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Viele Gerüchte und eine Liste

Wer kommt nach Putin?

Wladimir Putin bei einer Staatsrat-Präsidiumssitzung in Moskau.

Eines Tages wird Putin sterben. Nur wann und wie, das weiß noch niemand. Ein Attentat? Unwahrscheinlich, dafür ist Putin zu gut geschützt. Eine tödliche Krankheit? Nicht ausgeschlossen, aber die immer wieder aufkommenden Spekulationen stufen Experten eher als Teil eines Informationskriegs ein. Ein Sturz? Fraglich, denn nur Putins engste Verbündete aus dem Geheim- und Militärdienst haben die Macht, den Kremlchef vom Thron zu stürzen. Denkbar wäre dies, wenn Russland in der Ukraine eine krachende Niederlage droht, die man selbst mit größter Propaganda nicht mehr schönreden kann. Doch diejenigen, die Putin zu Fall bringen könnten, sind selbst an Entscheidungen in diesem Krieg beteiligt. Wenn Putin fällt, dann fallen auch sie.

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+++ Alle Entwicklungen im Liveblog +++

Putin sitzt fest im Thron, auch wenn es laut kritischen Medien eine große Unzufriedenheit unter russischen Eliten geben soll. Das in Russland verbotene moskaukritische Nachrichtenmagazin „Meduza“ zitiert dem Kreml nahestehende Quellen, die entweder einen größeren und aggressiveren Krieg in der Ukraine wollen oder endlich Frieden und einen Rückzug der russischen Streitkräfte.

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Putin ist ein Machtmensch. Er verschiebt seine Untergebenen wie Schachfiguren, bevor sie zu mächtig und ihm gefährlich werden könnten. Wer eigene Ambitionen entwickelt, fliegt aus dem Spiel. Das musste sogar Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew erfahren. Doch statt einen Nachfolger aufzubauen, baute Putin lieber das politische System Russlands um. Mit einer Verfassungsänderung im vergangenen Jahr ermöglichte er sich selbst, bis mindestens 2036 durchzuregieren. Dann wäre er 83 Jahre alt.

Wer könnte Putins Thronfolger werden? „In der aktuellen Regierung Russlands gibt es keine Person, die für die Nachfolge Putins infrage käme“, erklärt Gerhard Mangott, Russland-Experte und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck. „Wir wissen in der augenblicklichen Situation nicht, wer Nachfolger werden könnte.“ Anders als 2008, als Putin aufgrund Bestimmungen in der Verfassung sein Amt zurückgeben musste, gebe es heute keinen Kronprinzen. Deswegen kursieren viele Namen – ein Überblick.

Putin begründet Krieg gegen die Ukraine: „Westen plante Invasion Russlands“

Der russische Präsident hat den Angriff auf die Ukraine damit begründet, dass der Westen „die Invasion unseres Landes, einschließlich der Krim“ vorbereite.

Putins Buddy und Kriegsminister

Sergej Schoigu, Russlands derzeitiger Verteidigungsminister und enger Freund von Wladimir Putin. Schon seit 1991 ist Schoigu Minister in Russland, war erst für den Katastrophenschutz zuständig und wurde als Held gefeiert. Dann machte Putin ihn 2012 zum Verteidigungsminister. Der seit mehr als 30 Jahren im Kreml tätige Putin-Vertraute ist bestens vernetzt und spielt im Krieg gegen die Ukraine eine zentrale Rolle. Der General leitete die Annexion der Krim 2014, verteidigte immer Putins Befehle und soll auch im Sommer russische Spezialkräfte verdeckt in die Ostukraine geschickt haben, um die kremlnahen Separatisten bei den Kämpfen zu unterstützen.

Putin und Schoigu gelten als enge Freunde, die auch zusammen Ausflüge unternehmen.

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Privat ist Schoigu mit Putin eng verbunden, gilt als bester Freund des Präsidenten. Immer wieder ging er in der Vergangen­heit mit Putin auf Reisen. Urlaubsbilder zeigen beide vertraut beim Angeln und Wandern, Schoigus Heimat Tschadan stattete Putin auch schon einen Besuch ab. Putins rechte Hand war immer wieder im Gespräch als möglicher Nachfolger für das Präsidenten­amt. „Er ist allerdings nur zwei Jahre jünger als Putin und hat keinen ethnisch-russischen Vater“, gibt Experte Mangott im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zu bedenken. Hinzu kommt: „Wenn der Krieg in der Ukraine unglücklich verläuft, könnte er seinen Posten verlieren und als Nachfolger ausscheiden.“

Putins rechte Hand in Moskau

Sergej Sobjanin, schon seit 2010 Bürgermeister von Moskau und ebenfalls ein Vertrauter Putins. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sobjanin in seinem neuen Amt energisch und effektiv arbeiten wird“, hat der Kremlchef einmal über Sobjanin gesagt. In Moskau soll Sobjanin Putins Einfluss stärken. Doch er ist nicht viel jünger als Putin und Moskau sei in Russland sehr verhasst, weil sich dort der ganze Wohlstand konzentriere, sagt Mangott. „Meiner Ansicht nach hat auch er keine Chancen, zum Präsidenten gewählt zu werden.“

Der Oberbürgermeister der Stadt Moskau, Sergej Sobjanin (Archivfoto).

Der Oberbürgermeister der Stadt Moskau, Sergej Sobjanin (Archivfoto).

Der offizielle Kurzzeitpräsident

Michail Mischustin, war erst Leiter der russischen Bundessteuerbehörde, ehe er Ministerpräsident von Russland wurde. Wenn Putin jetzt tatsächlich schwer erkranken oder sterben sollte, würde laut Verfassung Russlands Ministerpräsident Mischustin die Amtsgeschäfte übernehmen. Innerhalb von drei Monaten müsste Russland laut Verfassung Neuwahlen abhalten. Mischustin könnte zwar selbst kandidieren, doch er habe laut Mangott keine großen Chancen. Er sei zwar ein fähiger Technokrat, der die Staatsverwaltung effizienter machen will. Aber er habe keine politische Macht in Russland. Zudem gehört er nicht zu den engsten Vertrauten Putins. „Wenn Putin bald sterben sollte, rechne ich eher mit einer interimistischen Nachfolge durch einen führenden Vertreter des Sicherheitsrates, zum Beispiel Nikolai Patruschew“, so Mangott.

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Wladimir Putin (rechts) zusammen mit Michail Mischustin.

Wladimir Putin (rechts) zusammen mit Michail Mischustin.

Putins engster KGB-Freund

Nikolai Patruschew, ist derzeit Sekretär des Sicherheitsrates und zählt zu den einflussreichsten Männern im Kreml. Sein Lebenslauf weist viele Parallelen zu dem von Putin auf: Beide stammen aus Leningrad (St. Petersburg) und haben zusammen an der KGB-Hochschule Feliks Dzierzynski gelernt und Karriere beim Geheimdienst gemacht. Bei der KGB-Nachfolgeorganisation FSB hat Patruschew 1999 Putins Posten als Geheimdienstchef übernommen, als dieser Präsident wurde. Er gilt als loyaler Verbündeter des Kremlchefs, soll enormen Einfluss auf ihn haben und zählt zu den absoluten Hardlinern unter den Putin-Vertrauten. Wie besessen glaubt er, der Westen wolle Russland spalten. Nur sehr selten äußert sich Patruschew in der Öffentlichkeit. Aber wenn er etwas sagt, dann waren es zuletzt immer düsterere Worte. Dass Patruschew Putin als Präsident dauerhaft beerben könnte, ist angesichts seines hohen Alters mehr als fraglich.

Der unbekannte Favorit

Alexej Djumin, seit 2016 Gouverneur von Tula. „Wer sind Sie, General Djumin?“, fragte einst die russische Zeitschrift The New Times. Denn als der damals 43-Jährige in Tula an die Macht kam, kannte ihn auch in Russland kaum jemand. Heute gilt er als Geheimtipp unter Russland-Beobachtern für die Putin-Nachfolge. „Er ist 1972 geboren und gehört damit einer völlig neuen Generation an“, erklärt Russland-Experte Mangott. Djumin gehörte zum persönlichen Sicherheitsdienst von Putin, hat bei der Besetzung der Krim an vorderster Stelle gekämpft und Erfahrungen im Militärgeheimdienst Russlands gesammelt. Den höchsten Orden Russlands, die Auszeichnung „Held Russlands“, hat Djumin bereits erhalten – für die Annexion der Krim. „Djumin war auch kurze Zeit stellvertretender Verteidigungsminister, hat Militär- und Sicherheitsexpertise und wäre daher ein Kandidat für die Nachfolge Putins“, glaubt Mangott. Doch sicher ist auch er sich nicht – es sei ein Gerücht, aber ein stichhaltiges.

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Wer allerdings hofft, dass ein Ende des Krieges durch ein Ende von Putins Herrschaft besiegelt wäre, hofft wohl vergebens. Zwar ist Putin der zentrale Akteur für die Anordnung und Fortführung des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Aber es gebe laut Mangott einen weitreichenden Konsens im Sicherheits- und Militärestablishment des Landes. Von dort dürfte auch der Nachfolger stammen und in diesem Kreis gebe es niemanden, von dem man einen westfreundlichen Regierungskurs erwarten könne.

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