• Startseite
  • Politik
  • Deutsche Rüstungsindustrie fällt zurück - vier Firmen unter Top 100

Deutsche Rüstungsindustrie fällt zurück - vier Firmen unter Top 100

  • Die Zeiten, in denen deutsche Rüstungshersteller zu den wichtigsten der Welt zählten, sind lange vorbei.
  • Unter den größten Rüstungsfirmen der Welt gibt es kaum noch deutsche.
  • Das hat weniger mit der restriktiven Exportpolitik der Bundesregierung zu tun als mit den üppigen Verteidigungsbudgets anderer Mächte.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Nachricht kam nicht überraschend: China ist der zweitgrößte Rüstungshersteller der Welt. Vermuten konnte das jeder, der sich mit der Größe der chinesischen Armee und des chinesischen Verteidigungshaushaltes beschäftigt hat, der zuletzt auf geschätzte 250 Milliarden Dollar jährlich gestiegen ist.

Nun aber haben die Experten des renommierten Stockholmer Friedensforschungsinstituts „Sipri“ genügend Daten zusammengetragen, dass sie sich trauen, die These auch offiziell zu vertreten. Auf Basis der Jahre 2015 bis 2017 haben die Experten die vier wichtigsten chinesischen Rüstungskonzerne in ihre Liste der 100 größten Waffenhersteller der Welt aufgenommen und siehe da: Gleich drei von ihnen schaffen es sogar in die Top Ten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Allein die vier führenden chinesischen Konzerne verkauften im untersuchten Zeitraum Rüstungsgüter im Wert von insgesamt 54,1 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro), womit sie die zehn größten russischen Unternehmen zusammen um mehr als 16 Milliarden Dollar übertrumpften.

USA liegen ganz weit vorne

Dass es nicht noch mehr chinesische Unternehmen in die Spitzengruppe geschafft haben, dürfte vor allem daran liegen, dass für andere Waffenschmieden in Fernost keine verlässlichen Zahlen vorlagen. Die Sipri-Experten schreiben in ihrem Report, dass es insgesamt zehn relevante chinesische Rüstungshersteller gebe. Die mit Abstand größten Rüstungsproduzenten der Welt stammen aber nach wie vor aus den USA (Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman).

Deutschland spielt weltweit nur noch eine untergeordnete Rolle. Der europäische Flugzeugbauer und Rüstungskonzern EADS fällt auf Platz zehn zurück, die erste rein deutsche Rüstungsfirma im Ranking ist der Fahrzeug-, Munitions- und Elektronikhersteller Rheinmetall, der nun auf Platz 26 liegt. Nur vier deutsche Rüstungskonzerne schaffen es in die Top 100: Neben Rheinmetall sind das der Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (Platz 59), der im Bereich U-Boot- und Schiffbau engagierte Konzern Thyssen-Krupp (Platz 61) sowie der Radar-Geräte-Hersteller Hensoldt (Platz 81).

Anzeige

Die Weltmarktführerschaft der USA und Chinas hängt vor allem mit den eigenen riesigen Verteidigungsbudgets zusammen. Laut Sipri ist vor allem China bislang kaum am Export von Waffen beteiligt. „Nahezu alle Waffen, die China produziert, werden im Inland vom chinesischen Militär gekauft“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Sipri-Experte Nan Tian. Peking strebe es an, bei der Herstellung der Waffen und Technologien für sein Militär völlig unabhängig von anderen Staaten zu werden.

Allerdings beobachten die Experten bereits jetzt, dass die internationale Nachfrage nach Waffen aus chinesischer Produktion steige. Größter Waffenexporteur der Welt sind die USA, in Krisen- und Konfliktregionen aber tauchen auch häufig Waffen aus russischer Produktion auf. Gut möglich, dass China hier künftig eine Rolle spielt.

Anzeige

In Deutschland umstrittenes Thema: Rüstungsexporte in Drittländer

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag Zurückhaltung bei den Genehmigungen von Waffenexporten aus Deutschland auferlegt. Vor allem die SPD tritt für einen restriktiven Ansatz ein. Die Union hingegen würde die Exportbedingungen gerne ein wenig lockern.

Bei der letzten Generaldebatte des Bundestags im November wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel überraschend deutlich, als sie forderte, gemeinsam mit Frankreich europäische Rüstungsprojekte wie die Arbeit an einem Kampfflugzeug und an Panzern voranzutreiben. Auch betonte sie die Zusage, dass Deutschland bis Ende der 2030er-Jahre zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aufbringen werde.

Und selbst beim umstrittenen Thema der Rüstungsexporte in Drittländer machte Merkel eine für ihre Verhältnisse klare Ansage. Bei der Friedenssicherung in Afrika könne sich Deutschland nicht nur auf die Ausbildung von Streitkräften beschränken, sagte sie. „Wenn wir zur Sicherheit und für den Frieden in Afrika ertüchtigen, ich glaube, dann können wir uns der Ausrüstung nicht völlig verweigern.“

Offenbar treibt Merkel die die Sorge um, dass die Rüstungshersteller in Deutschland und Europa international den Anschluss verlieren könnten. Durch die jüngsten Sipri-Zahlen dürfte sich die Kanzlerin bestätigt fühlen.


  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen