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Schulze zum Bericht des Klimarats: “Wir werden uns anpassen müssen”

  • Der Weltklimarat hat in einem neuen Bericht vor einem starken Anstieg des Meeresspiegels gewarnt.
  • Umweltministerin Svenja Schulze erklärte am Mittwoch: ""Wir wissen, dass wir nicht mehr alles abwenden können."
  • Auch die Deutsche Bischofskonferenz hat sich zeitgleich für mehr Klimaschutz ausgesprochen.
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Berlin. Angesichts des Weltklimareports zur Eisschmelze und den Ozeanen sieht Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) Anpassungsbedarf auch für Deutschland. "Wir wissen, dass wir nicht mehr alles abwenden können", sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Berlin. An Veränderungen, die nicht mehr rückgängig zu machen seien, müsse Deutschland sich anpassen - etwa über Kanalsysteme und mehr Flächen, auf denen Starkregen ablaufen und versickern könne.

Höhere Deiche müssten aber nicht überall kommen: Wenn für das Wasser Ausgleichsflächen geschaffen würden und das Watt an der Nordsee sich schnell genug aufbaue, könne es gehen. "Es wird jetzt nicht überall einfach Deiche am Strand geben", sagte Schulze. "Das sind sehr regionale, wirklich kleinräumige unterschiedliche Strategien."

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Klimarat warnt: Eisschmelze und Anstieg des Meeresspiegels
1:27 min
Wissenschaftler fordern angesichts immer stärker schmelzender Gletscher und anderer Eismassen dringende Handlungsmaßnahmen von der Politik.  © dpa
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Der Meeresspiegel steigt in jedem Fall

Der Weltklimarat (IPCC) hatte am Mittwoch in Monaco einen Sonderbericht zur Eisschmelze und den Ozeanen vorgestellt - demnach wird der Meeresspiegel in jedem Fall auch noch nach dem Jahr 2100 weiter ansteigen.

Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, der Meeresspiegel-Anstieg bedrohe unmittelbar deutsche Küstenregionen, besonders die Halligen bekämen dies zu spüren. Forschung für effektiven Küstenschutz werde bereits gefördert. In den nächsten drei Jahren würden unter anderem 15 Millionen Euro für ein Projekt zu regionalen Informationen zum Klimahandeln bereitgestellt. Es gehe dabei um Karten, Werkzeuge und Leitfäden, damit man nicht "jeden Gedanken in jeder Region wieder neu erfinden muss". Das Forschungsministerium unterstütze auch seit vielen Jahren die Entwicklung von Frühwarnsystemen.

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Deutsche Bischöfe fordern mehr Klimaschutz

Auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich am Mittwoch mit dem Klimawandel beschäftigt. Bei der Herbstvollversammlung der DBK in Fulda forderte der Münsteraner Weihbischof Rolf Lohmann: "Klimaschutz darf unsere Gesellschaft nicht spalten, sondern wir müssen uns gemeinsam dieser großen Aufgabe stellen und den gefährlichen Klimawandel bekämpfen. Und das müssen wir jetzt tun und nicht auf später warten." Die Bischöfe befassten sich am Mittwoch in der osthessischen Domstadt mit dem Thema im Hinblick auf die anstehende Amazonas-Synode im Vatikan. Dabei geht es neben pastoralen Fragen wie dem dort deutlich stärkeren Priestermangel als in Deutschland um ökologische Fragen.

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Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wies als Lateinamerika-Fachmann auf die verheerende Lage hin und kritisierte die Zerstörung des Regenwalds, Brandrodungen und die rücksichtslose Ausbeutung von Rohstoffen. "Frische Luft und Trinkwasser verdanken wir weltweit zu einem wichtigen Teil dem Ökosystem Amazonas. Deshalb liegt der Schutz des Amazonasgebiets in der Verantwortung der gesamten Weltgemeinschaft."

Um dem Raubbau entgegenzutreten, seien alle Menschen aufgerufen, durch einen umweltschonenden Lebensstil, etwa bei Ernährung und Mobilität, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. "Jede und jeder Einzelne kann so den gesellschaftlichen Wandel beschleunigen", sagte Andreas Löschel, Mitglied der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen bei der DBK. Er forderte eine ambitioniertere Klimapolitik.

Um das eigene Handeln zu überprüfen, will die DBK in spätestens zwei Jahren einen Bericht zur Nachhaltigkeit in den Diözesen vorlegen. Im vergangenen Jahr seien Handlungsempfehlungen für die deutschen (Erz-)Diözesen vorgelegt worden. Zur Unterstützung von lokalen Partnern unterstützt das Hilfswerk Misereor 100 Projekte in Amazonien mit jährlich zehn Millionen Euro, wie die DBK mitteilte.

RND/dpa