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Zum Generaloberst befördert

Putins Bluthund: Warum holt der Kremlchef Kadyrow in seine Führungscrew?

Ramsan Kadyrow, Präsident der russischen Provinz Tschetschenien, spricht im März vor etwa 10.000 Soldaten in der Hauptstadt Grosny.

Ramsan Kadyrow, Präsident der russischen Provinz Tschetschenien, spricht im März vor etwa 10.000 Soldaten in der Hauptstadt Grosny.

Berlin. Noch ist nicht klar, welche Funktion der neue russische Generaloberst Ramsan Kadyrow haben wird. Bindet Kremlchef Wladimir Putin mit diesem Schachzug einfach nur einen Hardliner in seine Führungsriege ein oder wird der gefürchtete Tschetschenenführer auch operative Aufgaben in der Kriegsführung übernehmen? Klar ist: Mit seiner Ernennung zum Generaloberst durch Putin besitzt Kadyrow nach Marschall und Armeegeneral den dritthöchsten Dienstgrad der russischen Streitkräfte.

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Kadyrow durch loses Mundwerk aufgefallen

Bislang ist Kadyrow im russischen Angriffskrieg in der Ukraine vor allem durch sein loses Mundwerk aufgefallen und durch eine gewisse Sprunghaftigkeit. Anfang September gab Putins Bluthund, wie er oft genannt wird, bekannt, sich zurückziehen zu wollen. Via Nachrichtendienst Telegram ließ er verlauten, einen „langen und unbefristeten Urlaub“ nehmen zu wollen. Es gab Mutmaßungen, dass dies mit seiner Unzufriedenheit über die russische Kriegsführung zusammenhing.

Wenig später ruderte Kadyrow zurück, versichert bleiben und Putin weiter mit ganzer Kraft unterstützen zu wollen. Nun, nach seiner Ernennung zum Generaloberst, teilte er mit, er sei Oberbefehlshaber Putin „unglaublich dankbar“ für die „große Wertschätzung“.

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Unterwassertechnologe hält Reparatur der Nord-Stream-Pipelines für möglich

Die beiden durch Explosionen schwer beschädigten Nord-Stream-Pipelines könnten gerettet werden. Davon ist Eyk-Uwe Pap, angesehener Unterwassertechnikexperte, überzeugt. Allerdings: Die Uhr für eine mögliche Reparatur tickt.

Tatsächlich hilft Kadyrow den russischen Invasoren mit mehreren Tausend aus Tschetschenien entsandten Soldaten, die als besonders brutal gelten und unter anderem am Massaker von Butscha beteiligt gewesen sein sollen. Ende Juli kursierten auf Telegram Aufnahmen, wie ein Mann in ukrainischer Uniform kastriert und dann mit einem Kopfschuss getötet wird.

Das Recherchenetzwerk „Bellingcat“ will herausgefunden haben, dass diese sadistische Tat Angehörigen des tschetschenischen Bataillons „Achmat“ zuzuordnen ist. Auch gab es mehrere Berichte, wonach zu Kriegsbeginn Kadyrows Spezialeinheiten dafür vorgesehen waren, das Hauptquartier des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew auszuheben und diesen umzubringen oder gefangen zunehmen, was letztlich an der ukrainischen Abwehr scheiterte.

Selenskyj: Ukrainisches Militär erobert weitere Gebiete im Süden und Osten

Unterdessen hat der russische Präsident Wladimir Putin laut Nachrichtenagentur Tass das Gesetz zur Annexion von vier ukrainischen Gebieten unterzeichnet.

Kadyrow, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien im Nordkaukasus bekannt ist, tat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervor. Mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen die militärische Führung Russlands scharf und forderte weitreichende Konsequenzen.

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So erklärte er am 11. September nach dem Rückzug der Russen aus der ukrainischen Region Charkiv, die russische Militärführung habe Fehler gemacht und „ich glaube, sie werden die notwendigen Schlüssen ziehen“. Als die Russen am 1. Oktober im Kampf um die strategisch wichtige Stadt Lyman in der Ostukraine eine Niederlage erlitten, forderte Kadyrow, den verantwortlichen Generaloberst Alexander Lapin abzusetzen, zu degradieren und als einfachen Soldaten an die Front zu schicken.

Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) sieht denn auch einen Zusammenhang zwischen Kadyrows kritischen Äußerungen und seiner Beförderung: Putins Entscheidung könnte dazu dienen, sich weiter Kadyrows Unterstützung und der tschetschenischen Streitkräften zu versichern und gleichzeitig das russische Verteidigungsministerium um Minister Sergej Schoigu zurückzudrängen, von dem sich Putin rhetorisch zu distanzieren scheint, schreiben die ISW-Analysten.

Kadyrows neuer Rang könnte ein Zeichen dafür sein, dass Putin bereit ist, Forderungen der radikalen rechten Nationalisten auf Kosten des konventionellen militärischen Establishments nachzugeben, weil er sich bedrängt fühlt. Beim Nachrichtendienst Twitter kursieren Aufnahmen, die die Verhaftung von Alexei Slobodenyuk in Moskau zeigen, der für die Patriot-Mediengruppe von Oligarch Jewgeni Prigoschin arbeitet, dem Finanzier der berüchtigten Privatarmee „Wagner-Gruppe“.

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Russische Behörden nahmen Slobodenjuk angeblich wegen Betrugsvorwürfen fest, aber auch er hatte in der Vergangenheit massive Kritik an der Militärführung und an hochrangigen Staatsbeamten geübt. „Seine Inhaftierung deutet darauf hin, dass der Kreml versucht, Grenzen zu setzen, bis zu denen Kritik erlaubt ist“, schreiben die ISW-Analysten und mutmaßen, dass Verteidigungsminister Schoigu wahrscheinlich von Putin zum Sündenbock für Russlands militärisches Versagen gemacht wird.

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Politische Beobachter halten es auch für möglich, dass Prigoschin in der offiziellen Hierarchie weiter aufsteigen und womöglich gar Putin selbst beerben will. Offenbar laufen in Hintergrund Planspiele, wie es nach Putin weitergehen könnte. Klar ist, mit Leuten wie Kadyrow oder Prigoschin muss mit einer Eskalation und der Zunahme von Brutalität im Krieg gerechnet werden.

Kadyrow hatte nach Niederlagen von russischen Einheiten bereits gefordert, den Einsatz von Atomwaffen mit geringer Reichweite in Betracht zu ziehen und angekündigt, seine drei minderjährigen Söhne Achmat, Selimchan und Adam in den Krieg gegen die Ukraine zu schicken. Dazu veröffentlichte er ein Video, dass die drei zwischen 14 und 16 Jahre alten Jugendlichen bei Schießübungen zeigt.

Tschetschenien gilt als Rückzugsort krimineller Banden

Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Generaloberst kündigte Kadyrow in der Nacht zum Donnerstag die Entsendung weiterer „Spezialeinheiten“ für den Kampf in der Ukraine an: „Wir haben gute Jungs (...). Wir schicken jeden Tag unsere Freiwilligen“, schrieb er und versicherte Putin seiner Solidarität. Das tschetschenische Volk werde die Politik des Staatsoberhauptes überall auf der Welt voll und ganz unterstützen, schrieb er auf Telegram.

Der heute 46-jährige Kadyrow, der 2007 im Zuge des Zweiten Tschetschenienkrieges mit massiver Hilfe Moskaus als Präsident an die Macht gekommen ist, gilt für Putin als Garant, dass das rebellische Tschetschenien Teil der Russischen Föderation bleibt. Die Republik Tschetschenien gilt als Rückzugsort für kriminelle Banden, Hort von Korruption, Personenkult und schweren Menschenrechtsverletzungen.

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