Russland verurteilt US-Sanktionen wegen Nord Stream 2

  • Die USA haben Sanktionen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 verhangen.
  • Russland wertet das nach dem Stopp der Bauarbeiten als nicht hinnehmbaren Verstoß gegen internationales Recht.
  • Nun soll das Kabinett Gegenmaßnahmen ausarbeiten.
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Moskau. Russland hat nach dem Stopp der Bauarbeiten für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 die US-Sanktionen gegen das Projekt als nicht hinnehmbaren Verstoß gegen internationales Recht verurteilt.

Die „absolut inakzeptablen, groben Handlungen der USA“ blieben nicht ohne Reaktion, sagte Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Interfax zufolge am Montag in Moskau. Regierungschef Dmitri Medwedew wies das Kabinett an, Gegenmaßnahmen auszuarbeiten. Der Versuch der USA, das Pipeline-Projekt zu verhindern, widerspreche allen Prinzipien des internationalen Handels, sagte Medwedew.

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Nord Stream 2: USA verhängen Sanktionen
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Bis zuletzt wollte Deutschland Strafmaßnahmen der USA wegen Nord Stream 2 abwehren - ohne Erfolg. US-Präsident Trump hat das Sanktionsgesetz nun unterschrieben.  © dpa
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Russland wirft den USA vor, aus wirtschaftlichem Eigeninteresse gegen russisches Pipeline-Gas in Europa vorzugehen, um ihr viel teureres Flüssiggas zu verkaufen. Dagegen betonten die USA, sie wollten eine zu große Abhängigkeit Europas von russischem Gas verhindern. US-Präsident Donald Trump hatte die Sanktionen Ende voriger Woche per Unterschrift in Gang gesetzt.

Nord Stream 2 kostet fast zehn Milliarden Euro

Kremlchef Wladimir Putin hatte bereits Gegensanktionen angekündigt. Sein Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass die Lage nun analysiert werden müsse. Zuvor hatte die Schweizer Firma Allseas, die mit Spezialschiffen die Röhren am Boden der Ostsee verlegt, die Arbeiten eingestellt. Seit dem Wochenende ist Nord Stream 2 gestoppt. US-Senatoren hatten der Firma mit Konsequenzen gedroht, sollte sie die fast fertige Leitung weiter bauen.

Nord Stream 2 kostet fast zehn Milliarden Euro und ist laut Moskauer Medien zu 92 Prozent fertig. Die Pipeline soll unter Umgehung der Ukraine und Polens künftig pro Jahr rund 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas direkt nach Deutschland pumpen.

Kremlsprecher Peskow äußerte die Hoffnung, dass die Leitung trotz der Sanktionen fertiggestellt werden kann. Möglich wäre dies aus Sicht von Experten mit russischen Schiffen, die aber länger brauchen. Erwartet werden deutliche Verzögerungen bis zur zweiten Jahreshälfte 2020. Die Pipeline mit je zwei 1200 Kilometer langen Strängen sollte ursprünglich zum Jahresende fertig sein.

RND/dpa

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