Eine Partei ohne klare Richtung: Wohin will die SPD mit Scholz?

  • Wollen die Sozialdemokraten wirklich kämpfen für einen Kanzler Olaf Scholz?
  • Oder genügt es ihnen, Juniorpartner einer von Grünen und Linken dominierten rot-rot-grünen Koalition zu sein?
  • Eigentlich müssten sie das mal entscheiden. Stattdessen drehen sie endlos an ihrem bunten Rubik-Würfel herum. Ein Kommentar von Matthias Koch.
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Olaf Scholz sprach wieder einmal mit extremer Kühle über die Linkspartei. Wer regieren wolle, ätzte er in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger, müsse auch regierungsfähig sein: “Da wird es viel zu diskutieren geben, ich wünsche gute Verrichtung.”

Was soll das werden? Ein Aufbruch in die rot-rot-grüne Ära mit dem Gestus von verschränkten Armen?

Das Dilemma der SPD ist: Scholz-Fans innerhalb und außerhalb der Partei finden seine harte Haltung cool – genau damit aber wird R2G nie zum elektrisierenden Projekt, das alle mitreißt.

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Der Designer Ernö Rubik hat einst den bunten Rubik-Würfel erfunden. Das ist ein in drei Dimensionen drehbares Ding, das schon Millionen Menschen zur Verzweiflung trieb. Versucht man, eine Seite des Würfels in der gleichen Farbe darzustellen, ergeben sich Probleme auf der anderen. Immer wieder fällt soeben Erreichtes hier dem jüngsten Dreh dort zum Opfer.

Ist der Kanzler nun wichtig oder nicht?

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Ähnlich geht es zu bei der Debatte über Rot-Rot-Grün. Innere Widersprüche kommen ständig zum Vorschein. Im “ARD-Sommerinterview” schloss SPD-Chefin Saskia Esken nicht aus, einen grünen Kanzler mitzuwählen: “Da geht es nicht um Eitelkeit.” Tags darauf stellten sie und Norbert Walter-Borjans mit großer Geste Scholz vor als den Mann, den die SPD nun dringend als Kanzler wolle.

Ist dieser neueste Dreh nun der letzte? Noch im November 2019 – in einer Zeit, an die sich nicht nur die Älteren erinnern – hatten Esken und Walter-Borjans den damals in Teilen der SPD regelrecht gefürchteten Scholz mühsam als Bundesvorsitzenden der SPD verhindert.

Nun kommt Scholz auf die Bühne zurück, als der große Hoffnungsträger, hinter dem sich die SPD strahlend versammelt. Die Partei muss aufpassen, dass sie das Publikum und sich selbst nicht frustriert. Klar: Rubiks Cube ist ein Geduldsspiel. Bei vielen aber landen die oft unfroh machenden Würfel irgendwann in einer staubigen Ecke.

“Staat, Sex, Amen”
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