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  • Sauberes Trinkwasser in Europa: EU will Zugang mit Mitgliedsstaaten verbessern – und mehr öffentliche Wasserspender installieren

So will die EU den Zugang zu sauberem Trinkwasser verbessern

  • Das Europarlament verabschiedet eine neue Richtlinie für den Umgang mit Trinkwasser.
  • Die Mitgliedsstaaten müssen die Zahl der öffentlichen Wasserspender erhöhen.
  • Der Grenzwert für Blei wird halbiert.
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Brüssel. Alle Menschen in der EU sollen künftig Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das geht aus einer neuen Wasserrichtlinie hervor, die das Europäische Parlament am Dienstag verabschiedet hat. Künftig werden die EU-Mitgliedsstaaten unter anderem verpflichtet, mehr öffentliche Wasserspender aufzustellen. Auch soll es strengere Grenzwerte für Schadstoffe geben.

Wenn die EU-Mitgliedsstaaten die neuen Regeln umsetzen, könnten etwa wohnsitzlose oder nicht sesshafte Menschen leichter an kostenloses Trinkwasser kommen. Zwar haben die meisten Europäerinnen und Europäer mittlerweile Zugang zu sauberem Trinkwasser. Doch sind es nicht alle, in Deutschland betrifft das nach Angaben der EU-Kommission etwa 500.000 Menschen.

Mehr öffentliche Wasserspender könnten auch dazu führen, dass die Zahl der Plastikflaschen, die nur einmal verwendet werden, erheblich sinkt. Einwegplastikflaschen belasten auch die Meere und machen in hohem Maß den Müll aus, der an europäischen Stränden angespült wird. Die EU-Kommission schätzt zudem, dass der Verzicht auf Plastikflaschen EU-weit zu Einsparungen von mehr als 600 Millionen Euro im Jahr führen wird.

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Mikroplastik im Visier

Die Ausgabe von kostenlosem Trinkwasser in Cafés und Restaurants wird dagegen nicht vorgeschrieben, sondern nur empfohlen. Hintergrund sind unterschiedliche Traditionen in den einzelnen Mitgliedsstaaten, auf die Rücksicht genommen wurde.

Zu den neuen Regeln für den Umgang mit Wasser gehört, dass erstmals überwacht werden soll, wie hoch der Gehalt von winzigen Plastikteilchen im Trinkwasser ist. Das sogenannte Mikroplastik stammt in der Regel aus Autoreifen und wird verstärkt auch im Trinkwasser nachgewiesen. Die EU-Kommission muss allerdings noch eine Methode entwickeln, mit der der Gehalt von Mikroplastik in der EU einheitlich gemessen werden kann.

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In der neuen Richtlinie, die spätestens in zwei Jahren in Kraft treten soll, werden auch die Grenzwerte für gesundheitsgefährdende Stoffe zum Teil erheblich gesenkt. Der Grenzwert für Blei etwa wurde auf fünf Mikrogramm pro Liter halbiert.

Die Mitgliedsstaaten haben 15 Jahre Zeit, um den Grenzwert zu erreichen. In der Regel ist dazu der Austausch von Rohren nötig.

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Suche nach Hormongiften

Erstmals sollen die Menschen auch vor Hormongiften im Trinkwasser geschützt werden. Die Wasserversorger müssen künftig zum Beispiel messen, wie viel Bisphenol-A im Trinkwasser enthalten ist.

Die Neufassung der Trinkwasserrichtlinie aus dem Jahr 1998 geht auf die europaweite Bürgerinitiative „Right2Water – Wasser ist ein Menschenrecht“ zurück, die bereits im Jahr 2010 ins Leben gerufen wurde. Knapp 1,8 Millionen Menschen, unter ihnen mehr als eine Million in Deutschland, forderten, ein europäisches Recht auf Wasser gesetzlich festzuschreiben. Es sei die erste erfolgreiche Initiative dieser Art, die in der EU in Gesetzesform gegossen wird, wie es aus dem Parlament hieß.

Der Verband kommunaler Unternehmen, dessen Mitglieder nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Deutschlands mit Trinkwasser versorgen, begrüßte die neue Richtlinie. Sie schaffe die Voraussetzungen dafür, das Vertrauen der Bürger in ihr Trinkwasser weiter zu stärken.

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