„Schulen sind nicht auf Knopfdruck zu öffnen“: Lehrerverbände dringen auf Stufenplan

  • Wenn die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten am Mittwoch über das Thema Corona sprechen, wird es einmal mehr um Schulen gehen.
  • Mehrere Lehrerverbände und Gewerkschaften machen jetzt deutlich: Diesmal müsse es einen Stufenplan mit klaren Kriterien geben.
  • Der Deutsche Philologenverband sagt, dabei dürfe es nicht nur um die Inzidenzzahlen gehen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Mehrere Lehrerverbände und Gewerkschaften fordern die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten auf, bei ihrer Sitzung am Mittwoch einen einheitlichen Stufenplan mit verbindlichen Kriterien für Schulöffnungen zu verabschieden.

„Schulen sind nicht auf Knopfdruck zu öffnen. Dafür brauchen wir einen vorsichtigen, klugen und klaren Stufenplan, der am Pandemiegeschehen und am Grad der Sicherheit für alle an den Schulen Beteiligten orientiert ist“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das sollten die Ministerpräsidenten und die Kultusminister aus einem Jahr Erfahrung mit Corona gelernt haben.“

Anzeige

Zur Begründung sagte die Verbandschefin: „Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Kriterien für Schulöffnungen, damit Schulen zwar nicht alle zum selben Zeitpunkt, aber alle nach denselben Kriterien stufenweise wieder öffnen können.“

Sie setzte hinzu: „Insbesondere in Zeiten der unklaren Virusmutationen gehört zu den allgemeinen Voraussetzungen mehr als nur die notwendige Orientierung an einem stabilen Inzidenzwert von deutlich unter 50 am Schulort.“ Auch in den Heimatorten und Heimatlandkreisen der Schüler müsse die Inzidenz deutlich unter 50 sein, wenn sie regulär zur Schule kommen sollten. „In die Planung des Wechselunterrichts muss ebenso einbezogen sein, dass die Schülerinnen und Schüler in nicht überfüllten Bussen und Bahnen zum Unterricht kommen können“, sagte die Verbandschefin.

Was ist mit dem R-Wert und der Impfquote?

„Kriterien für weitere Schulöffnungen über Notbetreuung und Abschlussklassen hinaus sollten zum Beispiel auch ein stabiler R-Wert deutlich unter 1, eine nur mäßige Auslastung des Gesundheitssystems und die Impfquote in der Bevölkerung sowie insbesondere unter den Lehrkräften sein“, führte Lin-Klitzing aus.

Anzeige

Auch die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, forderte „einen bundesweit einheitlichen, verlässlichen Stufenplan“. „Mit diesem hätten Länder, Kreise und Städte dann mit Blick auf das Infektionsgeschehen vor Ort die Möglichkeit, flexibel zu agieren. Das föderale Durcheinander muss endlich beendet werden“, sagte Tepe dem RND. Liege der Inzidenzwert unter 50 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen, sollten sich die Schulen auf Grundlage der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts wieder auf die Öffnung vorbereiten.

Die Gewerkschaftschefin warb zudem für das Modell des Wechselunterrichts. „Entscheidend ist, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Klassen halbiert wird und feste Gruppen gebildet werden“, sagte sie. „So kann das Infektionsrisiko für Lehrkräfte, Lernende und deren Familien gesenkt werden. Gleichzeitig können die Lehrerinnen und Lehrer regelmäßig Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern halten.“

Anzeige

Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), bekräftigte, notwendig sei ein eindeutiger Stufenplan: „Es muss für alle Beteiligten klar sein, ab welchem Inzidenzwert was passiert – und zwar bundesweit einheitlich, um nachvollziehbar argumentieren zu können“, sagte er dem RND.

Der VBE-Chef fuhr fort: „Das gerne hiergegen hervorgebrachte Argument, dies könne man nicht umsetzen, da bei Ausbrüchen in Pflegeheimen und Fabriken ja keine Schulen betroffen sind, ist im Übrigen Humbug.“ Die dort Arbeitenden hätten Kinder, sie hätten soziale Beziehungen, sie gingen einkaufen und nutzten den öffentlichen Nahverkehr. „Ausbrüche in diesen Institutionen betreffen damit natürlich auch die dort ansässigen Schulen.“

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen