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Untersuchung : 2030 fehlen 81.000 Lehrkräfte – Gewerkschaft kritisiert Kultusminister

Ein Corona-Fall in der Schule bedeutet Quarantäne für Mitschüler – aber nicht mehr für die ganze Klasse, sondern nur noch für Sitznachbarn.

Das Problem mit den Lehrkräften in Deutschland wächst weiter.

Berlin.Bis 2030 fehlen in Deutschland mindestens 81.000 Lehrkräfte. Das ergab eine Untersuchung des Erziehungswissenschaftlers und Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm von der Universität Duisburg-Essen im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Bei einer Pressekonferenz am Dienstag betonten Klemm und VBE-Geschäftsführer Udo Beckmann, wie dramatisch die Prognosen sind. „Es gibt keine zwei Lesarten dieser Ergebnisse“, sagte Beckmann.

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Grund der Untersuchung war es, den tatsächlichen Mangel der Lehrerinnen und Lehrer herauszufinden und damit die Berechnungen der Kultusministerkonferenz (KMK), die im Dezember 2020 veröffentlicht wurden, zu überprüfen. „Die Zahlen der KMK sind unseriös und verschleiern den Lehrermangel. Die Situation ist viel dramatischer“, beurteilte Beckmann die Lage. Auch Klemm wirft der Untersuchung der KMK „mangelnde Seriosität“ vor und bezeichnet die Ergebnisse zum Teil als „abenteuerlich“.

Die Ergebnisse der beiden Studien liegen weit auseinander. Während die KMK für das Jahr 2030 rund 14.000 fehlende Lehrerinnen und Lehrer prognostiziert, errechnete Klemm einen Mangel von 81.000. Und das sei eine optimistische Berechnung, sagte er. Demnach ist Klemm davon ausgegangen, dass alle Absolventinnen und Absolventen des Lehramtsstudiums auch in den Beruf eintreten.

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Das Problem an der KMK-Untersuchung ist laut Klemm, dass die Bundesländer zwar richtig einschätzten, wie viele Lehrerinnen und Lehrer sie benötigen, aber offensichtlich unklar sei, wie viele zur Verfügung stehen werden. Demnach müssten bis 2030 rund 367.000 Lehrkräfte eingestellt werden – diese Zahl unterscheidet sich in beiden Untersuchungen nur um wenige Tausend.

Zu den eklatanten Unterschieden kommt es aber bei der Berechnung des Angebots. Als besonders skurril bewertete Klemm die Prognose aus Sachsen, die in beiden Bereichen deckungsgleich ist. „Die haben im Grunde keine Berechnungen gemacht. Das zeigt, wie grotesk das Ganze ist“, kritisierte der Wissenschaftler.

Fehlende Lehrkräfte auch für Inklusion, Ganztag, Betreuung sozialschwacher Schüler

Dazu kommt: Klemm bezieht sich mit seinen Berechnungen nur auf den Mangel im normalen Schulalltag. Der zusätzliche Bedarf, den es bräuchte, um Inklusion und Ganztagsangebote an den Schulen zu stärken sowie auf sozialschwache Schülerinnen und Schüler zu reagieren, ist nicht integriert. Dafür würden zusätzlich rund 74.000 Lehrkräfte benötigt, so Klemm.

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Für den VBE und den Wissenschaftler ist klar: Die Politik muss handeln – und zwar schnell. „Es braucht jetzt eine Fachkräfteoffensive. Absolventinnen und Absolventen müssen angesprochen werden, und der Beruf muss attraktiver werden“, sagte VBE-Geschäftsführer Beckmann. Deswegen forderte er, dass künftig alle gleich bezahlt werden – unabhängig von der Schulform.

Wichtig ist Beckmann aber, dass die Qualität der Ausbildung nicht abnimmt. Er schließt daher aus, das Studium oder das Referendariat zu verkürzen. „Nur weil wir einen Mangel haben, ist es nicht sinnvoll, herunterzufahren. Gerade die Übergangsphase von der Theorie zur Praxis ist extrem wichtig“, sagte Beckmann auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Die KMK-Präsidentin und Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, Karin Prien (CDU), wies die Kritik auf RND-Anfrage zurück. „Solche Ergebnisse von Studien sind für uns nicht neu, und wir haben die Entwicklung im Blick“, sagte Prien. Die CDU-Politikerin betonte, dass die KMK deswegen bereits 2020 verschiedene Maßnahmen entwickelt habe, um dem Mangel entgegenzuwirken. Dazu zähle auch ein Ausbau der Studienplätze.

Im Frühjahr 2022 solle es einen Plan geben, wie unter anderem Seiteinsteigerinnen und Seiteneinsteiger besser fortgebildet werden können, so Prien. Nach der wissenschaftlichen Einschätzung der KMK seien die Unterschiede zwischen den eigenen Berechnungen und den Berechnungen Klemms nicht so groß wie dargestellt.

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