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Schüler in Südkorea: Mit drei Stunden Schlaf an die Pisa-Spitze

  • Südkorea ist - genau wie seine ostasiatischen Nachbarstaaten - Pisa-Spitzenreiter.
  • Für die Schüler des Landes ist das rigide Bildungssystem jedoch auch eine Tortur.
  • Am Ende steht ein neunstündiger Prüfungsmarathon.
Fabian Kretschmer
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Peking. Die quirlige 10-Millionen-Metropole Seoul kommt an einem Vormittag im November zum Stillstand: Als vor zweieinhalb Wochen rund 500.000 südkoreanische Oberschüler zur Universitätseingangsprüfung antreten, öffnen die staatlichen Firmen und Börsenmärkte eine Stunde verspätet – damit die Pendler nicht die U-Bahnen und Busse zum Schulweg verstopfen.

Während des 35-minütigen Hörverständnistests in Englisch wird gar der Flugraum landesweit gesperrt. Und bereits Tage zuvor sind die buddhistischen Tempel mit besorgten Müttern gefüllt, die mit Räucherstäbchen und Kerzen für die Zukunft ihrer Kinder beten. Der neunstündige Prüfungsmarathon ist schließlich für einen jeden Südkoreaner der wohl entscheidendste Tag im Leben.

Wie in vielen ostasiatischen Ländern gilt auch im konfuzianisch geprägten Südkorea Bildung als Schlüssel zum gesellschaftlichen Aufstieg. Das spiegelt sich eindrucksvoll bei den am Dienstag vorgestellten PISA-Ergebnissen wider: Die südkoreanischen Schüler landeten durchweg in der Spitzengruppe, oft nur geschlagen von den asiatischen Stadtstaaten Singapur und Hongkong.

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Koreanisches System vergleichsweise integrativ

Im Vergleich mit Deutschland hat Südkorea in allen getesteten Disziplinen – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – im direkten Vergleich die Nase vorn. Ebenfalls ist das Bildungssystem der Koreaner vergleichsweise integrativ: Der soziale Hintergrund der Eltern spielt eine geringere Rolle verglichen mit dem OECD-Durchschnitt.

Tatsächlich war noch nach dem Koreakrieg (1950-53) der Großteil der Bevölkerung analphabetisch. Heute gibt es in keinem Land der Welt mehr Uni-Absolventen als in Südkorea. Dabei hat das rigide Bildungssystem auch seine Schattenseiten, die sich nicht zuletzt in einem gängigen Sprichwort der südkoreanischen Jugend widerspiegeln: "Wenn du drei Stunden schläfst, wirst du den Test bestehen. Vier Stunden Schlaf - und du fällst durch."

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Die Oberschüler des Landes stemmen Arbeitstage wie Spitzenmanager. Dabei findet der wichtigste Teil des Büffelns nicht im Schulgebäude statt. Je näher es an den entscheidenden Universitätseingangstest geht, desto desinteressierter und schläfriger werden die Schüler in den Klassenzimmern. Denn der wichtige Teil beginnt nachmittags in den Nachhilfeinstituten, „Hagwons“ genannt. Dort wird effizient und gezielt für die Prüfung am Ende der Oberschule gebüffelt.

Die massiven Kosten außerschulischer Bildung sind längst zum gesellschaftlichen Überbau geworden. Seit Jahren versucht das Bildungsministerium in Seoul den Nachhilfesektor zu regulieren, um die Chancengleichheit für Kinder aus weniger privilegierten Haushalten zu gewährleisten. Bislang jedoch ist der Widerstand aufgebrachter Eltern zu stark.

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"Hagwons" müssen um 22 Uhr schließen

Der vielleicht größte Erfolg: Seit einigen Jahren müssen die südkoreanischen „Hagwons“ um 22 Uhr schließen, damit die Kinder genug Schlaf bekommen.

Am 7. November hat das Bildungsministerium in Seoul nun seine rund 80 Elite-Schulen abgeschafft. „Ich nehme die Sorgen der Öffentlichkeit ernst, dass die Ungleichheit im Schulsystem auch zur Ungleichheit zwischen den gesellschaftlichen Schichten führt“, begründete Ministerin Yoo Eun-hae die Maßnahme.

Gleichmacherei bedeutet das jedoch nicht: Ab 2025 wird in südkoreanischen Oberschulen ein sogenanntes „Credit-System“ nach dem Vorbild von Universitäten eingeführt: Dann können die Schüler weitestgehend selber bestimmen, welche Kurse sie belegen wollen.