr gehen die neuen Regeln für Schulen im Umgang mit dem Virus nicht weit genug. „Die Politik ist fein raus und entzieht sich der Verantwortung“, sagt Ilka Hoffmann von der GEW. Im Gespräch mit meiner Kollegin Irene Habich erklärt Hoffmann, warum sich die Schulen von der Politik im Stich gelassen fühlen.

Bürgerkrieg in Äthiopien

Im größten Binnenstaat der Erde droht ein langer und blutiger Bürgerkrieg: in Äthiopien, einem Land, das von einem Friedens­nobelpreis­träger regiert wird. Einem Bericht der international anerkannten äthiopischen Menschenrechts­kommission zufolge wurden dort jüngst an einem einzigen Tag 600 wehrlose Zivilisten getötet. RND-Chefautor Matthias Koch hat für uns in zehn Punkten aufgeschlüsselt, warum es sich dabei um einen „Konflikt mit Ansage“ handelt.

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Wer heute wichtig wird

Finanzminister Olaf Scholz (SPD). © Quelle: imago images/Christian Spicker
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Der voraussichtlich letzte Haushalt dieser Legislaturperiode ist festgezurrt. Mehr als 17 Stunden brüteten die Haushälter über dem Entwurf von Finanzminister Olaf Scholz (SPD), bis in die frühen Morgenstunden. In der sogenannten Bereinigungs­sitzung geht es um das Feintuning des Haushaltes. „Der Bundes­haushalt 2021 steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie“, erklärte der Haushälter der Union, Eckhardt Rehberg. Denn es wurde noch einmal nachgebessert: Insgesamt will die große Koalition im kommenden Jahr knapp 180 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. Ursprünglich sollten es 20 Milliarden weniger sein.

Wohin das Geld fließen soll, können Sie hier nachlesen.

Zitat der Nacht

Das war eine manipulierte Wahl. 100 Prozent.

US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus

Donald Trump stellte sich in der Nacht zum ersten Mal seit der Wahl am 3. November den Fragen von Reportern. Dabei räumte er ein, das Weiße Haus aus freien Stücken verlassen zu wollen, sollte Joe Biden am 14. Dezember vom Wahlgremium zum US-Präsidenten gewählt werden – was nur noch als Formalie gilt. Denn Biden konnte sich nach bisherigem Auszählungs­stand die Stimmen von 306 Wahlleuten sichern, deutlich mehr als die für einen Sieg nötigen 270 Stimmen. Trump will sich dennoch nicht geschlagen geben, seinen Anhängern rief er zu: „Seid nicht enttäuscht, dieses Rennen ist längst nicht vorbei.“

Leseempfehlungen

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Der „Tatort“ wird 50. In der Jubiläums­doppelfolge (29. November und 6. Dezember, jeweils 20.15 Uhr in der ARD) spielt der Münchner Kommissarsdarsteller Udo Wachtveitl (62) an der Seite seiner Dortmunder Kollegen. Im Interview mit Redakteurin Hannah Scheiwe blickt der Schauspieler auf seine fast 20-jährige Karriere als TV-Ermittler zurück, spricht über unprofessionelle Kollegen und seine Wünsche für die „Tatort“-Reihe. „Ich glaube, es muss ein Bewusstsein dafür herrschen, was der ‚Tatort‘ bedeutet – gesellschaftlich, als Journal der Republik, aber auch für die Sendeanstalten“, so Wachtveitl.

Es ist eine viel diskutierte Frage: Schulen schließen oder – so lange es geht – offen lassen? Grundschul­lehrerin Britta Weisberg sagt ganz klar: auflasse. Denn für Kinder ist die Grundschule ein Ort, der mehr für sie tut, als Bildung zu vermitteln.

Die schleichende Corona-Gefahr im Sport: Kann eine Corona-Infektion trotz nur milder Symptome zu Spätfolgen bei Profisportlern führen? Sport­wissenschaftler Wilhelm Bloch spricht mit Blick auf das aktuelle Beispiel von Eishockeyprofi Janik Möser über die Gefahren.

Am heutigen Freitag startet die neue Miniserie „Über­Weihnachten“ (Netflix), in der Comedian und Moderator Luke Mockridge die Hauptrolle spielt. Im Interview mit RND-Reporter Thomas Kielhorn spricht der 31-Jährige über Notlügen, Weihnachts­bräuche und die Zeit nach der Pandemie im Lockdown: „Ich finde, Vorfreude ist die schönste Freude. Und eine Vorfreude auf Normalität ist nicht das Verkehrteste“, sagt Mockridge.

Die Termine des Tages

  • Der Bundesrat beschäftigt sich heute mit einer ganzen Reihe sozial­politischer Themen. Auf dem Plan stehen unter anderem Entscheidungen zu Hartz-IV-Sätzen, Kindergeld und der Einkommens­steuer.
  • Im Missbrauchsfall von Münster soll heute ein erstes Urteil fallen. Ein 53-jähriger Mann aus Norderstedt hat den schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes gestanden.
  • Die deutsche Frauen­national­mannschaft spielt am Nachmittag gegen Griechenland. Die Qualifikation für die EM 2022 in England ist bereits geschafft. Jetzt will das DFB-Team noch die makellose Bilanz waren: Bislang gab es in sechs Spielen sechs Siege und kein einziges Gegentor.

Der Podcast des Tages

Jede Stunde neu: die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

aus dem RND-Newsroom: Ihr Paul Berten

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