Schnelle Tests und schnelles Geld

  • Das Geschäft mit Corona-Schnelltests lohnt sich vor allem für Betreiber, die Testzentren innerhalb weniger Wochen aus dem Boden stampften.
  • Allein der Bund bezahlte an Testzentren bislang mehr als 4,5 Milliarden Euro.
  • Doch es gibt auch viel Kritik.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wer zurzeit einen Corona-Schnelltest benötigt, steht im Drogeriemarkt oft vor leeren Regalen, mitunter ist die Abgabe auf eine bestimmte Anzahl an Tests pro Kunde oder Kundin begrenzt. Die Schlangen vor den Test­centern sind lang, vor allem in Kommunen, in denen die 2G-plus-Regel greift, also zusätzlich zum Status des Geimpft- oder Genesenseins noch ein aktuelles Negativ­ergebnis in Restaurant, Kino oder anderen öffentlichen Einrichtungen benötigt wird. Das Geschäft mit den Tests lohnt sich also, und zwar nicht nur für Hersteller, die zurzeit kaum noch mit der Lieferung hinterherkommen, sondern auch für private Betreiber von Testzentren.

Der Bericht meines Kollegen Thorsten Fuchs ist deshalb mit dem Worten „Wilkommen in der Goldgrube“ überschrieben. Der RND-Chefreporter beschreibt darin den schnellen Aufstieg von Quer­einsteigern wie Christoph Neumeier, Gründer von Covimedical und im bisherigen Leben Booker für DJs. Unternehmer wie er verdienen mehrere Tausend Euro am Tag. Rund 4,5 Milliarden Euro hat der Bund für die Bürgertests bislang überwiesen, zitiert Fuchs aus einer Aufstellung des Bundes­amtes für Soziale Sicherung. Hinzu kommen die Einnahmen, die die Anbieter mit privat abgerechneten Tests machen.

Zwischen Goldgrube und Zumutung

„Doch zugleich ist dieses Geschäft: eine Zumutung“, schreibt mein Kollege. „Vor einem Jahr, zum Start, von der Politik freudigst begrüßt. Dann, nach einzelnen Betrugsfällen im Frühjahr, unter General­verdacht gestellt. Im Oktober schließlich, mit dem Ende der Gratistests, faktisch um die Geschäfts­grundlage gebracht. Und nur einen Monat später, nach einer der schnellsten Volten in der jüngeren Pandemie­politik, erwarten Politik und Bürgerinnen und Bürger, dass man zum Start von 2G-plus-Modellen aber auch bitte wieder sofort in Kompanie­stärke Abstrichspatel bei Fuß steht.“

Anderenorts dagegen regt sich Kritik: Dass die Tests nicht immer automatisch hohen medizinischen Standards entsprechen, liegt spätestens auf der Hand, seitdem im Sommer eine Reihe ungültiger Tests aufgeflogen ist, die aber dennoch abgerechnet wurden. Die Tübinger Ärztin und DRK-Präsidentin Lisa Federle etwa fordert im Gespräch mit Fuchs eine neue Teststrategie.

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Impfpflicht für Pflegende und medizinisches Personal

Ebenfalls um die richtige Strategie ringt die neue Bundes­regierung bezüglich der Corona-Impfungen. „Wir müssen vorgehen wie Mediziner“, hat der gerade erst berufene Bundesgesundheits­minister Karl Lauterbach (SPD) gestern in Bezug auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie verkündet. Seit gestern steht fest, dass Beschäftigte in Einrichtungen mit schutz­bedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis Mitte März 2022 Nachweise als Geimpfte oder Genesene vorlegen sollen. Der Bundestag hat der Anpassung des neuen Infektions­schutz­gesetzes gestern bereits zugestimmt. Die Änderungen sehen vor, dass neben Ärzten nun auch Apotheken, Zahnärzte und Tierärzte mitimpfen können, was wiederum umstritten ist.

Schon allein die 15 Minuten betreute Wartezeit nach einer Impfung seien für manche Apotheken angesichts der mangelnden Raum­kapazitäten ein Problem, heißt es etwa. Befürworter der neuen Strategie hingegen setzen auf Schnelligkeit. Ob das Modell für die beiden neuen Berufsgruppen möglicherweise finanziell ähnlich einträglich sein wird wie die Schnelltests, bleibt abzuwarten. Biontech-Gründer Ugur Sahin zumindest hat gestern bekannt gegeben, dass aus seiner Sicht auch eine vierte Impfung nötig sein wird.

Zitat des Tages

Es macht eine starke Freundschaft aus, sich auch unbequemen Themen zu stellen.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock am Freitag bei ihrem ersten Besuch in Polen

Leseempfehlungen

Antrittsbesuche der neuen Bundesregierung: In diesen Tagen ist Annalena Baerbock ihrem Koalitions­partner Olaf Scholz voraus: Wo die Bundesaußen­ministerin schon war, dort reist der Bundeskanzler noch hin. Scholz machte gestern seinen Antrittsbesuch in Frankreich und Brüssel, Baerbock reiste nach Warschau, wo Scholz am Sonntag eintreffen wird. Die Vertreter der neuen deutschen Bundesregierung wurden freundlich bis herzlich empfangen, erste Konfliktlinien zwischen den Ländern aber wurden bereits sichtbar. Olaf Scholz versprach in der Partnerschaft mit Frankreich „harte Arbeit“, Baerbock bedankte sich in Polen freundlich für offene Worte und gute Tipps.

Mein Kind will eine Impfung – was nun? Erwachsenen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) dringend den Piks gegen Covid-19, demnächst unterliegen über 18-Jährige sehr wahrscheinlich sogar einer Impfpflicht. Bei Kindern ab fünf Jahren, für die die Impfung bereits zugelassen ist, sind die Stiko und somit auch ein großer Teil der niedergelassenen Ärzte noch zurückhaltend mit Empfehlungen – und verweisen auf weitere Studien. Was also sollen Eltern tun, deren Kinder schon jetzt auf einer Impfung beharren. Ein Bericht über ein Dilemma.

Aus unserem Netzwerk

Corona-Impfstoff zum Inhalieren: Bisher gibt es die Impfstoffe gegen Corona nur via Spritze. Doch ein Forscherteam aus Hannover und München will ein Vakzin entwickeln, das man inhalieren kann. Die Expertinnen und Experten hoffen, mit dem neuen Impfstoff die Zahl der schwereren Covid-19-Verläufe weiter zu reduzieren, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

„Compact“-Magazin ist rechts­extremistisch: Sowohl in Brandenburg als auch im Bund hat der Verfassungs­schutz das „Compact“-Magazin als erwiesen rechts­extremistisch eingestuft. Die Beschäftigten können nun mit allen nachrichten­dienstlichen Mitteln beobachtet werden. Das Magazin sei „Hass und Hetze in Hochglanz“, sagte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) gegenüber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ).

Termine des Tages

10 Uhr: Die SPD kommt an diesem Samstag zu einem Parteitag zusammen, um ihre Parteiführung neu zu wählen. Die bisherige Parteichefin Saskia Esken und der bisherige General­sekretär Lars Klingbeil stellen sich zur Wahl. Der Bundes­vorstand hat zudem den ehemaligen Juso-Chef und stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Kevin Kühnert als neuen General­sekretär vorgeschlagen.

Ganztägig: Die britische Außenministerin Liz Truss hat ihre Amts­kolleginnen und ‑kollegen zum G7-Treffen nach Liverpool eingeladen. Es ist das letzte Treffen im G7-Format unter dem britischen Vorsitz, bevor Deutschland übernimmt.

Wer heute wichtig wird

Joe Biden ist in der Nacht zu Samstag erstmals in seiner Präsidentschaftszeit in einer Late-Night-Show zu Gast. Das Oberhaupt der USA trifft dort auf den Entertainer Jimmy Fallon. Der Gastgeber kündigte Bidens Besuch mit einem „Wow“ und einem Trommelwirbel auf seinem Tisch an. Doch wird es einen Wow-Effekt geben? © Quelle: Susan Walsh/AP/dpa

Der Podcast des Tages

Geyer & Niesmann sortieren mit Katharina Hamberger (Deutschland­radio) die ersten Stunden des neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz, sein Kabinett, seine Gegner in der Opposition, wie der Wahlkampf um den CDU-Vorsitz läuft und warum die AfD den Vorsitz im Innenausschuss kapern konnte.

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Ihre Dany Schrader

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