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30 Jahre nach den rassistischen Angriffen in Hoyerswerda: Zeitzeugen blicken zurück

  • Vor 30 Jahren griff ein rassistischer Mob in Hoyerswerda die Wohnheime von Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern und Geflüchteten an.
  • Die Stadt erinnert an diesem Wochenende an die Ausschreitungen des Septembers 1991.
  • Auch die Menschen, die damals in der Stadt wohnten, blicken auf diese Tage zurück.
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Hoyerswerda. Vor 30 Jahren griff im sächsischen Hoyerswerda ein rassistischer Mob ein Wohnheim für Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter und Geflüchtete an. Die Stadt will mit einem Themenwochenende an die Ereignisse im September 1991 erinnern. Auch die Menschen, die damals bei den Ausschreitungen in der Stadt waren, schauen zurück. In der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) erzählen sie von ihren Erlebnissen an diesen Tagen.

Während die Welt in diesem September 1991 auf Hoyerswerda blickte, sahen viele in der Stadt erst spät hin, schnell wieder weg oder nur wenig überrascht auf. Sabine Proksch wohnte damals nur wenige Ecken von dem Geschehen entfernt. Trotzdem sah sie die Ausschreitungen erst im Fernsehen. Sie fand die Angriffe erschreckend, blendete es aber sofort wieder aus. Grit Lemke dagegen ging zum Wohnheim. Sie war, so sagt sie heute, schockiert. Aber vor allem von der „Volksfeststimmung“ unter den Schaulustigen. „Dass Skins Ausländer angreifen, das wussten wir schon, das hatten wir längst gelernt, hinzunehmen.“

Schaulustige jubelten in Hoyerswerda

Neonazis in Hoyerswerda schmissen mehrere Tage lang Steine und Molotowcocktails auf die Unterkünfte von Menschen, die aus Vietnam und Mosambik zum Arbeiten gekommen oder geflohen waren. Sie trieben auch Menschen in die Enge und prügelten. Bis zu 500 Schaulustige versammelten sich und jubelten ihnen zu.

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Die Polizei war überfordert, auch eine Demonstration nach den Ereignissen eskalierte, so die „Leipziger Volkszeitung“. Es gab rund 40 Verletzte, 82 Festnahmen, später vier Verurteilungen. Und am Ende der sieben Tage Gewalt stand „die dümmste aller Lösungen, aber die einzig mögliche“, so sagt es heute der damalige Superintendent der evangelischen Kirche in der Stadt, Friedhart Vogel: Die Flüchtlinge wurden aus der Stadt gebracht, die Abreise der Menschen aus Mosambik war bereits vorher geplant worden. Neonazis feierten Hoyerswerda als „ausländerfrei“, schlugen Menschen mit langen Haaren zusammen, griffen Jugendclubs an. Viele Menschen sind heute beschämt über das, was damals im sächsischen Hoyerswerda geschah, berichtet die „LVZ“. Die Aufarbeitung, so sagen es die Menschen vor Ort, habe aber erst begonnen.

RND/ar/lvz

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