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Neue Schulschließungen? Lehrer und Eltern warnen vor den Folgen

  • Bund und Länder haben sich zum Bildungsgipfel im Kanzleramt getroffen.
  • Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Bundeselternrat halten die Ergebnisse für höchst ernüchternd.
  • Für den Fall erneuter Schulschließungen werde beim Digitalunterricht kaum etwas besser laufen, warnen sie.
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Berlin. Eltern und Lehrer üben harte Kritik an den Ergebnissen des Schulgipfels im Kanzleramt und warnen, dass im Fall von erneuten Schulschließungen der Fernunterricht nicht besser sein werde als vor den Sommerferien. “Das war ein Schulgipfel der Ankündigungen. Die Geduld der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern wird mit vagen Verabredungen auf die Probe gestellt”, sagte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Wir brauchen mehr Tempo und einen klaren Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen.”

Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrats, sagte dem RND: “Aus Sicht der Eltern ist der Gipfel im Kanzleramt eine Enttäuschung: Das Treffen, das mit viel Brimborium angekündigt wurde, hat kaum etwas Neues gebracht.” Er warnte: “Wenn es wegen der Corona-Pandemie wieder zu Schulschließungen kommt, wird wenig besser laufen als im März."

GEW-Chefin Tepe sprach davon, es seien erneut viele Absichtserklärungen formuliert worden. “Es wird dauern, bis es Verwaltungsvereinbarungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen gibt, bis die Glasfasernetze, die Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler in der Realität vor Ort angekommen sind und eingesetzt werden können”, sagte sie. “Da ist zu befürchten, dass die Infektionszahlen schneller steigen und es zu Teilschließungen der Schulen kommen wird, ohne dass es besseren Fernunterricht als vor den Sommerferien geben kann.”

Positiv wertete sie, dass es eine Flatrate für die Schüler geben solle und der Bund Systemadministratoren ausbilden und mitfinanzieren wolle. “Ob aber die bereitgestellten 500 Millionen Euro für die Systemadministratoren ausreichen, ist höchst unsicher”, sagte Tepe.

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Elternvertreter Wassmuth sagte: “Ich finde es gut, dass die Kanzlerin mit dem Gipfel zeigt: Ihr ist das Thema wichtig. Aber das reicht noch nicht.” Es fehle “das Aufbruchssignal, dass Bund, Länder und Schulträger künftig wirklich Hand in Hand zusammenarbeiten wollen”, so Wassmuth. “Mit dem Spiel, dass einer immer die Schuld auf den anderen schiebt, muss endlich Schluss sein.”

Das Thema Digitalisierung in den Schulen habe die Politik über viele Jahre verschlafen, kritisierte Wassmuth: “Jetzt zahlen unsere Kinder den Preis dafür – und es geht immer noch nicht schnell und durchdacht genug vorwärts. Auch beim Thema der Lüftungskonzepte – das im Herbst und Winter immer relevanter wird – lässt man die Schulen bislang allein.”

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Video
RND-Videoschalte: Fehlende Digitalisierung an Schulen – “Armutszeugnis für die deutsche Politik”
5:34 min
Udo Beckmann, Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, spricht mit RND-Korrespondent Tobias Peter über den digitalen Nachholbedarf an deutschen Schulen.  © RND

Der digitalpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Tankred Schipanski, ging währenddessen hart mit der Kultusministerkonferenz (KMK) ins Gericht. “Der gestrige Gipfel hat erneut gezeigt, dass die KMK nicht willens oder fähig ist, die dringend notwendigen Reformen in der digitalen Schulbildung zu gestalten”, sagte er dem RND. Alle Ergebnisse des Abends seien bereits in Koalitionsausschüssen beschlossen worden.

“Zuständigkeit heißt Verantwortung”, sagte Schipanski dem RND. “In dieser besonderen Situation ist ein gemeinsames und koordiniertes Vorgehen dringender geboten denn je.” Der CDU-Politiker forderte: “Die digitale Schulbildung braucht jetzt unter anderem gemeinsame Maßnahmen in der Zulassung von digitalen Lernmitteln, deren Lizenzierung sowie eine modulare Onlinelehrerfortbildung.” Schipanski sagte: “Die KMK zeigt einmal mehr, dass sie ‘versetzungsgefährdet’ ist.”

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