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Das nächste Nordkorea?

Wie Putin Russland in den Ruin treibt

In Moskau stehen Menschen in einer Schlange am Geldautomaten.

Seitdem der Westen Sanktionen gegen Russland wegen des Einmarsches in die Ukraine verhängt hat, spüren die Russinnen und Russen die schmerzhaften Auswirkungen – von Zahlungssystemen, die nicht funktionieren, über Probleme beim Abheben von Bargeld bis hin zur Unmöglichkeit, bestimmte Waren zu kaufen.

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Vielerorts gab es Schlangen an den Geldautomaten, ein regelrechter „Bank Run“ setzte ein, weil Bürgerinnen und Bürger ihr Geld in Sicherheit bringen wollten. Längst kann man nur noch 8000 Rubel am Tag abheben, umgerechnet rund 65 Euro. Das Vertrauen in die Währung und die Wirtschaft ist erschüttert.

Sanktionen treffen die Bevölkerung hart

In einigen Supermärkten gab es Hamsterkäufe, bis dort die Anzahl der Waren des täglichen Bedarfs pro Person begrenzt wurde. Laut Medienberichten betreffe das unter anderem Mehl und Zucker bei der Supermarktkette „Auchan“. Inzwischen sind auch Obst und Gemüse teurer geworden. Bezahlen mit Google Pay oder Apple Pay ist in Russland ebenso wenig möglich wie mit Visa- oder Mastercard-Kreditkarten. Der Verkauf von Markenprodukten, wie etwa iPhones, ist ebenfalls gestoppt worden. Das deutsche Techunternehmen SAP beteiligt sich auch an den Sanktionen. Automarken aus dem Westen liefern keine Fahrzeuge mehr nach Russland, darunter Mercedes, BMW, Volkswagen, General Motors und Land Rover. Auch die Herstellung der Fahrzeuge in Russland haben einige Unternehmen gestoppt.

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Tränen an der polnischen Grenze: Ehepaar aus Zwickau empfängt Mutter aus der Ukraine

An den Zäunen des Bahnhofs im polnischen Grenzort Przemyśl warten Menschen sehnsüchtig auf Angehörige und Verwandte aus der Ukraine.

Die beiden großen Flugzeughersteller Boeing und Airbus liefern keine Ersatzteile mehr und haben die Wartung der Flugzeuge eingestellt. Schon jetzt bietet die russische Fluglinie S7 keine internationalen Flüge mehr an und mehrere Buchungsportale verkaufen keine Tickets mehr für Aeroflot-Flüge.

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Die Notebookhersteller HP, Dell und Lenovo setzen die Lieferungen nach Russland aus und auch die Modeunternehmen H&M, Nike und Asos verkaufen keine Kleidung mehr nach Russland. Die Regale in manchen Einkaufszentren und Supermärkten sind schon jetzt gähnend leer. Internationale Reedereien, wie etwa Maersk, laufen keine russischen Häfen mehr an. Ikea hat seine Filialen in Russland geschlossen. UPS, DHL und FedEx liefern nichts mehr aus dem Ausland nach Russland.

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Einige Lebensmittel und Medikamente werden teuer und knapp

Die Sanktionen haben schon nach wenigen Tagen dafür gesorgt, dass viele Lebensmittel knapp werden. Die wenigen Lebensmittel, die es noch gibt, wurden aufgrund der hohen Nachfrage deutlich teurer. Lebensmittel und Technikprodukte kosten oftmals 30 bis 40 Prozent mehr als noch vor zwei Wochen. Vor allem ausländische Produkte sind fast unbezahlbar geworden, da der russische Rubel massiv an Wert verloren hat. Die russische Oppositionspolitikerin Julia Galjamina schrieb auf Facebook: „Wir sind mit steigenden Preisen, Massenentlassungen, Verzögerungen bei der Auszahlung von Leistungen oder Renten konfrontiert.“ Es gebe auch Engpässe bei den Medikamenten, denn viele kommen aus dem Westen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sieht der Unruhe in der Bevölkerung gelassen entgegen: „Was die hyperemotionale Reaktion der Verbraucher betrifft, nun, das ist leider die erste emotionale Reaktion“, sagte er laut „Standard“.

Die russische Staatsduma hat am Freitag umfangreiche Maßnahmen angekündigt, um die Sanktionen abzuschwächen. Russische Unternehmen sollen einfacher an Lizenzen für Medikamente gelangen und diese herstellen dürfen. Der Exportstopp russischer Medikamente an andere Länder ist ein weiterer Schritt. Kleinere Unternehmen sollen bei der Tilgung ihrer Kredite eine Zahlungspause einlegen können. Für IT-Unternehmen gelte dies sogar bis 2024.

Krieg gegen die Ukraine: Baerbock kündigt weitere Sanktionen gegen Russland an

Außenministerin Annalena Baerbock hat am Rande des Außenministertreffens der Nato-Staaten weitere Sanktionen gegen Russland angekündigt.

Außerdem müssen russische Unternehmen, die noch Waren ins Ausland verkaufen, 80 Prozent ihrer Erlöse in russische Rubel umtauschen. Dadurch will Moskau die heimische Währung stabilisieren. Für Unternehmen in Russland wird es angesichts des Rubel-Kurses immer schwerer, Bauteile und andere Produktionsgüter aus dem Ausland zu kaufen und mit Gewinn im Inland zu verkaufen.

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Zentralbank kann nur tatenlos zusehen

Russlands Zentralbank hat schon früh kapituliert und zugeben müssen, dass sie dem Rubelverfall tatenlos zusehen muss. Zwar hat Moskau seit der Krimkrise sich auf Sanktionen eingestellt und massive ausländische Devisen angehäuft. Doch diese befinden sich fast gänzlich bei westlichen Notenbanken, wie der Europäischen Zentralbank und der US-Federal Reserve, und sind eingefroren.

Russland schlittert immer tiefer in eine Wirtschaftskrise. Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich könnte das Land bald so isoliert wie Nordkorea sein. Westliche Wirtschaftsverbände gehen davon aus, dass Unternehmen für die nächste Zeit an den eingefrorenen Handelsbeziehungen festhalten. Fraglich ist, wie lange Russlands Präsident diesen Kurs beibehalten kann und sich nicht dem Druck aus der Bevölkerung und den innenpolitischen Kräften beugen muss. Denn beispielsweise sind auch Auslandsreisen bei dem schlechten Rubel-Kurs für die meisten unerschwinglich geworden.

Bisher war der Westen Russlands wichtigster Handels- und Finanzpartner. 2021 belief sich das Gesamtvolumen der russischen Warenexporte auf 544 Milliarden US-Dollar. Davon entfiel etwa die Hälfte auf Europa und die USA. Nun hofft Russland darauf, vermehrt mit China, Indien, der Türkei und dem Iran handeln zu können.

An den Börsen waren die Kurse russischer Unternehmen in den vergangenen Tagen tiefrot. Die Moskauer Aktienbörse bleibt mindestens bis einschließlich Dienstag geschlossen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Damit steuere sie auf die längste Schließung in der neueren russischen Geschichte zu.

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Bonität: Russland sinkt auf Ramschniveau

Die Finanzmärkte sehen Russlands Kreditwürdigkeit immer skeptischer. Angesichts der Sanktionen gegen das Land haben die drei großen Ratingagenturen den Daumen gesenkt. Am Donnerstagabend reduzierte die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) ihre Einstufung erneut. Auch Fitch und Moody‘s hatten Russlands Bonität diese Woche auf Ramschniveau abgestuft. Weitere Abstufungen seien möglich. Ein Zahlungsausfall könnte am Ende drohen.

Die Analysten halten die Folgen der westlichen Sanktionen für die russische Wirtschaft für sehr schwerwiegend. Diese Maßnahmen dürften zu anhaltenden Verwerfungen im Wirtschaftsleben und der Finanzbranche sorgen. Der weitere Absturz der Landeswährung Rubel werde zu einer hohen Inflation, einem erheblichen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten und einer deutlichen Verringerung des Lebensstandards führen. Zudem schließen die Analysten nicht aus, dass Russland die Zinszahlungen und die Rückzahlung der Schulden einstellen könnte.

Der Westen hat noch viele Trümpfe

Doch damit nicht genug, denn der Westen hat eine Vielzahl weiterer Sanktionsmöglichkeiten in der Hinterhand: Neben dem vollständigen Ausschluss aus dem Swift-Bankensystem wollen die USA einen noch radikaleren Schritt wagen und Russland von den weltweiten Korrespondenzbanken abkoppeln. Ihnen könnte US-Präsident Joe Biden vorschreiben, keine Dollar-Geschäfte mehr mit russischen Banken zu tätigen. Ähnliche Pläne verfolgt auch Großbritannien, das Russlands größte Banken vom Handel mit dem Pfund abkoppeln will.

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Ein letzter Schritt könnte ein Öl- und Gasembargo sein. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte dies für Deutschland zwar mit Blick auf die Energieversorgung ausgeschlossen. Doch in den USA wird der Importstopp von russischem Öl in diesen Tagen heiß diskutiert. Republikaner und Demokraten müssten sich im US-Kongress gegen Biden durchsetzen. Auf dem Tisch liegt der Vorschlag, dass Teheran an Russlands Stelle Öl an die USA liefert.

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) würde ein Energieembargo Russland sehr hart treffen. „Demnach hätte ein Handelsstopp mit Gas einen Einbruch der russischen Wirtschaftsleistung um knapp 3 Prozent zur Folge, ein Handelsstopp mit Öl einen Einbruch um gut ein Prozent“, so das Fazit der Fachleute.

Während eines Spendenaufrufs: Rakete in Charkiw schlägt direkt über Ukrainer ein

Die russische Invasion der Ukraine nimmt kein Ende. In Charkiw schlugen am Mittwoch erneut Dutzende Raketen ein – eine davon verfehlte Nikita Demenkov nur knapp.

Die US-Großbank JP Morgan geht davon aus, dass die russische Wirtschaft im zweiten Quartal um 35 Prozent einbrechen werde. Im Gesamtjahr 2022 werde die Wirtschaft um 7 Prozent schrumpfen, so der Analyst Anatoli Shal. Die Konjunkturexperten vergleichen diesen Einschnitt mit der schweren Wirtschaftskrise 1998, der globalen Finanzkrise 2008 und den Folgen der Corona-Pandemie.

Mit Material von den Nachrichtenagenturen dpa und AP

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