Scholz gegen Laschet: Triell war gestern

  • In der jüngsten Infratest-Umfrage, gestern Abend veröffentlicht, legen nur zwei Parteien zu: Union und SPD.
  • Auf den letzten Metern konzentriert sich nun alles auf das Rennen zwischen Olaf Scholz und Armin Laschet.
  • Ein Wahlkampf, der als Dreikampf begonnen hatte mit einer 40 Jahre alten Kanzlerkandidatin der Grünen, wird nun doch zum Duell zweier Männer aus der Abteilung 60 plus.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

das wilde Wahljahr 2021 bleibt völlig unberechenbar. Staunend blicken die Deutschen auf weit mehr als die eine oder andere kleine politische Pendelbewegung. Gleich mehrfach hat sich, wie durch einen jähen Wechsel von Jahreszeiten, binnen weniger Wochen die komplette politische Landschaft verändert.

In Phase eins schien es, als werde dieser Wahlkampf ganz anders sein als alle vorherigen.

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Erstmals gab es mit Annalena Baerbock eine Kanzlerkandidatin der Grünen, der man sogar gute Chancen einräumte. „Endlich anders“, hauchte das Magazin „Stern“ auf seinem Titel. Der „Spiegel“ erklärte, „warum keiner mehr an ihr vorbeikommt“. Erstmals wurden im Fernsehen Trielle vereinbart, erstmals auch lagen die Grünen in Umfragen vier Monate vor einer Bundestagswahl vor Union und SPD. Bei Infratest lautete Anfang Mai der Spielstand: Grüne 26 Prozent, CDU/CSU 23, SPD 14. Die Sozialdemokraten wurden gefragt, ob sie angesichts dieser Lage auf eine Kanzlerkandidatur nicht lieber verzichten wollen.

So ändern sich die Zeiten: Baerbock-Welle im Mai 2021. © Quelle: RND

In Phase zwei startete Olaf Scholz überraschend durch – und drehte die Verhältnisse um. Die jüngste Infratest-Umfrage, gestern Abend von der ARD veröffentlicht, sieht die SPD aktuell bei 26 Prozent, die CDU/CSU bei 22. Jetzt sind es die Grünen, die Hohn und Spott ertragen müssen. Tatsächlich können sie mit ihren neuerdings nur noch 15 Prozent froh sein, überhaupt noch zum dritten und letzten Triell eingeladen zu sein (Sonntag, 19. September, 20.15 Uhr, Pro Sieben, Sat.1 und Kabel 1).

Ein Geruch von Fake News und Verschwörung

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Aber auch dieses Meinungsbild ist noch nicht das letzte in diesen bewegten Zeiten. Inzwischen läuft Phase drei: ein hammerharter Machtkampf zwischen Schwarz und Rot, ganz wie in früheren Jahrzehnten, ausgefochten als Duell zweier Männer aus der Abteilung 60 plus.

Plötzlich liegt, ein bisschen wie in den USA, sogar ein Geruch von Fake News und Verschwörung in der Luft. Könnte es sein, dass hinter der für Scholz belastenden Durchsuchungs­aktion im Finanzministerium parteipolitische Motive eines Staatsanwalts stehen, der auch CDU-Mitglied ist? Oder sind solche Deutungen ihrerseits ein Schurkenstück, weil sie das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben? Sven Christian Schulz aus dem RND-Newsroom hat die Zweischneidigkeit der Zollfahndungsaffäre ausgeleuchtet. Fest steht nur, dass Scholz sich am kommenden Montag unangenehmen Fragen im Finanzausschuss des Bundestages zur Ineffizienz bei der Finanzaufsicht stellen muss.

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Bislang waren alle Finanzaufsichts­affären, von Cum-ex bis Wirecard, zu kompliziert, als dass sie Scholz hätten schaden können. In der Infratest-Umfrage legte er jetzt noch einen Punkt drauf. Armin Laschet allerdings, eben noch totgesagt, ist ihm auf den Fersen und schaffte sogar zwei Pluspunkte auf einmal. Auch dies ist eine wilde Wendung im Wahljahr 2021: Der Totgesagte aus der Union steht, was positive Veränderungen pro Zeiteinheit angeht, kurioserweise als Gewinner der Woche da.

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Zitat des Tages

Sie hat das Bild umgestülpt, das sich die Welt von Deutschland machte. Angela Merkel hat dafür gesorgt, dass Deutschland sympathisch, ja, cool wurde.

Marion Van Renterghem, französische Journalistin und Buchautorin

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