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Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer gegen „Klimahysterie“

  • Der Regierungschef des Braunkohlelandes Sachsen kritisiert den „moralischen Zeigefinger“ Greta Thunbergs.
  • Kretschmer fordert „Ruhe und Sachlichkeit“ in der Klimadebatte und möchte gerne weiter seinen Holzofen betreiben.
  • Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat unterdessen ein lesenswertes Buch vorgestellt.
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Frankfurt am Main. Noch immer gehen Freitag für Freitag Tausende Schüler auf die Straßen, um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Für den 29. November ist ein weiterer globaler Klimastreik angekündigt. Das große Vorbild der Protestierer: die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) aber gibt jetzt Kontra. Der Regierungschef des Braunkohlelandes will sich an die Spitze der Greta-Gegner setzen.

„In der Bevölkerung gibt es eine große Ablehnung gegen den moralischen Zeigefinger Greta Thunbergs und diese Hysterie“, sagt Kretschmer im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Gerade in der Klimadebatte brauche es „eine gewisse Ruhe und Sachlichkeit. Das findet nicht statt“.

Kretschmer stört, dass das Klimapaket der Bundesregierung nicht nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktioniere. Der große Fehler der deutschen Energiepolitik sei seit zehn Jahren zu viel Mikromanagement. „Es werden kleinste Dinge geregelt, damit ist der Staat überfordert“, sagt er. Und: „Das ist keine verantwortliche Politik, so kann keiner planen.“ Besonders ärgert sich der Ministerpräsident über höhere Spritpreise und die zunehmenden Verbote älterer Holzöfen, wie auch er einen besitze. „Für viele war und ist die Frage: Können wir nicht zusätzlich ein bisschen Holz verbrennen, um Kosten zu sparen?“ Das seien normale Ausweichbewegungen. Die Verbote nun führten zu „Unsicherheit, Misstrauen und Frust“.

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Greta Thunberg, die Anführerin einer weltweiten Klimabewegung
1:39 min
Was treibt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg an, die für ihren Einsatz international anerkannt und gefeiert wird?  © AFP

Unterdessen hat die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer die Bundesregierung erneut für deren Klimapolitik kritisiert. „Wir haben keine Zeit mehr, um weiter mit schlechten Klimapaketen zu hantieren“, sagte sie am Samstag bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet (CDU), auf der Frankfurter Buchmesse.

Neubauer stellte ihr gemeinsam mit dem Politökonomen Alexander Repenning verfasstes Buch „Vom Ende der Klimakrise“ (Tropen Verlag) vor. Die Autoren stellen sich darin als „Possibilisten“ in der Tradition von Jakob von Uexküll, dem Gründer des Alternativen Nobelpreises, vor. „Was uns antreibt, ist nicht der Glaube, dass alles gut wird, sondern die Überzeugung, dass die Katastrophe nicht unausweichlich und viel Gutes noch machbar ist. Wir wissen, dass es Lösungen für die großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit gibt. Ihre Umsetzung ist nicht einfach und vielleicht noch nicht einmal wahrscheinlich – aber sie ist möglich. Und solange diese Möglichkeit besteht, solange lohnt es sich, für sie zu kämpfen, von ihr zu erzählen und Menschen zu ermutigen, Teil dieser Lösungen zu werden."

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Die Wissenschaft sei sich einig, dass die Maßnahmen des im Oktober beschlossenen Klimapakets nicht ausreichten, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, sagte die Studentin und Mitinitiatorin von „Fridays for Future“ in Frankfurt. „Wir vernarren uns in kleine Fragen und vergessen, dass es um Leben und Tod geht.“ Statt den Ausbau regenerativer Energien zu fördern, steige Deutschland aus der Windbranche aus, kritisierte Neubauer.

Laschet nahm die Bundesregierung in Schutz: Zwar müsse auch in Deutschland mehr getan werden, aber dass überhaupt Ziele in den Bereichen Wohnung und Verkehr verabschiedet wurden, sei bereits eine Leistung. Um die in Paris beschlossenen Vereinbarungen zu erreichen, müssten andere Länder nachziehen, betonte Laschet. Dafür brauche es eine „Klimaaußenpolitik“.

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