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Trotz Niederlagen in der Ukraine

Warum bleibt der große Aufschrei in Russland aus?

Der russische Lenkwaffenkreuzer „Moskwa“ fährt durch den Bosporus ins Mittelmeer.

„Wie habt ihr es geschafft, dieses riesige Schiff zu verlieren?“, fragte der TV-Moderator Vladimir Soloviev in einem anhaltenden Wutanfall in seiner Talkshow im russischen Staatsfernsehen. „Was zum Teufel hast du zu diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet im Schwarzen Meer gemacht?“ Nach dem Untergang des russischen Kriegsschiffs „Moskwa“ wächst in der Öffentlichkeit Russlands die Sorge vor Kriegsrückschlägen in der Ukraine. Doch Soloviev steht trotzdem weiter zu Putin und dem Krieg.

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Anders der russische Oligarch Oleg Tinkov, der seinem Ärger in einem Instagram-Posting Luft verschaffte: „Ich sehe keinen einzigen, der von diesem verrückten Krieg profitiert.“ Generäle seien von ihrem Kater aufgewacht und würden nun erkennen, dass sie eine „Scheißarmee“ hätten. In Russland, wo Instagram vor Ostern verboten wurde, dürfte Tinkovs Kritik am Krieg kaum jemanden erreichen.

„Damit in Russland mehr Kritik wachsen könnte, müsste mehr über den Krieg bekannt werden“, sagte der Russland-Experte und Politikwissenschaftler von der Universität Innsbruck, Gerhard Mangott, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Repressionen der vergangenen Jahre waren eine Vorbereitung auf die jetzige Situation, man hat unabhängige Medien beschränkt, alle institutionellen Kanäle der Opposition zerschlagen und es Kriegskritikern viel schwieriger gemacht.“ Wirkliche Kritik am Krieg könne es in Russland nur bei breitem Bekanntwerden eines negativem Kriegsverlaufs geben, so seine Einschätzung.

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Russisches Meinungsforschungsinstitut sieht breite Zustimmung

Laut dem russischen Meinungsforschungsinstitut Lewada, das als weitgehend unabhängig gilt, unterstützen mehr als 80 Prozent der Russinnen und Russen das Vorgehen der Armee in der Ukraine. Die Umfrage ist zwar vom 31. März, doch dass sich daran etwas geändert habe glauben Experten angesichts der aggressiven Dominanz der russischen Staatspropaganda nicht.

Die Wirtschaft Russlands leidet derweil massiv unter den Sanktionen. Fabriken stehen still oder können nur noch eingeschränkt produzieren, täglich ziehen sich weitere internationale Unternehmen aus Russland zurück. Der Moskauer Bürgermeister fürchtet allein für seine Stadt den Verlust von 200.000 Arbeitsplätzen. „Bisher führen die Sanktionen noch nicht zu einer Polarisierung in der russischen Gesellschaft“, so Russland-Experte Mangott. Wenn das Alltagsleben durch Sanktionen noch stärker eingeschränkt werde, sei eher einen Solidarisierungseffekt mit der Regierung zu erwarten.

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Russischer Opposition ohne „klare Führung“

Eigentlich sollen Wirtschaftssanktionen politischen Druck innerhalb des Landes auf die Regierung aufbauen. Das Leiden der Zivilbevölkerung soll oppositionelle Kräfte stärken und die Regierung zu einer Änderung ihrer Politik bewegen. In Russland scheint das aber keinen Erfolg zu haben, so der Experte. „Das große Problem der Opposition ist, dass sie keine klare Führung hat“, sagte Mangott.

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+++ Alle Entwicklungen im Liveblog +++

Vor dem Krieg galt der nun inhaftierte Alexei Nawalny als bedeutendster Oppositioneller Russlands. Aus dem Gefängnis könne Nawalny aber laut Mangott nicht so agieren wie in Freiheit. „Nawalny kann keine Demos mehr anführen und Menschen mobilisieren.“ Neben Nawalny gebe es in Russland aber keine echten Führungsfiguren. „Es gibt niemanden, der eine wachsende Unzufriedenheit organisieren und mobilisieren könnte.“

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