Schulöffnung in NRW: Verbände üben scharfe Kritik

  • Die Öffnung der Schulen, die in NRW schrittweise stattfinden soll, stößt bei Lehrerverbänden auf Kritik.
  • “Unter diesen Umständen am Abitur festzuhalten ist absolut falsch”, sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern.
  • Der Verband Bildung und Erziehung spricht sich derweil dafür aus, Schulabschlüsse “im Zweifel ohne Prüfungen” zu vergeben.
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Köln, Düsseldorf. Die Entscheidung des Landes NRW zur schrittweisen Öffnung der Schulen nach der Corona-Zwangspause ist auf Kritik gestoßen. Lehrerverbände kritisierten den Schritt, die weiterführenden Schulen in der kommenden Woche zunächst für die Abschlussjahrgänge zu öffnen. Vertreter der Landesregierung verteidigten die Entscheidung.

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Die Öffnung für die Abschlussjahrgänge sei nötig, damit sich die Mädchen und Jungen "sorgsam" auf die Prüfungen vorbereiten könnten, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Donnerstag im WDR-Radio. Erster Schultag könnte der 23. April sein. Ab dem kommenden Montag sollten die Schulleitungen und Lehrkräfte die Voraussetzungen dafür schaffen, dass in den Schulen die Hygienevorgaben und Auflagen des Infektionsschutzes sichergestellt werden könnten. Die Vorgaben zur Umsetzung dieser Maßnahmen würden vom Schulministerium erteilt, erklärte der Minister.

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Am 4. Mai sollen dann die weiterführenden Schulen in NRW flächendeckend geöffnet werden. Die Abiturprüfungen beginnen dann am 12. Mai. In den Grundschulen sollen nach Angaben des Schulministeriums ab dem 4. Mai zunächst nur die 4. Klassen wieder unterrichtet werden. Die bisherige Notbetreuung für Kinder mit Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen soll fortgesetzt und auf weitere Gruppen ausgedehnt werden.

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Die Bildungsgewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen kritisierte die Entscheidung, trotz der Corona-Krise Abiturprüfungen durchführen zu wollen. “Unter diesen Umständen am Abitur festzuhalten ist absolut falsch”, sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Schüler könnten sich durch die unterschiedliche technische Ausstattung, die Betreuung von Geschwistern und materielle Sorgen in den Familien nicht “normal” auf Prüfungen vorbereiten. Finnern plädierte dafür, in diesem Schuljahr alle schulischen Prüfungen ausfallen zu lassen. Der Abschluss könne wie in den westlichen Nachbarländern auf der Grundlage der bisher erzielten Noten vergeben werden, sagte sie.

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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW sprach sich dafür aus, Schulabschlüsse "im Zweifel ohne Prüfungen" zu vergeben. Jeder unterrichtsfreie Tag habe die "Vorbereitung auf die Prüfungen erschwert", sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau in Dortmund. Es gebe "noch viele Fragen, die zu klären sind, bevor Schulen öffnen können", unterstrich er. In dieser Frage gelte das Motto: "Sicherheit geht vor Eile". "Lernen, auch und gerade prüfungsvorbereitendes Lernen und Lehren in einer sensiblen Atmosphäre, die auch von einer Angst vor Ansteckung erfüllt sein kann, ist für niemanden hilfreich", betonte Behlau.

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Laut einer bundesweiten Umfrage des App-Entwicklers Skills4School gibt es beim Lernen im Homeschooling Defizite. Eine Befragung von über 1.500 Schülern und mehr als 300 Lehrern habe ergeben, dass 53 Prozent der Befragten beim digitalen Lernen zu Hause weniger lernten als in der Schule, teilte das Unternehmen in Hamm mit. Zudem sei die Betreuung durch die Lehrer noch verbesserungsbedürftig. So seien die Kontakte mit den Lehrern mitunter nicht ausreichend gewesen, auch habe es an digitalen Hilfsmitteln gefehlt.

RND/epd

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