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Ukraine-Krieg

Russlands Krieg gegen die Ukraine: Über welche Waffen verfügt Putin?

Ein Satellitenbild zeigt einen Militärkonvoy auf dem Weg Richtung Kiew, am 28. Februar 2022. Vor sechs Tagen hat Russlands Präsident Wladimir Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Militärexperten zeigen sich zuletzt verwundert über das russische Vorgehen, es seien viele Fehler gemacht und Schwächen gezeigt wurden. Nun fürchten viele einen russischen Einsatz von „noch schlimmeren Waffen“ – doch welche hat Putin noch in der Hinterhand?

Am Sonntag setzte Russlands Präsident Wladimir Putin seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft. Viele sprechen von einer neuen Eskalationsstufe Putins im andauenden Krieg gegen die Ukraine. Vor allem zu Beginn Putins Angriffskriegs auf den Bruderstaat verbreiteten sich vor allen in den sozialen Medien – aber auch in den Nachrichten – erste Bilder und Videos von russischen Panzern, Jets, Helikoptern. Später folgten Berichte, dass die russische Armee aktuell vor allem Panzer aus Sowjetzeiten einsetzt – dabei hat Putin in den letzten Jahren massiv aufgerüstet.

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Doch welche Waffen besitzt Putins Militär noch – und wo sind sie?

+++ Alle Entwicklungen im Liveblog +++

Russlands Streitkräfte sind mit 850.000 Soldaten und 250.000 Reservisten die größten in Europa. Darüber hinaus besitzt Putins Militär knapp 16.000 gepanzerte Kampffahrzeuge, über 1.300 Flugzeuge, fast 1.000 Helikopter und 50 U-Boote. Das russische Militär gilt dem ukrainischen als weit überlegen. Trotzdem sind viele Militärexperten verwundert über Putins Vorgehen im Ukraine-Krieg bisher.

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„Wir müssen darauf gefasst sein, dass Russland versuchen wird, noch schlimmere Waffen einzusetzen“

„Die strategischen Fehler sind vollkommen wahnsinnig“, sagt John Spencer, Vorsitzender des Urban Warfare Studies Department an der U.S. Military Academy in Westpoint, dem „Spiegel“. Es sei ein Versagen, auf sehr vielen Ebenen. Viele Militärexperten sind seiner Meinung.

Putin versetzt Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft

Russlands Präsident Wladimir Putin reagierte im Staatsfernsehen auf Sanktionen und „aggressives“ Verhalten der Nato.

Zuletzt hatte auch die britische Außenministerin Liz Truss vor dem Einsatz von „noch schlimmeren Waffen“ durch Russland in der Ukraine gewarnt. Geheimdienstinformationen wiesen darauf hin, dass die ukrainischen Streitkräfte „dem russischen Vormarsch weiterhin widerstehen“, doch könnte dies dazu führen, dass der Krieg noch „sehr, sehr blutig“ werden könnte, sagte Truss am Sonntag: „Wir müssen darauf gefasst sein, dass Russland versuchen wird, noch schlimmere Waffen einzusetzen“.

Auch Militärexperte Michael Kofmann schrieb am Sonntag auf Twitter: „Ich denke, dass wir heute eine Verlagerung der russischen Angriffe auf kritische zivile Infrastrukturen, einen verstärkten Einsatz von Raketen und Artillerie in den Vorstädten beobachten konnten. Meine Befürchtung, dass es nun viel dreckiger wird und die Zivilbevölkerung stärker betroffen sein wird, beginnt sich leider zu bewahrheiten.“ Das Schlimmste, so seine Prognose, werde erst noch kommen.

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Doch welche Waffen hat Putin noch in der Hinterhand?

Atomwaffen: „katastrophale“ und „zerstörerische“ Wirkung

Nach Ankündigungen weitreichender Sanktionen gegen Russland kündigte Wladimir Putin am Sonntag an, seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft zu setzen. Bereits zuvor deutete der Russische Präsident an, auch Nuklearwaffen zu nutzen, sollte sich der Westen weiter einmischen – eine weitere Eskalationsstufe im Ukraine-Krieg. Doch von welchen Nuklearwaffen spricht Putin?

Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärte Marina Henke, Professorin für Internationale Beziehungen an der Hertie School Berlin, man müsse zwischen strategischen und taktischen Nuklearwaffen unterscheiden. „Während strategische Nuklearwaffen ganze Landstriche zerstören, lassen sich kleine, taktische Nuklearwaffen für eine psychologische Kriegsführung einsetzen. Diese haben eine deutlich geringe Sprengkraft als größere strategische Nuklearwaffen“, so Henke.

Taktische Nuklearwaffen: Putin könne eine Nuklearbombe über der Ostsee oder dem Schwarzen Meer zünden. „Dadurch würde zwar die Umwelt in großem Maße verseucht werden, aber es werden keine Menschen direkt zu Schaden kommen“, erklärt Henke. Putin würde damit trotzdem das klare Signal an den Westen senden, dass er bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen.

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Auch ballistische Raketen mit konventionellen Sprengköpfen könnten Nuklearsprengköpfe tragen. Ballistische Raketen sind moderne Marschflugkörper und Kurzstreckenraketen und zählen zu Russlands Abschreckungswaffen, die nun in Alarmbereitschaft versetzt wurden. Sie seien unter anderem in Belarus und in der Exklave Kaliningrad stationiert. Ziele der Raketen seien nach russischen Angaben vor allem Truppenkonzentrationen oder wichtige Infrastruktur.

Bei einer russischen Staatsfeier wird eine Interkontinentalrakete des Typs Topol-M vorgeführt. Russland besitzt laut Schätzungen der Forscher die meisten Atomwaffen.

Bei einer russischen Staatsfeier wird eine Interkontinentalrakete des Typs Topol-M vorgeführt. Russland besitzt laut Schätzungen der Forscher die meisten Atomwaffen.

Die strategischen Nuklearwaffen Russlands sind laut Experten sowohl in festen Raketensilos, auf mobilen Abschussrampen als auch auf U-Booten stationiert. Dazu kämen strategische Langstreckenbomber, die Atomraketen und -bomben tragen könnten, berichtet die „Tagesschau“. Es sei möglich, dass nun mobile Einheiten neu positioniert würden oder Bomber immer bereitstünden.

Nach dem Einsatz taktischer Nuklearwaffen als Abschreckung könnte Putin als letztes Mittel auch strategische Nuklearwaffen einsetzen, um ganze Städte zu zerstören, so der britische Verteidigungsexperte, General Sir Richard Barrons. Dabei könne Putin auch zur Iskander-Rakete greifen. Diese besitzt eine Reichweite von 500 Kilometern und trägt einen Nuklearsprengkopf, der auf fünf Meter genau abgefeuert werden kann. Laut Barrons wäre die Wirkung der Rakete „absolut zerstörerisch“. Russland besitzt rund 150 Raketen des Iskander-Systems.

Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt eine russische Iskander-K-Rakete, die während einer Militärübung auf einem Truppenübungsplatz in Russland abgeschossen wird. Inmitten schwerer Spannungen mit dem Westen hat die Atommacht Russland ein Manöver mit Einsatz ballistischer Raketen abgehalten. Präsident Putin habe die Übung am Samstag vom Kreml aus gestartet.

Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt eine russische Iskander-K-Rakete, die während einer Militärübung auf einem Truppenübungsplatz in Russland abgeschossen wird. Inmitten schwerer Spannungen mit dem Westen hat die Atommacht Russland ein Manöver mit Einsatz ballistischer Raketen abgehalten. Präsident Putin habe die Übung am Samstag vom Kreml aus gestartet.

Schätzungen zufolge beträgt die Wirkung der Nuklearsprengköpfe auf Russlands ballistischen Interkontinentalraketen 300 bis 800 Kilotonnen TNT-ähnlichen Sprengstoffs. Bereits 300 Kilotonnen könnten Städte wie Washington, London oder Paris zerstören. Insgesamt verfügt Putin mit schätzungsweise 6000 Atomwaffen über knapp die Hälfte der 13.080 Kernwaffen, die dem Nuklearwaffenarsenal der neun Atommächte auf der Welt zugeschrieben werden.

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TOS-1A: „Putins Höllensonne“ / Der „Vater aller Bomben“

Zu Russlands Arsenal zählt auch eine mächtige Waffe mit der Bezeichnung „TOS-1A“. Der Raketenwerfer wurde bereits in Tschetschenien und Syrien eingesetzt. Er sei relativ langsam, dafür jedoch in der Lage, Bunker und Tunnel mit Raketensalven zu zerstören.

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Der TOS-1A ist in der Lage, gleich mehrere Raketen in ein Zielgebiet zu schießen. Dort schlagen dann sehr viele Gefechtsköpfe ein und verteilen einen explosiven Film in der Luft, der exakt gezündet werden muss. Das Ergebnis ist ein 200 bis 400 Meter großer Feuerball, der eine Druckwelle auslöst, auf die wiederum ein ein Vakuumunterdruck folgt. Die Wirkung sei verheerend. In der Zone des Feuerballs entkommt man der Wirkung selbst in Bunkern und Unterständen nicht.

Der TOS-1A „Solntsepyok“ (übersetzt „Sonnenglut“) soll eine Reichweite von bis zu sieben Kilometern besitzen. Eine Batterie von fünf TOS-1A schlägt ein Loch von einem Kilometer Länge und 400 Metern Tiefe in die gegnerische Front. Auch Minenfelder lassen sich damit räumen. Trotz des gepanzerten Fahrgestells gilt der Flammenwerfer als leicht verwundbar, weil er zum Feuern und Nachladen sehr viel Zeit benötigt.

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Der Raketenwerfen wird oft auch als thermobarische Waffe bezeichnet. Dem abgefeuerten Sprengsatz ist kein Sauerstoff untergemischt. Dadurch entziehen die Raketen der Umgebung nach ihrer Explosion weitflächig und langanhaltend den atmosphärischen Sauerstoff. Die rasch umkehrenden Druckverhältnisse sind vor allem für Menschen tödlich.

Boden- und Seestreitkräfte: Schwächen Russlands trotz jahrelanger Aufrüstung

Laut einem Bericht der „Neuen Züricher Zeitung“ (NZZ) verfügt das russische Militär insgesamt über eine Großzahl von Panzern. Dabei setzen die Streitkräfte vor allem die Modelle T-55, T-72 und T-80 ein. Tatsächlich einsatzbereit seien jedoch nur 2840 Panzer und 4684 Haubitzen. Es komme an vielen Stellen nach wie vor altes Material zum Einsatz, etwa Schützenpanzer vom Typ IFV.

Meerengen in der Türkei: Erdogan verbietet Kriegsschiffen die Durchfahrt

Der türkische Präsident Erdogan erklärte, sein Land werde die Beziehungen zu Russland ebenso wenig aufgeben wie die zur Ukraine.

Auch die russischen Seestreitkräfte mit ihren mehr als 600 Schiffen, darunter 86 Korvetten, 70 U-Boote und 15 Zerstörer, seien im vergangenen Jahrzehnt erheblich schlagkräftiger geworden, berichtet die „NZZ“. So wurden mehrere russische Überwasser- und U-Boot-Plattformen mit Langstrecken-Präzisions-Marschflugkörper aufgerüstet. Die Marine könne damit jetzt kritische Infrastruktur des Gegners auch vom Meer aus angreifen. Im Syrien-Krieg wurde dieses Waffensystem bereits eingesetzt, sogar vom Kaspischen Meer aus, so die „NZZ“.

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Neu angeschafft wurden seit der russischen Aufrüstung im Jahr 2008 außerdem kleine und mittelgroße Überwasserkampfschiffe. Ebenfalls neu seien die mit Atomraketen bewaffneten U-Boote. Ein Großteil des Materials stamme noch aus Sowjetzeiten.

mit Agenturmaterial

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