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Schülervertreter warnen: Aus verbleibenden Wochen keine Pauk- und Prüfungscamps machen

  • Was geschieht in den letzten Wochen dieses ungewöhnlichen Schuljahres?
  • Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, warnt, es dürfe jetzt nicht nur um Leistung, Klassenarbeiten und Noten gehen.
  • Alle müssten sich jetzt die Frage stellen: „Welche Prüfung braucht es wirklich – und welche kann wegfallen?“
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Berlin. Die Bundesschülerkonferenz warnt davor, in den verbleibenden Wochen dieses Schuljahres zu viele Klassenarbeiten und Prüfungen abzuhalten. „Ich sehe eine große Gefahr, dass die oberste Priorität in den Schulen jetzt ist, Leistung abzuprüfen“, sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Ein dringender Appell

Klassenarbeiten, Tests, Klausuren, Prüfungen – all das sei lange Zeit nicht möglich gewesen, sagte Schramm. Und die Lehrer stünden unter Druck, Zensuren zu vergeben. „Dennoch müssen sich jetzt alle Kultusministerien, Schulen und Lehrer die Frage stellen: Welche Prüfung braucht es wirklich – und welche kann wegfallen?“, forderte Schramm.

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Der Schülervertreter sagte: „Ich appelliere an alle Beteiligten, aus den verbleibenden Schulwochen keine Pauk- und Prüfungscamps zu machen.“ Das Prinzip müsse jetzt sein, im Zweifel etwas großzügiger zu sein.

Im Mittelpunkt müsse jetzt stehen, dass die Kinder und Jugendlichen wirklich wieder in den Schule ankämen und miteinander in Interaktion kämen, so Schramm. „Lehrer sollten ein waches Auge dafür haben, ob und welchen Schüler es noch immer schlecht geht, weil sie während der Pandemie in ein Loch gefallen sind“, sagte er. Es sei wichtig, die entsprechenden Schüler anzusprechen und sie auf schulpsychologische Beratungsstellen und andere Hilfsangebote aufmerksam zu machen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte dem RND, die meisten Bundesländer machten bei den schriftlichen Leistungserhebungen und Prüfungen in diesem Jahr deutliche Abstriche. „Das ist auch richtig so“, sagte er. „Weder beim Unterrichtstoff noch bei Klassenarbeiten und Klausuren kann jetzt in kürzester Zeit das nachgeholt werden, was sich durch die Pandemie an Aufholbedarf aufgestaut hat.“

Gleichzeitig müsse aber auch klar sein, dass man nicht auf jegliche Lernstandserhebungen verzichten kann. „In diesen Wochen fallen wichtige Entscheidungen, auch darüber, ob der eine oder andere Schüler nicht besser die Klasse wiederholen sollte, wenn die Lernlücken zu groß sind“, sagte Meidinger. „Dafür braucht es natürlich Entscheidungsgrundlagen. Das liegt auch im Interesse der Schüler und Eltern.“

Wird das Nachhilfeprogramm verschleppt?

Meidinger forderte zugleich, die Länder müssten jetzt rasch das angekündigte, weitgehend vom Bund finanzierte Nachhilfeprogramm organisatorisch vorbereiten. „Ich kann nur dringend dazu aufrufen, dass die Bundesländer jetzt mit den konkreten organisatorischen Vorbereitungen für das Nachhilfeprogramm im nächsten Schuljahr beginnen“, sagte er. „Die Schulen müssen möglichst bald wissen, wie viel Geld sie zur Verfügung haben, damit sie sich um Lehramtsstudenten und um pensionierte Lehrkräfte bemühen können.“

Der Präsident des Lehrerverbandes warnte: „Wenn jetzt nichts passiert, kann das Aufholprogramm nicht rechtzeitig anlaufen. Das wäre hochproblematisch, weil Lernlücken so immer weiter verschleppt würden.“ Zudem seien die Länder gefordert, auf das Geld des Bundes noch kräftig etwas draufzulegen.

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