Scharfe Kritik an Uefa: „Die EM ist ein Pandemietreiber“

  • Wegen Corona gehen Europaabgeordnete scharf mit dem Fußballverband ins Gericht.
  • Die Europa-Grünen werfen der Bundesregierung vor, den Konflikt mit der Uefa zu scheuen.
  • Die europäischen Konservativen appellieren an die EM-Sponsoren.
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Brüssel. Weil sich inzwischen Tausende nach dem Besuch von EM-Fußballspielen mit dem Coronavirus infiziert haben, wird die Kritik am europäischen Fußballverband Uefa immer schärfer. Zahlreiche Europaabgeordnete forderten die Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass die Zahl der Zuschauer in den Stadien bei den verbleibenden Spielen deutlich reduziert wird.

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Es ist kein gutes Zeichen für die Demokratie, wenn Regierungen vor einem durch Korruption gekennzeichneten Fußballverband kuschen.“

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Seehofer: „Absolut verantwortungslos“

Zuvor hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer die Haltung der Uefa als „absolut verantwortungslos“ bezeichnet. Die Halbfinalspiele und das EM-Endspiel sollen jeweils 60.000 Zuschauer im Londoner Wembley-Stadion ansehen dürfen. Daran hält die Uefa bislang fest.

Bei der bloßen Kritik der Bundesregierung dürfe es nicht bleiben, sagte Giegold: „Der Staat muss den Gesundheitsschutz auch gegen die Uefa durchsetzen. Gegen die Verantwortungslosigkeit der Uefa darf die Politik nicht machtlos sein.“ Seehofers Aussage „dokumentiert auf bedrückende Weise die Ohnmacht der Politik gegenüber der Uefa“, so Giegold weiter: „Die Gesundheitsrisiken dieser EM für die Öffentlichkeit waren absehbar.“

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Doch die Regierungen scheuten den Konflikt mit dem mächtigen Fußballverband, sagte der Grünen-Europaabgeordnete: „Die Uefa gleicht mittlerweile einem ‚Staat im Staat‘.“

Der Gesundheitsexperte der europäischen Konservativen, Peter Liese (CDU), sagte dem RND: „Es ist mittlerweile leider bewiesen, dass die EURO 2020 ein Pandemietreiber ist.“

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„Schlag ins Gesicht für alle Kulturschaffenden“

In Finnland etwa seien die Infektionszahlen vor der EM extrem niedrig gewesen. Nach dem Fußballspiel Finnlands gegen Belgien im russischen Sankt Petersburg sei die Sieben-Tage-Inzidenz jedoch von 8,4 auf 20,7 nach oben geschnellt.

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„Absolut verantwortungslos“: Seehofer kritisiert Uefa wegen EM-Spielen scharf
2:38 min
Bundesinnenminister Horst Seehofer kritisiert den europäischen Fußballverband Uefa wegen der anstehenden EM-Spiele in London.  © Reuters

„Und wir wissen auch aus Schottland, dass es viele Infektionen im Zusammenhang mit der Euro 2020 gibt“, sagte Liese: „Die Verantwortlichen im Profifußball haben sich in der Pandemie insgesamt nicht vorbildlich verhalten.“ Die Hygienekonzepte hätten nur „schlecht funktioniert, das sieht man daran, dass viele Profifußballer in den letzten Monaten positiv getestet wurden“.

Liese sprach von einem „Schlag ins Gesicht für alle Kulturschaffenden, die noch mit Einschränkungen leben müssen“. Betroffen seien auch „die Kinder und Jugendlichen, die monatelang keinen Mannschaftssport treiben durften und jetzt wieder darum zittern müssen, ob der Schulbetrieb nach den Ferien geordnet weitergehen kann“, sagte Liese.

SPD-Politiker: Verhalten der Uefa gefährdet Menschenleben

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Der CDU-Europaabgeordnete forderte die deutschen Sponsoren der EM wie Volkswagen, Coca-Cola Deutschland und Adidas auf, ihren Einfluss auf die Uefa geltend zu machen und den Verband zur Einsicht zu bringen. Geld sei offenbar die einzige Sprache, die die Uefa verstehe.

Ähnlich äußerte sich der gesundheitspolitische Sprecher der Europa-SPD, Tiemo Wölken. „Mir fehlt jedes Verständnis für das lediglich gewinnorientierte Agieren der Uefa, welches sie im Verlaufe des Turniers schon mehrfach gezeigt hat“, sagte Wölken dem RND.

Auch die Uefa müsse Verantwortung übernehmen – gerade vor dem Hintergrund der sich schnell ausbreitenden Delta-Variante. Doch die „Uefa schafft sich ihre eigene coronafreie Welt“, kritisierte Wölken. „Dieses Verhalten gefährdet Menschenleben und kann uns in der Pandemiebekämpfung weit zurückwerfen.“

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