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Schöne neue Bilder aus Paris

Ihre Wagenkolonne ließ sie mal schnell halten: Annalena Baerbock (Grüne), neue deutsche Außenministerin, am Donnerstag vor dem Eiffelturm in Paris.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

gestern in Paris vor einer Brücke an der Seine ließ Annalena Baerbock spontan ihre Wagenkolonne halten. Die neue deutsche Außenministerin gab den Fotografen Gelegenheit, sie vor dem Eiffelturm zu fotografieren.

Alles in allem war es, wie die mitreisende RND-Korrespondentin Daniela Vates berichtet, ein schöner erster Arbeitstag für Baerbock. In Brüssel traf sie später noch John Kerry, den Klimabeauftragten der USA. Und bei der Begegnung mit ihrem Amtskollegen Jean-Yves Le Drian verkündete sie fröhlich: „Was gibt es Schöneres für eine Außenministerin, als am ersten Morgen im neuen Amt in Paris zu sein?“

Vor dem Eiffelturm machte Baerbock, rotes Kleid, schwarze Stiefel, eine gute Figur. Viele werden sich freuen über die schönen neuen Bilder aus Paris: Sie gehören zu den ersten Dokumenten des Wirkens einer Frau an der Spitze des Auswärtigen Amts.

Ich in Paris, ich in New York

Doch auch Gutwillige spüren einen seltsamen Nachgeschmack. Denn irgendwie erinnern Baerbocks Eiffelturm-Bilder an die „Ich in New York“-Fotos, die im August 2010 der unselige Karl-Theodor zu Guttenberg am Times Square hatte machen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in New York auf dem Times Square.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in New York auf dem Times Square.

Der damalige Bundeswirtschaftsminister von der CSU hatte Lösungen für die deutsche GM-Tochter Opel ausloten wollen – und wenig erreicht. Peter Struck, der inzwischen verstorbene damalige Chef der SPD-Bundestagsfraktion, höhnte: „Dafür hätte er nicht nach Amerika fahren müssen. Es sei denn, er hat Wert auf die Fotos am Times Square gelegt.“

Welcher Auftritt im Ausland bewegt wirklich etwas? Und welcher soll nur die Fans im Inland beeindrucken? Manchmal ist das nicht so leicht zu sortieren. Baerbock jedenfalls konnte gestern die derzeit gerade von Tag zu Tag tiefer werdende Spaltung von Deutschland und Frankreich in der Kernenergiefrage nicht weglächeln. „Dass wir zu der Nuklearfrage unterschiedliche Positionen haben, ist ja bekannt“, sagte die Grünen-Politikerin nur. Ende der Durchsage.

Plant Scholz einen Energiedeal mit Macron?

Doch offensichtlich beeindruckt diese Meinungsverschiedenheit die französische Regierung kein bisschen. Frankreich verlangt weiterhin von der EU, Atomkraft als klimafreundliche Energie einzustufen – diese sogenannte Taxonomie­entscheidung würde einen bedeutenden Kapitalfluss in Richtung Kernenergie auslösen. Die Entscheidung fällt nicht irgendwann, sondern schon in den nächsten Tagen.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz, der heute in Paris mit Präsident Emmanuel Macron zusammenkommt, wird daran nichts ändern können. Denn Deutschland gilt in Frankreich, was Energie- und Klimapolitik angeht, in keinerlei Hinsicht als guter Ratgeber. Die Kernkraft, so sieht es die Mehrheit der Französinnen und Franzosen, bietet ihnen gleich zwei Vorteile auf einmal. Sie trägt erstens dazu bei, den Strom billiger zu machen als in Deutschland. Und sie sorgt zweitens dafür, dass auch der Kohlendioxidausstoß pro Kopf in Frankreich deutlich geringer ist.

6. September 2021, Paris: Olaf Scholz, damals noch deutscher Finanzminister, zu Gast beim französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron.

6. September 2021, Paris: Olaf Scholz, damals noch deutscher Finanzminister, zu Gast beim französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron.

Scholz könnte heute in Paris versuchen, einen Paketdeal vorzubereiten: die seufzende Duldung von Nord Stream 2 durch Frankreich und andere Pro-Atom-Staaten in der EU, darunter Polen, im Gegenzug zur seufzenden Duldung des milliardenschweren französischen Nuklearprogramms durch Berlin. Einen Schönheitspreis gewinnt dann keiner der Beteiligten. Aber so geht europäischer Interessenausgleich.

Sollte Scholz heute in dieser Richtung im Élysée Erfolg haben, wird man ihn keineswegs triumphieren sehen. Schon gar nicht wird er seine Wagenkolonne vor dem Eiffelturm halten lassen. Dazu ist diese Art von Realpolitik dann doch zu hässlich.

 

Zitat des Tages

Ich rechne damit, dass aus Deutschland keine führenden Politikerinnen und Politiker dabei sein werden.

Reinhard Bütikofer,

Sprecher der Grünen im Auswärtigen Ausschuss des Europaparlaments, über die Olympischen Winterspiele in China

 

Leseempfehlungen

Im ZDF-Krimi-Mehrteiler „Mord in der Familie – der Zauberwürfel“ spielt Heiner Lauterbach einen mächtigen Bauunternehmer. Im Interview mit RND-Redakteurin Hannah Scheiwe spricht der Schauspieler über seine eigene Karriere, die Bedeutung von Familie – und den Umgang mit Waffen an deutschen Filmsets.

Braut sich in China eine neue weltweite Finanzkrise zusammen, vielleicht sogar mit größeren Effekten als die Lehman-Pleite im Jahr 2008? Die Gefahr eines Zusammenbruchs des Immobilienriesen Evergrande ist, wie RND-Redakteur Harald Stutte berichtet, noch immer nicht gebannt. Im Gegenteil: Mittlerweile geraten weitere Firmen in den Schuldenstrudel – ohne dass klar wird, ob und wie die chinesische Führung mit staatlichen Mitteln gegensteuern kann.

 

Aus unserem Netzwerk

Bund und Länder haben erneut ein Verkaufsverbot für Feuerwerk und Böller beschlossen. Bei einem Feuerwerkshersteller aus Kiel trifft diese Entscheidung auf Unverständnis: Schließlich könne die Kundschaft die begehrte Ware einfach im benachbarten Dänemark besorgen. Tatsächlich spricht, wie die „Kieler Nachrichten“ berichten, die dänische Baumarktkette Bygma Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland in den sozialen Medien sogar direkt an: „Bei Bygma in Padburg haben wir alles, was ihr braucht für einen festlichen Neujahrsabend.“

 

Termine des Tages

Ab 9 Uhr berät heute der Bundestag über Corona-Maßnahmen, darunter eine Impfpflicht für Personal in Kliniken und Pflegeheimen.

Ab 17 Uhr werden aus Anlass des Internationalen Tags der Menschenrechte die Elbphilharmonie in Hamburg, die Paulskirche in Frankfurt am Main, die Gedächtniskirche in Berlin und der Friedensengel in München angestrahlt.

US-Präsident Joe Biden hält heute den zweiten Tag eines internationalen Gipfels für Demokratie ab, der wegen Corona als Videokonferenz läuft.

Bundeskanzler Olaf Scholz reist heute nach Paris und Brüssel, Außenministerin Annalena Baerbock nach Warschau.

 

Was heute wichtig wird

Heute ist wieder CPI-Tag: Immer am Zehnten eines Monats um 14.30 Uhr MEZ geben die USA den Consumer Price Index bekannt – die Inflationsrate. Diesmal wird ein Schreckenswert von 7 Prozent für möglich gehalten. Die „Bidenflation“, wie Gegner des Präsidenten sagen, ist inzwischen das politische Hauptproblem des Weißen Hauses und verunsichert zunehmend auch die Aktienmärkte – die heute wieder mal hoffen, dass der Freitag nicht zum schwarzen Freitag wird. Unser Foto entstand an der Kasse eines Supermarkts in Surfside, Florida.

Heute ist wieder CPI-Tag: Immer am Zehnten eines Monats um 14.30 Uhr MEZ geben die USA den Consumer Price Index bekannt – die Inflationsrate. Diesmal wird ein Schreckenswert von 7 Prozent für möglich gehalten. Die „Bidenflation“, wie Gegner des Präsidenten sagen, ist inzwischen das politische Hauptproblem des Weißen Hauses und verunsichert zunehmend auch die Aktienmärkte – die heute wieder mal hoffen, dass der Freitag nicht zum schwarzen Freitag wird. Unser Foto entstand an der Kasse eines Supermarkts in Surfside, Florida.

 

Der Podcast des Tages: Eine Halbzeit mit …

Trainer kommen, Trainer gehen – und viel Ärger bleibt bestehen. Dieses Motto gilt aktuell auch in der Bundesliga. Außerdem sind die Nachwehen des deutschen Clasicos noch in der ganzen Fußballwelt zu spüren. Leider, leider geht es dabei allerdings eher um Mickey Mouse als um den Ballon d’Or.

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„Der Tag“ als Podcast

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Die News zum Hören

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Matthias Koch

 

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