Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Westliche Sanktionen in Kraft: Schlangen vor Geldautomaten in Russland werden länger

Russland, Moskau: Menschen stehen in einer Schlange, um Geld von einem Geldautomaten der Alfa Bank abzuheben.

Moskau. Die wegen der russischen Invasion in die Ukraine verhängten westlichen Sanktionen machen sich in der russischen Gesellschaft bemerkbar. Der Rubel sank am Montag auf ein historisches Tief gegenüber dem US-Dollar, nachdem westliche Staaten russische Banken aus dem Swift-System zum Datenabgleich zwischen Banken bei internationalen Zahlungen ausgeschlossen hatten. Menschen in dem Land, das in der postsowjetischen Ära mehr als eine Währungskrise erlebte, standen vor Banken und Geldautomaten Schlange.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gegenüber dem US-Dollar büßte die russische Währung zeitweise rund 30 Prozent an Wert ein. Neben dem Swift-Ausschluss trug dazu wohl auch das Einfrieren der Vermögenswerte der russischen Zentralbank und das Verbot von Transaktionen mit dem Finanzinstitut bei. Die russische Zentralbank hob den Referenzzinssatz von 9,5 auf 20 Prozent an, um den Rubel zu stützen, was zu einer gewissen Erholung beitrug.

Russische Bevölkerung in Aufruhr

Menschen, die sich sorgten, dass die Sanktionen der russischen Wirtschaft einen schweren Schlag versetzen, waren seit Tagen zu Banken und Geldautomaten geströmt. In sozialen Netzwerken gab es Berichte über lange Schlangen und Automaten, denen das Geld ausging.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Moskauer Verkehrsbehörde warnte über das Wochenende Einwohner der Stadt, es könne bei der Bezahlung von Tickets Probleme mit den Bezahldiensten Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay geben, weil die von Sanktionen betroffene VTB Bank für die Abwicklung von Kartenzahlen in Moskaus U-Bahn, Bussen und Straßenbahnen verantwortlich ist.

Ökonomen rechnen mit schnellen wirtschaftlichen Auswirkungen

Eine starke Abwertung des Rubel würde aus Sicht von Ökonomen und Analysten ein Absinken des Lebensstandards gewöhnlicher Menschen in Russland bedeuten. Russen sind auf eine Vielzahl importierter Waren angewiesen, deren Preise in die Höhe schnellen könnten. Auslandsreisen würden teurer werden, weil der Gegenwert des Rubel in Auslandswährungen abnehmen würde. Tiefergehende ökonomische Turbulenzen dürften in den kommenden Wochen nachfolgen, wenn Preisschocks, Lieferkettenprobleme und geringere Nachfrage russische Fabriken zum Stillstand zwingen könnten.

„Es wird sich sehr schnell in ihrer Wirtschaft niederschlagen“, sagte David Feldman, Wirtschaftsprofessor am College of William & Mary im US-Staat Virginia. „Alles, was importiert wird, wird die lokalen Währungskosten in die Höhe treiben. Der einzige Weg, dies zu stoppen, wird eine starke Subventionierung sein“, sagte der Universitätsprofessor.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Auswirkungen an der Börse: Krieg in der Ukraine versetzt Dax erneuten Schlag

Aus Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine ziehen sich weitere Anleger aus dem deutschen Aktienmarkt zurück.

Steht Russland eine weitere Inflation bevor?

Die russische Regierung wird einspringen müssen, um rückläufige Industrien, Banken und Wirtschaftssektoren zu unterstützen. Ohne Zugang zu harten Währungen wie dem US-Dollar und dem Euro könnte Russland gezwungen sein, dafür die Geldpresse anzuwerfen - ein Schritt, der sich zu einer Hyperinflation ausweiten könnte.

Der Absturz des Rubel erinnerte an frühere Krisen. Die Währung verlor in den frühen 1990er Jahren nach dem Ende der Sowjetunion viel an Wert. Inflation und Wertverlust führten dazu, dass die Regierung 1997 drei Nullen von Rubelscheinen strich. Nach einer Finanzkrise im Jahr 1998 kam es zu einem weiteren Absinken, viele Sparer verloren Ersparnisse. Und nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 gab es ebenfalls einen Einbruch wegen fallender Ölpreise und gegen Russland verhängten Sanktionen.

Am Montag wurde die russische Zentralbank schnell tätig, um das Absinken des Rubel aufzuhalten: Sie hob den Referenzzinssatz von 9,5 auf 20 Prozent an, um den Rubel zu stützen und einen Ansturm besorgter Sparer auf die Banken zu verhindern. All dies folgte auf die Entscheidung westlicher Staaten vom Sonntag, die Reserven der Zentralbank an harten Währungen einzufrieren. Es war ein beispielloser Schritt, der verheerende Folgen für die finanzielle Stabilität des Landes haben könnte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Westliche Sanktionen in Kraft getreten

Nachdem die EU ihre gemeinsam mit den USA und weiteren Staaten beschlossenen Strafmaßnahmen gegen die Zentralbank am Wochenende in Kraft gesetzt hatte, folgte am Montag die Inkraftsetzung von US-Sanktionen gegen die russische Zentralbank und russische Staatsfonds nach. Es war zunächst unklar, welcher Anteil der schätzungsweise 640 Milliarden Dollar an Reserven von dem Schritt betroffen ist.

Doch erhöhte das Vorgehen den Druck auf den Rubel dramatisch, weil die Möglichkeit der Finanzbehörden untergraben wurde, mit Hilfe der Reserven Rubel zu kaufen und so die Währung zu stützen.

Die Zentralbank verhängte andere Maßnahmen, um den Banken bei der Bewältigung der Krise zu helfen. So wurde etwa dem Finanzsystem mehr Bargeld zugeführt, zudem wurden Beschränkungen für Bankgeschäfte gelockert. Wertpapierhändlern wurde vorübergehend verboten, russische Wertpapiere im Besitz von Ausländern zu verkaufen. Die zur Stabilisierung des Rubel ergriffenen Schritte sind jedoch ihrerseits schmerzhaft, weil eine Erhöhung der Zinssätze das Wachstum bremsen kann: Die Aufnahme von Krediten durch Unternehmen wird teurer.

RND/AP

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.