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Russisches Haus in Berlin: Mit Gagarin und Dostojewski raus aus der Pandemie

  • Das Russische Haus in Berlin arbeitet im Lockdownmodus. Doch im Hintergrund planen die Veranstalter schon neue Themen.
  • Vor 60 Jahren flog der Russe Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall.
  • Und vor 200 Jahren wurde der große russische Autor Fjodor Dostojewski geboren.
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Berlin. Mitten in Berlin, in der Friedrichstraße, steht das größte Veranstaltungs- und Kulturzentrum, das Russland im Ausland betreibt. Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur bietet auf sieben Etagen 29.000 Quadratmeter Nutzfläche in bester Lage. 1984 als Geschenk der DDR an die damalige Sowjetunion übergeben, ist es heute ein multifunktionales Gebäude, das Kunst, Kultur, Wissenschaft und Freizeit unter einem Dach vereinigt.

Coworking-Space „Sputnik 57“

Ein Konzertsaal bietet 500 Zuhörern Platz, der Kinosaal hat 200 Sitze. Es gibt eine Sprachschule, Kurse für Malerei und Keramik, eine große Bibliothek, wissenschaftliche und künstlerische Ausstellungen und auch einen Coworking-Space mit 50 Arbeitsplätzen für junge Leute. Sein Name „Sputnik 57“ erinnert an den ersten künstlichen Erdsatelliten, den die Sowjetunion 1957 in die Umlaufbahn brachte.

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Direktor Pavel Izvolskiy (48) im Foyer des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin. © Quelle: Quelle Emendörfer RND

Allerdings steht „Sputnik 57“ derzeit ebenso leer wie die anderen Veranstaltungsräume. Der Corona-Lockdown hat auch im Russischen Haus seine Spuren hinterlassen, wie Direktor Pavel Izvolskiy berichtet, der für rund 60 feste und freie Mitarbeiter verantwortlich ist. „Wir haben durch die Pandemie dazugelernt und neue Formen der Kommunikation mit unseren Besuchern gefunden“, sagt Izvolskiy und nennt kleine Konzerte, die im Internet gestreamt wurden oder die Produktion von kurzen Filmen, die über Youtube verbreitet werden, wie etwa der Dokumentarstreifen „Nikolai Bersarin“, der dem ersten russischen Stadtkommandanten von Berlin 1945 gewidmet ist. Auch habe man die Zeit für Renovierungs- und Umbauarbeiten genutzt.

Alle Veranstaltungen öffentlich

Generell sind alle Veranstaltungen und Kurse öffentlich, hebt Izvolskiy hervor, weil nach seiner Beobachtung immer noch viele Berliner und ihre Gäste denken würden, der Kulturtempel sei lediglich russischen Staatsbürgern vorbehalten. Es gibt sogar eine mit dem blauen Symbol gekennzeichnete Annahmestelle der Russischen Post im Haus. „Hier können Sie direkt Ihre Sendungen nach Russland aufgeben“, sagt Mitarbeiter Juri Kolesnichenko mit einem Augenzwinkern.

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Blick in den Konzertsaal des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin. Er hat 500 Plätze. © Quelle: Quelle Emendörfer RND

2019 startete das Russische Haus eine Gastspielreihe mit professioneller russischer Volkskunst in Tanz und Gesang, bei der Ensembles aus sechs verschiedenen Regionen auftraten und die sehr gut besucht waren. Für dieses Jahr wird nach dem Lockdown unter anderem das Alexandrow-Ensemble erwartet, das aus einem 1928 gegründeten Soldatenchor hervorgegangen und heute weltbekannt ist. Das Repertoire reicht von russischen Volks-, Soldaten- und Kirchenliedern über Opernarien bis zu modernen Stücken. Wenn es die Bedingungen erlauben, sollen bald auch wieder Theaterstücke und Filme aufgeführt werden.

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Weltraumanzug und Briefmarken

Ansonsten stehen in diesem Jahr zwei große Namen im Mittelpunkt. Der Kosmonaut Juri Gagarin, der vor 60 Jahren als erster Mensch in den Weltraum flog, und der Schriftsteller Fjodor Dostojewski, dessen 200. Geburtstag am 11. November gefeiert wird. Zu beiden Jubiläen sind eine Reihe von Veranstaltungen geplant. So soll es zu Gagarin Vorträge und eine kleine Ausstellung geben, auf der unter anderem der Raumanzug zu sehen sein wird, den er am 12. April 1961 bei seinem ersten Flug ins All trug. Auch eine Briefmarkenausstellung mit Gagarin-Motiven ist geplant.

Fjodor Dostojewski (1821–1841) gilt als einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller. © Quelle: Archiv / OZ

Zur Würdigung Dostojewskis will man verschiedene deutsche Städte einbinden, in denen er Spuren hinterlassen hat. So lässt sein Roman „Der Spieler“, der von der fiktiven Stadt „Roulettenburg“ handelt, Bezüge zu Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden zu. In Bochum ist die Deutsche Dostojewski-Gesellschaft beheimatet, und in Dresden hat der große russische Autor sogar zwei Jahre gelebt, und es gibt dort ein Denkmal für ihn. „Wir sind mit verschiedenen Partnern im Gespräch, um ein anspruchsvolles Programm zusammenzustellen“, sagt Direktor Izvolkskiy. Wenn es nach dem Lockdown möglich ist, würde man gern Theaterstücke nach Dostojewski aufführen und Filmvorführungen, Buchlesungen und Diskussionsrunden organisieren. Izvolskiy: „Wir werden sehen, was möglich ist, und dann das Beste daraus machen.“

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