Putins Lautsprecher

Medwedew: 2023 kommt das „Vierte Reich“

Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrates, hat sich zu einem zügellosen Hetzer entwickelt, der seinen Mentor Wladimir Putin in Sachen Demagogie geradezu blass aussehen lässt.

Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrates, hat sich zu einem zügellosen Hetzer entwickelt, der seinen Mentor Wladimir Putin in Sachen Demagogie geradezu blass aussehen lässt.

Was ist nur mit Dmitri Medwedew passiert? Einst galt der russische Spitzenpolitiker, der eine Amtsperiode lang für Wladimir Putin den Präsidentenstuhl „warm hielt“, weil die Verfassung eine Unterbrechung nach zwei Amtszeiten vorsah, als gemäßigte Stimme in einem zunehmend von Hass infizierten politischen Umfeld.

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Doch das ist lange her. Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrates, hat sich zu einem zügellosen Hetzer entwickelt, der seinen Mentor Putin in Sachen Demagogie geradezu blass aussehen lässt. So drohte er jüngst Nato-Staaten mit einem Angriff oder mit Atomschlägen.

Jetzt hat sich der 57-Jährige auf Twitter als Nostradamus versucht, als eine Art Prophet, der zehn Szenarien beschreibt, die seiner Meinung nach 2023 eintreten. So entsteht in Deutschland und Nachbarländern ein „Viertes Reich“, die Europäische Union löst sich auf, nachdem ihr Großbritannien wieder beigetreten ist, und in den USA bricht ein Bürgerkrieg aus – nur einige der abstrusesten Vorhersagen des Ex-Präsidenten.

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„Viele praktizieren futuristische Hypothesen und konkurrieren mit dem Vorschlag des Unerwarteten und sogar Absurden“, räumt der Russe gar selbst ein. „Wir werden auch unseren Teil dazu beitragen.“ Möglicherweise steige der Ölpreis auf 150 Dollar pro Fass. Außerdem würden Polen und Ungarn einen Krieg beginnen und westliche Gebiete der „ehemaligen Ukraine“ erobern.

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Doch das war noch nicht alles. Medwedews Jahr 2023 hält noch weitere Überraschungen bereit: In den zerfallenden USA erklären sich Kalifornien und Texas zu eigenständigen Staaten. Elon Musk könnte bei den neuen Präsidentschaftswahlen laut Medwedew einen „späteren Sieg“ erringen, was allerdings eine politische Unkenntnis Medwedews zutage treten lässt – denn Präsident in den USA darf nur werden, wer in den USA geboren ist. Musk allerdings ist gebürtiger Südafrikaner.

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Dieser ließ mit einer Antwort auch nicht lange auf sich warten: „Epischer Thread!“, schrieb der Twitter-Chef zunächst. Einige Stunden später nannte er die Tweets „definitiv die absurdesten Vorhersagen“, die er je gehört hätte. Sie zeugten laut Musk zudem von „einem erstaunlichen Mangel an Bewusstsein für die Fortschritte der künstlichen Intelligenz und der nachhaltigen Energie“.

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Rückgabe der Falklandinseln gefordert

Erst jüngst hatte Medwedew den britischen Premier Rishi Sunak aufgefordert, die Falklandinseln an Argentinien zurückzugeben. Damit hatte der Russe auf Äußerungen des Briten während dessen Besuch in Riga reagiert. Sunak hatte vor zu raschen Waffenstillstandsverhandlungen gewarnt, da Russland die Zeit zu neuen Kampfvorbereitungen missbrauchen könnte. Bevor Russland sich nicht zurückgezogen habe, könne und solle es keine echten Verhandlungen geben.

Lieber sollten die Briten endlich die Malvinas verlassen und sie den Argentiniern zurückgeben.

Dmitri Medwedew,

Vizechef des russischen Sicherheitsrates

„Lügen, Doppelzüngigkeit, Zynismus“, kommentierte Medwedew die Erklärungen des britischen Premiers. „Lieber sollten die Briten endlich die Malvinas verlassen und sie den Argentiniern zurückgeben“, wurde der Vizechef des russischen Sicherheitsrates weiter von der Staatsagentur Tass zitiert. „Die Falklands sind nicht Großbritannien, sondern Argentinien.“

Im Sommer nannte Medwedew die ukrainische Regierung „vereinzelte Missgeburten, die sich selbst als ‚ukrainische Regierung‘ bezeichnen“, die US-Regierung „Puppenspieler von jenseits des Ozeans mit deutlichen Anzeichen senilen Wahnsinns“ – in geschmackloser Anspielung auf das Alter von US-Präsident Joe Biden.

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Professorensohn statt Typ vom Hinterhof

Einer, der Medwedew in seiner „präsidialen Phase“ kennenlernen durfte, war der damalige „Spiegel“-Korrespondent Christian Neef. „Man merkte den Professorensohn, während Putin eben vom Hinterhof kommt. Ich hatte stets den Eindruck, Medwedew spiele die Rolle Präsident“, so Neef zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die aggressiven Posts, die er jetzt absetzt, passen überhaupt nicht zu seinem Wesen, sie sind genauso aufgesetzt wie sein damaliges Präsidentengehabe. Er weiß, dass er ein erfolgloser Politiker ist, der nicht mehr viel Achtung im Volk besitzt“, so Neef weiter.

Tatsächlich hat Medwedew in Russland ein schlechtes Image. In Russland wurde das Duo Putin/Medwedew damals „Dima & Boss“ genannt, mitunter wegen Medwedews leicht femininer Aura auch „Dama & Boss“. Putin sicherte Medwedews Loyalität ab, indem er ihn reich werden ließ.

Der mittlerweile in Dauerhaft sitzende Oppositionelle Alexander Nawalny hatte 2017 schwerwiegende Korruptionsvorwürfe gegen den Putin-Vertrauten erhoben. Heute gehöre Medwedew mit einem geschätzten Vermögen von über einer Milliarde Dollar zu den „reichsten und korruptesten Politikern Russlands“, schrieb er.

Mit Agenturmaterial von dpa und AP

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