• Startseite
  • Politik
  • Schwangerschaft: Grüne wollen hohe Kaiserschnittrate durch neue Klinikvergütung senken

Grüne wollen hohe Kaiserschnittrate durch neue Klinikvergütung senken

  • Die Grünen plädieren nach den Erfahrungen mit Corona für eine umfassende Neustrukturierung der deutschen Krankenhauslandschaft.
  • Auch die Vergütung soll geändert werden, um die Zahl unnötiger Eingriffe zu senken.
  • Konkret geht es zum Beispiel um Kaiserschnitte.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Grünen fordern eine umfangreiche Neustrukturierung der deutschen Krankenhauslandschaft, die auch eine Schließung von Kliniken vorsieht. “Für die Krankenhausplanung der Zukunft sind wir nicht mehr auf alle Krankenhausstandorte, aber umso mehr auf alle Beschäftigen und deren Expertise angewiesen”, heißt es in einem Konzept der führenden Gesundheitspolitiker der Grünen-Bundestagsfraktion, das dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt

“Die Corona-Krise verdeutlicht die Notwendigkeit einer stärkeren Bündelung von Kapazitäten und Kompetenzen”, so die Autoren. Es müsse darum gehen, insbesondere in den städtischen Zentren Doppelstrukturen und Überkapazitäten abzubauen, da diese die personellen und finanziellen Ressourcen verknappten.

“Stellenweise erhebliche Überversorgung”

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Derzeit gebe es eine “stellenweise erhebliche Überversorgung vor allem in urbanen Ballungsgebieten und bestimmten Fachgebieten sowie eine teilweise Unterversorgung in dünn besiedelten Regionen und bestimmten Disziplinen wie etwa der Pädiatrie”, kritisieren Maria Klein-Schmeink, Kirsten Kappert-Gonther, Kordula Schulz-Asche und Bettina Hoffmann in ihrem Konzept.

Die Pandemie habe gezeigt, dass es besonders darum gehen müsse, die Widerstandsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens zu stärken. Das heiße aber nicht, ein Überangebot an Kapazitäten zu schaffen. Vielmehr müsse erreicht werden, dass schnell und flexibel auf sich verändernde Anforderungen reagiert werden könne. “Dazu sind in der Regel größere, spezialisierte Standorte deutlich besser in der Lage”, heißt es in dem Papier.

In dem Konzept wird unter anderem eine Grundgesetzänderung gefordert, um dem Bund mehr Mitsprache bei der Krankenhausplanung zu geben. Grundsätzlich soll bei der Klinikplanung auch der ambulante Sektor mit berücksichtigt werden. Außerdem regen die Grünen an, die Investitionskosten künftig auf Bund und Länder aufzuteilen. Es müsse verhindert werden, dass Kliniken wegen fehlender Mittel Defizite machten und die Kommunen daher zur Privatisierung gezwungen seien, heißt es. Darüber hinaus regen die Autoren eine Umstellung der Klinikvergütung an, um finanziell lukrative, aber medizinisch nicht sinnvolle Eingriffe einzudämmen.

Die Grünen fordern in diesem Zusammenhang auch eine Umstellung der Vergütung von Geburten, um die hohe Zahl von Kaiserschnitten zu senken. Es gehe darum “finanzielle Fehlanreize für Kaiserschnittgeburten” zu beseitigen. Dazu solle die Vergütung der Kliniken für eine natürliche Geburt entsprechend des oft wesentlich höheren Zeitaufwands angehoben und damit an die für Kaiserschnitte angeglichen werden.

In Deutschland wird derzeit jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren, in der übergroßen Mehrheit der Fälle ohne medizinischen Grund. Für die Kliniken ist ein Kaiserschnitt in vielen Fällen lukrativer, weil er planbar ist und deutlich besser vergütet wird.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen