Nach Testabschuss eines Satelliten: Russland verteidigt sein Vorgehen

  • Das russische Verteidigungsministerium hat nach Beschwerden der USA den Abschuss des Raumflugkörpers „Zelina-D“ bestätigt.
  • Laut der russischen Regierung würden die Trümmerteile keine Gefahr für andere Raumstationen darstellen.
  • Die USA teilte mit, der Test vom Montag habe bislang mehr als 1500 nachverfolgbare Trümmerteile produziert.
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Washington/Moskau. Nach Anschuldigungen aus den USA hat das russische Verteidigungsministerium den Testabschuss eines Satelliten bestätigt, den Vorwurf einer Gefährdung für Raumfahrer aber zurückgewiesen. Russlands Militär habe am Montag „erfolgreich einen Test durchgeführt, infolge dessen der ausgediente Raumflugkörper „Zelina-D“ getroffen wurde, der sich seit 1982 im All befindet“, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. Die Trümmerteile des zerstörten Satelliten „stellten und werden keine Bedrohungen für Raumstationen, Raumflugkörper und Weltraumaktivitäten darstellen“, betonte das Ministerium.

Die US-Regierung hatte Russland vorgeworfen, durch den Test der Anti-Satelliten-Rakete Weltraumschrott hinterlassen zu haben, der die Sicherheit von Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS gefährde. Auf der ISS hält sich seit kurzem auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer auf. US-Außenminister Antony Blinken verurteilte „Russlands rücksichtslosen Test“. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bezeichnete den russischen Test einer Anti-Satelliten-Waffe als eine „rücksichtslose Handlung“. Der Test sei besorgniserregend, weil er zeige, dass Russland neue Waffensysteme entwickele, die zum Beispiel die Infrastruktur für zivile Navigations- und Kommunikationssysteme auf der Erde zerstören könnten.

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Angriffe im Weltraum können den Bündnisfall auslösen

Um gegen Angriffe auf Satelliten besser reagieren zu können, hatte die Nato bereits im Juni beschlossen, dass Angriffe aus oder im Weltraum künftig nach Artikel 5 zur kollektiven Verteidigung als Bündnisfall behandelt werden können - also so wie bislang Angriffe am Boden oder im Luft-, See- oder Cyberraum.

Begründet wurde der Schritt unter anderem damit, dass Angriffe auf Satelliten im Fall eines Krieges genutzt werden könnten, um Teile des öffentlichen Lebens lahmzulegen. So könnten zum Beispiel die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, Handynetze oder Navigationssysteme für den Straßen-, See- und Luftverkehr schwer beeinträchtigt werden. Denkbar ist auch, dass Satelliten als Trägersysteme für Waffen genutzt werden, die dann auf Ziele auf der Erde gerichtet werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Nato zudem den Aufbau eines Space Centers angekündigt. Er wird an das Luftwaffenoberkommando der Nato im rheinland-pfälzischen Ramstein angegliedert und vor allem als Koordinationsstelle für die Weltraumüberwachung dienen.

Lawrow bezeichnet die Vorwürfe der USA als „Heuchelei“

Den Vorwurf, Moskau gefährde die friedliche Nutzung des Weltraums, nannte Russlands Außenminister Sergej Lawrow „Heuchelei“. Es gebe dafür keinerlei Belege. Stattdessen treibe das Pentagon selbst „auf aktivste Art und Weise“ ein Wettrüsten im All voran, kritisierte Lawrow - etwa durch Tests von Angriffswaffen.

Das Weltraumkommando (Space Command) der US-Streitkräfte teilte mit, der Test vom Montag habe bislang mehr als 1.500 nachverfolgbare Trümmerteile in der erdnahen Umlaufbahn produziert. Vermutlich würden diese letztlich in Hunderttausende kleinere Trümmer zerfallen und „über Jahre und möglicherweise Jahrzehnte in der Umlaufbahn verbleiben“. Dies bedeute „ein erhebliches Risiko für die Besatzung der Internationalen Raumstation und andere bemannte Raumfahrtaktivitäten sowie für die Satelliten mehrerer Länder“.

RND/dpa

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