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Rüdiger von Fritsch

Ex-Botschafter in Moskau: Putin will durch Hungersnot Flüchtlingsstrom auslösen

Rüdiger von Fritsch, von 2014 bis 2019 deutscher Botschafter in Moskau.

Rüdiger von Fritsch, von 2014 bis 2019 deutscher Botschafter in Moskau.

Der russische Präsident Wladimir Putin will nach Ansicht des ehemaligen deutschen Botschafters in Russland gezielt Hungerkrisen im Nahen Osten und Afrika auslösen. Ziel sei es, Europa durch massive Flüchtlingsbewegungen zu destabilisieren, sagte der Diplomat Rüdiger von Fritsch dem „Tagesspiegel“. „Putins Kalkül besteht darin, dass nach dem Zusammenbruch der Getreidelieferungen die hungernden Menschen aus diesen Regionen fliehen werden und versuchen, nach Europa zu kommen – wie damals die Millionen Syrer, die vor den Schrecken des Krieges flohen.“

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„Neue hybride Kriegsführung“

Deshalb hindere Russland die Ukraine daran, Getreide zu exportieren, und bombardiere Getreidesilos, sagte von Fritsch. „Mit neuen Flüchtlingsströmen will er Europa destabilisieren und politischen Druck aufbauen, damit westliche Staaten ihre harte Haltung gegen Russland aufgeben. Das ist seine neue hybride Kriegsführung“, sagte von Fritsch.

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Unter hybrider Kriegsführung versteht man auch den Einsatz nicht militärischer Mittel wie beispielsweise Cyberangriffe oder Desinformationskampagnen.

Baerbock: Hunger als Kriegswaffe

Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat Russland unlängst vorgeworfen, die Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine als Kriegswaffe einzusetzen. „Durch die Blockade ukrainischer Häfen, durch die Zerstörung von Silos, Straßen und Eisenbahnen und insbesondere der Felder von Bauern hat Russland einen Kornkrieg begonnen, der eine globale Nahrungsmittelkrise anfacht“, sagte Baerbock am Mittwoch während eines Außenministertreffens bei den Vereinten Nationen in New York.

Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Der Export über die ukrainischen Seehäfen ist wegen des russischen Angriffskrieges allerdings zum Erliegen gekommen. Nach Angaben der Bundesregierung blockiert Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon im Hafen von Odessa.

Antischiffsraketen gegen Blockade ukrainischer Häfen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am Samstag der „New York Times“ zufolge ebenfalls vor einer globalen Ernährungskrise, wenn Russland nicht bald an der Blockade der Weizenlieferungen gehindert werde. Er brachte dafür eine „militärische Lösung“ ins Spiel.

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Ukraine meldet verstärkte russische Angriffe im Donbass

Ukrainischen Angaben zufolge hat Russland seine Offensive im Donbass verstärkt. Bei Angriffen auf Infrastruktur und Wohngebiete wurden Menschen getötet.

Der US-Sender NBC News hatte Anfang Mai berichtet, dass Selenskyj in einem Gespräch mit US-Abgeordneten den Wunsch nach modernen Antischiffsraketen geäußert habe, um die russische Blockade der ukrainischen Häfen zu brechen.

RND/dpa

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