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Schule international – kein Unterricht in Kenia, Chaos im Klassenzimmer in den USA

  • In einigen Bundesländern sind die Sommerferien bereits vorbei – und der Schulalltag ist weiterhin von der Corona-Pandemie bestimmt. So auch in anderen Ländern weltweit.
  • Eines eint fast alle Staaten – die Sorge vor dem Superspreader Schule.
  • Der Umgang mit der Wiederaufnahme des Unterrichts unterscheidet sich dabei aber deutlich. Und das nicht erst seit Ende der Ferien.
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Ob in Berlin, Bremen, Hamburg oder Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland und Schleswig-Holstein, in all diesen Bundesländern hat die Schule nach den Sommerferien bereits wieder begonnen. Die aufgestellten Hygieneregeln hat jedes Land selbst vorab definiert. Bislang sind unkontrollierte Ausbrüche des Coronavirus in Schulen ausgeblieben.

In Kenia kann es in diesem Jahr zu keinem Corona-Ausbruch an Schulen mehr kommen. Das afrikanische Land hat den Unterricht für 2020 schlichtweg als beendet erklärt. Ganz anders in Dänemark. Dort sind die Schüler seit Ostern, also April, bereits wieder in den Schulen versammelt – unter strengen Regeln. Spanien hat noch keine Antwort darauf gefunden, wie man nach dem strengen Lockdown wieder einen sicheren Schulalltag organisieren soll. In Japan leiden vor allem die Lehrer an coronabedingter Mehrarbeit.

Ein Blick in die Welt: Wie andere Länder mit der Frage umgehen, wie ein Schulalltag 2020 aussehen kann.

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USA: Chaos im Klassenzimmer

Von Karl Doemens

Washington. Wenn in zwei Wochen die Sommerferien zu Ende gehen, müssen die Jugendlichen in der US-Hauptstadt Washington und den umliegenden Bundesstaaten Maryland und Virginia wieder zu Hause Bücher und Laptops aufklappen. Ihre Schulgebäude bleiben geschlossen. Im benachbarten New Jersey sollen sie öffnen, sofern genügend Abstand und Belüftung gesichert sind. New York kehrt zum normalen Klassenunterricht zurück. Und in Arizona will der Gouverneur jenen Lehranstalten, die keinen Präsenzunterricht anbieten, den Geldhahn zudrehen.

Der 12. August war in Tampa, Florida, der erste Schultag nach den Sommerferien. © Quelle: imago images/ZUMA Wire
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Viele Schüler sind frustriert, die Eltern aufgebracht, die Lehrer verunsichert – es herrscht Chaos im amerikanischen Bildungswesen. Weder gibt es einheitliche Kriterien für die Öffnung von Schulen, noch ist man sich einig, unter welchen Voraussetzungen die Schulen wieder geschlossen werden müssten: In Kalifornien muss die Infektionsrate an der Schule über 5 Prozent klettern. In New York wird der Grenzwert (9 Prozent) auf die ganze Region bezogen. US-Präsident Donald Trump hat die Corona-Pandemie früh heruntergespielt und behauptet, Kinder seien “so gut wie immun”. Seit Wochen twittert er drohend: “Öffnet die Schulen!” Seine Republikaner wollen die Vergabe von Hilfsmitteln davon abhängig machen. Die tatsächlichen Risiken des Infektionsgeschehens interessieren Trump wenig. Seine Behörden hat er an der Vorlage strenger Kriterien gehindert.

Trump will Normalität um jeden Preis. Doch angesichts täglich rund 50.000 neuer Infektionen in den USA provoziert das immer mehr Gegenwehr. Zwei Drittel der amerikanischen Eltern misstrauen dem Präsidenten in der Frage. Immer mehr Schulbezirke verschieben den ursprünglich geplanten Präsenzunterricht um Monate. Rund die Hälfte der Schüler, schätzt die “New York Times”, wird im Herbst weiter virtuell lernen.

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Kenia: Erst 2021 geht es weiter

Von Miriam Keilbach

Nairobi. Das Jahr 2020 – es existiert nicht. Zumindest nicht für mehr als zwölf Millionen Schulkinder in Kenia. Denn die Regierung hat beschlossen, die Schulen aufgrund des Coronavirus bis 2021 geschlossen zu halten. Das Jahr, das in der Prüfungsphase des ersten Schultrimesters Mitte März abrupt abgebrochen wurde, wird annulliert. Alle Schüler, so sieht es der Plan vor, werden im Januar 2021 in jene Klassenstufe eingeschult, die sie schon 2020 begonnen haben.

Ein Land, in das seit dem 1. August Touristen wieder einreisen dürfen, lässt die Schulkinder zu Hause – wie passt das zusammen? Für die Regierung war es eine Abwägungssache: Die Wirtschaft ist durch Corona eingebrochen, Touristen werden benötigt. In Hotels sind Hygienestandards zudem einfacher einzuhalten als in Schulen. Selbst manche Privatschule hat kein fließendes Wasser. In Klassenzimmern, in denen gleichzeitig zwei bis drei Klassen unterrichtet werden, ist an Mindestabstand nicht zu denken.

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Nakuru in Kenia: So wird es hier in diesem Jahr nicht mehr aussehen. Die Schulen sind bis 2021 geschlossen. © Quelle: imago images/Thomas Frey

Gerade in ärmeren Gegenden sind die Folgen für die Kinder noch nicht absehbar. Viele Schüler bekommen in der Schule die einzige Mahlzeit des Tages. Diese Nahrung fehlt nun – in Zeiten, in denen das Geld aufgrund wegfallender Gelegenheitsjobs innerhalb der Familien noch knapper ist. Und ähnlich wie auch in Europa steigt mit der Dauer der Pandemie und den immer prekärer werdenden Verhältnissen auch die Gefahr von Kindesmisshandlungen und Gewalt innerhalb der Familien.

Die zunehmende Armut und der Hunger, so fürchtet Unicef, tragen zudem zu einem Anstieg der Kinderarbeit bei.

Japan: Belastete Lehrer

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Von Felix Lill

Tokio. Der schulische Lockdown kam früh. Schon zu Beginn der Corona-Krise hatte Japans Regierung den Schulen die Schließung nahegelegt. Zunächst wurden die Ferien verlängert. Als der Unterricht doch weitergehen musste, stiegen die meisten Schulen auf Fernunterricht um. Lehrer stellten Aufgaben, verschickten diese teilweise sogar per Post an ihre Schüler. Längst nicht überall wurde also von den Möglichkeiten digitaler Kommunikation Gebrauch gemacht.

Neben Schülern aus bildungsfernen Umständen belastete diese Umstellung insbesondere die Lehrenden. “Für viele Lehrer fielen durch diverse Zusatzaufwände in der Vor- und Nachbereitung so viele Überstunden an, dass von gesundheitsbedrohlichen Zuständen die Rede war”, sagt Vincent Lesch, ein Experte für das Schulwesen im ostasiatischen Land. Lesch sieht in den Lehrern eine durch die Corona-Krise besonders gepeinigte Gruppe: “Diverse Lehrer mussten weiterhin zur Schule kommen, um dort alles Mögliche in Konferenzen zu besprechen. Die ansonsten übliche Anwesenheitspflicht blieb für sie größtenteils bestehen.”

Und jetzt, wo nach der Sommerpause der Unterricht wieder in den Klassenräumen stattfindet? Für das Personal ist trotzdem wenig wie vorher. Dabei ist der große Unterschied nicht der, dass alle Anwesenden einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen – das ist man in Japan gewohnt. Allerdings sind die Lehrer nun auch dafür verantwortlich, dass regelmäßig Tische und Türklinken desinfiziert werden und die Klassenräume gelüftet sind. Diese Aufgabe, wenn sie sie nicht selbst durchführen, müssen sie zumindest eng überprüfen. “Allfällige Mängel fallen ansonsten auf die Lehrer zurück”, so Lesch.

Ob zunächst einmal alles so bleibt wie derzeit, lässt sich kaum vorhersehen. Zuletzt hat Japan eine neue Infektionswelle ereilt. Innerhalb eines Monats hat sich die Infektionszahl verdoppelt. Schon länger werden Forderungen nach wieder härteren Maßnahmen laut – die auch die Schulen treffen könnten.

Israel: 15.000 neue Lehrer

Von Pierre Heumann

Jerusalem. Zwei Wochen vor dem offiziellen Schulbeginn am 1. September widersprechen sich Israels Politiker. Während der Erziehungsminister am Termin 1. September festhält, denkt man im Gesundheitsministerium wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr über eine Verschiebung des Schulbeginns um mehrere Wochen nach.

Sicher ist lediglich, dass sich ab der vierten Klasse Frontal- und Fernunterricht ablösen werden. Lediglich in den Kinderkrippen und bis zum dritten Schuljahr sollen die Kinder die ganze Woche präsent sein.

Um in der Ausnahmesituation einen weitgehenden Normalbetrieb zu ermöglichen, sollen 15.000 neue Lehrer eingestellt werden, die bisher in anderen Berufen gearbeitet haben und aufgrund der Krise seit Monaten arbeitslos sind. Damit soll eine Reduktion der Schülerzahlen pro Klassenzimmer von heute 38 auf höchstens 18 realisiert werden. Umschulen lassen können sich zum Beispiel Touristenführer, die Fremdsprachen beherrschen und sich in Fächern wie Geschichte oder Geografie bestens auskennen.

Israel hatte auf die erste Corona-Welle mit einem Lockdown reagiert. Dieser hatte die Wirtschaft zwar in eine tiefe Krise gestürzt, aber die Fallzahlen nach unten gedrückt. Doch dann lieferte das Land ein Beispiel dafür, welche Fehler bei der Öffnung zu vermeiden sind. Nachdem die Pandemie besiegt schien, wollte die Regierung die Wirtschaft möglichst schnell wieder ankurbeln. Dazu gehörte auch die Rückkehr der Schüler in die Klassenzimmer. Es dauerte indes nicht lange, bis die ersten Schüler positiv getestet wurden. Hunderte von Schulen wurden wieder geschlossen, Zehntausende Schüler und Lehrer in Quarantäne geschickt. Auch wenn die Epidemie unter Kontrolle scheine, müsse man bei der Öffnung der Schulen unbedingt vorsichtig vorgehen, fassen Epidemiologen Israels Erfahrung zusammen. Zudem sollte man nicht alle Schulen auf einen Schlag öffnen, sondern müsse schrittweise vorgehen.

Brasilien: Der Flickenteppich

Von Tobias Käufer

Rio de Janeiro. Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes in den brasilianischen Schulen ist mindestens so umstritten wie in Europa – und ebenso unsicher. Im nordöstlichen Bundesstaat Bahia glaubt Vizegesundheitsminister Fábio Vilas-Boas an eine Rückkehr in die Schulen im September oder Oktober. Alles hänge von der weiteren Entwicklung ab. Damit liegt Vilas-Boas im Trend, was die Öffnungsdebatte in den verschiedenen Bundesstaaten angeht: Vielleicht im September, vielleicht im Oktober, vielleicht gar nicht – oder wenigstens für ein bis zwei Tage.

Die uneinheitliche Lage an den Schulen entspricht großen regionalen Unterschieden bei der Entwicklung der Pandemie: In einigen Bundesstaaten ist die Entwicklung bereits rückläufig, in anderen allerdings nimmt die Zahl der Infektionen weiter stark zu. Das alles führt zu einem Flickenteppich. Im bevölkerungsreichen Bundesstaat São Paulo ist ein Neustart des Unterrichts im Oktober geplant, in Rio de Janeiro könnte es bereits im September losgehen.

In der Amazonasregion wollen die Lehrer in die Debatte miteinbezogen werden. Weil aber über ihren Kopf hinweg entschieden wurde, begannen sie einen Streik. Die Stimmung fasst Lehrerin Dani Santos aus Araruama zusammen: “Meine Schule hat weder Seife noch Toilettenpapier. In der Realität ist keine öffentliche Schule darauf vorbereitet, Schüler ohne Impfung zu empfangen.” Die meisten Eltern haben daher Angst. Mutter Hagata Pires berichtet: “Die Schule meiner Tochter wurde für zwei autorisierte Tage geöffnet. Ich habe sie nicht hingeschickt und werde sie auch nicht schicken.”

Spanien hat bisher keine Antwort

Von Martin Dahms

Madrid. Fernando Simón, der Direktor der spanischen Seuchenschutzbehörde, gibt auf konkrete Fragen gern allgemein gehaltene Antworten. “Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben”, sagte er am Donnerstag gleich dreimal auf die Frage nach möglichen Schulschließungen im September. “Wenn es nötig ist, Schulen oder einzelne Klassen zu schließen, wird man das tun müssen.”

Eine bessere Antwort konnte er wahrscheinlich nicht geben. Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen schnellt in Spanien gerade in die Höhe. In den vergangenen drei Wochen ist der Siebentageswert im nationalen Durchschnitt um das Zweieinhalbfache auf 58,17 je 100.000 Einwohner gestiegen. Wo dieser Wert in weiteren drei Wochen stehen wird, ist ungewiss – dann aber soll in den meisten spanischen Schulen der Unterricht wieder beginnen.

Seit der zweiten Märzwoche gehen die spanischen Kinder und Jugendlichen nicht mehr zur Schule. Die überlasteten Eltern sehnen sich nach dem Schulbeginn, aber ob der so bald kommt, steht in den Sternen. Die Region Madrid richtet sich auf vier unterschiedliche Szenarien ein: von “neuer Normalität” fast ohne Einschränkungen bis zur Schließung aller Schulen mit Ausnahme der Vorschulen. In einem weiteren Szenario werden die Oberstufenschüler jeden zweiten Tag nach Hause geschickt, in einem anderen kommen die Kinder zur Schule, bleiben aber im Klassenverbund unter sich, ohne sich auf dem Schulhof mit anderen Schülern zu treffen.

In Andalusien kündigen Elternvereine an, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken, weil sie die angekündigten Schutzmaßnahmen für ungenügend halten. Auch wenn die Regionalregierung verspricht, 6000 neue Lehrer einzustellen, werden die Klassenstärken kaum abnehmen. “Das letzte Halbjahr war ein Desaster”, sagt Teresa Pablo, Sprecherin eines der Elternvereine.

Dänemark: Unterricht im Freien

Von Thorsten Fuchs

Tingleff. Dänemark war dem Rest Europas bei den Schulöffnungen immer einen Schritt voraus. Als erstes Land bat es seine Kinder nach dem Lockdown wieder in die Klassenräume. Bereits nach Ostern, am 15. April, gingen Grundschüler wieder in den Unterricht (und Kita-Kinder in die Kitas), einen Monat später folgten nach und nach die älteren Jahrgänge. Zu Infektionsherden wurden die Schulen dennoch nicht: Landesweit wurden dort bis zu den Ferien drei Fälle registriert.

Das neue Schuljahr beginnt für die Schüler nun in voller Klassenstärke, aber mit zahlreichen Vorsichtsregeln: “Die Schüler dürfen den Klassenverband nicht verlassen”, sagt Tim Nissen, Konrektor der Deutschen Schule Tingleff, wo der Unterricht für die 150 Schüler der Klassen null bis zehn vergangene Woche wieder begonnen hat. In den Klassenräumen sind die Tische auseinandergerückt, in den Gängen und auf dem Schulhof sollen Markierungen dafür sorgen, dass sich die Klassen nicht mischen. Masken brauchen die Kinder jedoch nicht zu tragen. “Wenn irgend möglich, verlegen wir den Unterricht wieder nach draußen”, erklärt Nissen weiter, “noch mehr als vor den Ferien.” Zudem könne sich jeder jederzeit testen lassen.

Eine sorgenfreie Welt also? Nicht ganz. Auch in Dänemark sind die Infektionszahlen zuletzt wieder gestiegen, vor allem in Aarhus gibt es Probleme. Auch die Deutsche Schule Tingleff hat für den Fall steigender Infektionszahlen daher einen Plan B – bei dem es Konrektor Nissen sehr hilft, dass Dänemark bei der Digitalisierung der Schulen deutlich weiter ist als Deutschland. Laptop und Ta­blet sind ab Klasse fünf im Unterricht selbstverständlich, ebenso wie WLAN in der Schule. In dem Fall, sagt Nissen, finde der Unterricht sofort von zu Hause aus über eine Videoplattform statt. “Diesmal”, sagt er, “sind wir vorbereitet.”

China: Eltern dokumentieren Temperatur ihrer Kinder

Von Fabian Kretschmer

Peking. In China ist das Virus nicht nur als erstes ausgebrochen, sondern wurde dort auch als erstes unter Kontrolle gebracht: Seit März haben bereits einzelne Provinzen damit begonnen, den Schulunterricht fortzusetzen.

Wie der Schulalltag in China konkret ausschaut, hängt dabei stark vom jeweiligen Landesteil ab. In vielen abgelegenen Provinzen, die seit Monaten bereits keine lokalen Virusübertragungen mehr registriert haben, ist mittlerweile praktisch wieder alles beim Alten: Die Schüler haben während des Unterrichts ihre Masken abgenommen und können den Unterricht de facto ohne Auflagen fortsetzen. In der Hauptstadt Peking hingegen, die allein aus politischem Willen coronafrei gehalten werden soll, gelten strengere Vorkehrungen, darunter eine durchgehende Maskenpflicht für Schüler und Lehrer. In einzelnen Regionen, in denen Infektionsstränge aufgetaucht sind, wurden die Schulen erneut vorübergehend geschlossen.

Für die gesamte Volksrepublik gelten jedoch ein paar grundlegende Maßnahmen: Vom Betreten der Schule bis hin zur letzten Stunde wird jedem Schüler mehrmals die Körpertemperatur gemessen. In Städten wie Shanghai oder Shenzhen stehen dafür oftmals moderne Wärmebildkameras vor den Schulgebäuden bereit. Abseits des Unterrichts müssen die Eltern ebenfalls den Thermometerjob in die eigene Hand nehmen – und vorm Schlafengehen und nach dem Aufstehen die Temperatur ihrer Kinder in einer Chatgruppe durchgeben.

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Schulstart in Hessen unter Corona-Bedingungen
2:03 min
In Zeiten der Corona-Pandemie ist in Klasse und Schulgebäude vieles anders als sonst. Maskenpflicht, Hände desinfizieren und Abstand halten.  © Reuters

Abstandsregelungen allerdings werden in chinesischen Schulen kaum umgesetzt. Das hat vor allem praktische Gründe: Bei durchschnittlichen Klassengrößen von über 30 Schülern und vergleichsweise kleinen Unterrichtsräumen lassen sich Abstandsregeln von über einem Meter schlicht nicht einhalten. Die meisten Lokalregierungen setzen daher vor allem auf eine strenge Maskenpflicht.

Großbritannien: Schule hat Priorität

Von Katrin Pribyl

London. In England – Bildung ist im Königreich dezentral organisiert – sollen nach den Sommerferien Anfang September wieder alle Jahrgangsstufen vor Ort unterrichtet werden. In Schottland kehren alle Kinder laut Plan spätestens bis zum 18. August in die Unterrichtsräume zurück. Die Wiedereröffnung der Schulen, die seit dem 20. März geschlossen waren, sei eine “moralische Pflicht” und habe “nationale Priorität”, befand Regierungschef Johnson vor wenigen Tagen.

Lediglich der Nachwuchs von Eltern, die in Schlüsselbereichen tätig sind, etwa für den Gesundheitsdienst arbeiten, war in den vergangenen Monaten ausgenommen von der strikten Maßnahme. Bildung solle künftig in lokalen Lockdowns der “absolut letzte Sektor” sein, der heruntergefahren wird, so Johnson. “Die Schulen nur einen Moment länger geschlossen zu lassen als unbedingt notwendig ist sozial untragbar, wirtschaftlich nicht aufrechtzuerhalten und moralisch unvertretbar.”

Die richtigen Maßnahmen seien getroffen. So sollen etwa einzelne Klassen oder Jahrgänge “geschützte Blasen” bilden, um die Anzahl der Kontakte von jedem Schüler zu minimieren. Außerdem gelten strenge Hygienevorschriften. Doch während die Schulleiter-Berufsvereinigung ASCL die Richtlinien als unklar und missverständlich kritisiert, warnen Wissenschaftler, dass das System zur Kontaktverfolgung noch nicht bereit sei für eine flächendeckende Rückkehr zum Vollzeitschulbetrieb. Großbritannien ist eines der am schlimmsten von der Pandemie getroffenen Länder weltweit.

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