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Russischer Angriff auf Ukraine

Flucht vor Sanktionen: Russlands Oligarchen suchen sichere Häfen für Superjachten

Das vom französischen Zoll zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Jacht „Amore Vero“, die in Südfrankreich in einer Werft anliegt. Die französische Regierung gab im Rahmen der Umsetzung der Sanktionen der Europäischen Union als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine bekannt, dass sie eine Superjacht beschlagnahmt hat, die mit Setschin, dem Chef des russischen Energieriesen Rosneft und engen Vertrauten des russischen Präsidenten, in Verbindung steht.

Das vom französischen Zoll zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Jacht „Amore Vero“, die in Südfrankreich in einer Werft anliegt. Die französische Regierung gab im Rahmen der Umsetzung der Sanktionen der Europäischen Union als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine bekannt, dass sie eine Superjacht beschlagnahmt hat, die mit Setschin, dem Chef des russischen Energieriesen Rosneft und engen Vertrauten des russischen Präsidenten, in Verbindung steht.

Washington. Russlands Ultrareiche lieben Luxusboote. Nun will der Westen sie manchen nehmen, im Zuge der Sanktionen wegen der Ukraine-Invasion. Aber leicht werden es viele der Oligarchen den Verfolgern wohl nicht machen.

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Die Superjacht „Dilibar“ ist 156 Meter lang, hat zwei Hubschrauberlandeplätze, Kojen für 130 Reisende und einen 25 Meter langen Swimmingpool – groß genug, um darin eine andere Jacht dümpeln zu lassen. Sie soll knapp 600 Millionen Euro gekostet haben und lief 2016 vom Stapel. Nur fünf Jahre später war ihr mutmaßlicher Besitzer – Berichten zufolge der eng mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verbundene Metallmagnat Alischer Usmanow – nicht mehr mit ihr zufrieden und schickte sie zum Aufmöbeln auf die Hamburger Werft Blohm + Voss.

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Und dort befand sie sich, als die EU und die USA in der vergangenen Woche Sanktionen gegen Usmanow und mehrere andere Oligarchen im Zusammenhang mit der russischen Ukraine-Invasion verhängten. Aber beschlagnahmt wurde das Schiff noch nicht: Man habe bislang nicht die Eigentumsverhältnisse klären können, sagte ein Sprecher der Hamburger Wirtschaftsbehörde der Nachrichtenagentur AP. Die Jacht fuhr unter der Flagge der Cayman Islands und ist über eine Holding-Gesellschaft in Malta registriert – Steuerparadiese, in denen die Ultrareichen der Welt gern ihre Vermögen parken.

Der Fall „Dilibar“ ist ein Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, die Luxusjachten der russischen Milliardäre einzuziehen. Die Oligarchen hatten Jahrzehnte Zeit, ihr Geld und andere Besitztümer im Westen vor Regierungen zu schützen, die versuchen könnten, ihr Vermögen zu besteuern oder zu konfiszieren.

Die Nachrichtenagentur AP hat in Zusammenarbeit mit der britischen Wertgutachterfirma Vesselsvalue eine Liste von 56 Superjachten – Luxusschiffen mit einer Länge von mehr als 24 Metern – zusammengestellt, die sich mutmaßlich im Besitz von Oligarchen mit Verbindungen zum Kreml befinden. Die Boote haben nach Schätzungen zusammen einen Marktwert von 49,3 Milliarden Euro. AP nutzte dann zwei Onlinedienste, Vesselfinder und Marinetraffic, um die zuletzt bekannten Aufenthaltsorte der Jachten ausfindig zu machen.

Schiffe ankern im Mittelmeer oder in der Karibik

Wie sich herausstellte, ankerten viele im Mittelmeer oder der Karibik. Aber mehr als ein Dutzend waren unterwegs oder bereits in entlegenen Häfen kleinerer Länder wie den Malediven und Montenegro angekommen – potenziell außerhalb der Reichweite westlicher Sanktionen. Drei waren sozusagen untergetaucht, ihre Transponder hatten zuletzt unmittelbar außerhalb des Bosporus in der Türkei gepingt – ein Tor zum Schwarzen Meer und den russischen Häfen von Sotschi und Noworossijsk.

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„Graceful“, eine in Deutschland gebaute Superjacht unter russischer Flagge mutmaßlich im Besitz des ebenfalls mit Sanktionen belegten Putin, hatte am 7. Februar eine Reparaturwerft in Hamburg verlassen, zwei Wochen vor Beginn der Ukraine-Invasion. Sie dümpelt jetzt im Hafen von Kaliningrad in Russland – unerreichbar für die westlichen Behörden.

Der französische Zoll beschlagnahmte am vergangenen Donnerstag auf einer Werft im Mittelmeerhafen von La Ciotat die Superjacht „Amore Vero“, die dem Putin-Verbündeten Igor Setschin gehören soll. Er ist der Chef des Ölkonzerns Rosneft, das seit der russischen Krim-Annexion 2014 auf der westlichen Sanktionsliste steht. Dem französischen Finanzministerium zufolge war die Besatzung just im Eiltempo dabei, die Abreise des Bootes vorzubereiten, obwohl noch Reparaturarbeiten liefen.

In der italienischen Hafenstadt Imperia konfiszierten Behörden die 65-Meter-Jacht „Lady M“, laut einem Tweet des Sprechers von Regierungschef Mario Draghi im Eigentum des Stahlbarons Alexej Mordaschow, der mit einem Vermögen von umgerechnet etwa 27 Milliarden Euro als Russlands reichster Mann gilt. Aber Mordaschows 141 Meter lange „Nord“ im geschätzten Marktwert von 457 Millionen Euro lag am Freitag an einer Küste der Seychellen vor Anker, einer tropischen Inselkette im Indischen Ozean, außerhalb der rechtlichen Reichweite westlicher Sanktionen.

Superjachten als Statussymbol der Oligarchen

„Kein russischer Oligarch mit Selbstachtung ist ohne eine Superjacht“, sagt William Browder, ein in London ansässiger Banker, der jahrelang in Moskau arbeitete und dann zu einem der lautesten ausländischen Putin-Kritiker wurde. Der russische Metall- und Ölmagnat Roman Abramowitsch hat Berichten zufolge sogar mindestens sieben der größten Jachten auf der Welt gekauft oder bauen lassen. Einige davon soll er seitdem an andere Oligarchen veräußert haben.

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Die scharfen Sanktionen gegen mit Putin verbündete Superreiche und russische Banken hätten Besorgnisse in der Branche ausgelöst, manche Bootsbauer und Beschäftigte befürchteten, dass sie nicht bezahlt würden, schildert Dennis Cauiser, ein Analyst bei Vesselfinder. Es kann über 45 Millionen Euro im Jahr kosten, eine Superjacht samt Crew und Treibstoff zu unterhalten.

Sanktionen gegen Russland: Putin warnt und droht in Richtung Nato

Der russische Präsident Wladimir Putin hat scharfe Kritik an westlichen Sanktionen gegen sein Land geübt.

Die meisten Russen auf der Forbes-Liste von Milliardären sind bislang nicht mit Sanktionen belegt worden und ihre Riesenboote weiter auf den Weltmeeren unterwegs. Der Absturz des Rubels und des russischen Aktienmarktes hat aber stark an den Vermögen der Elite gefressen. So erwartet Cauiser, dass einige Superjachten von Oligarchen bald in aller Stille von Maklern angeboten werden.

Abramowitsch, der Metall- und Ölbaron, steht bislang noch nicht auf der Sanktionsliste. Zu seinen Vermögenswerten im Ausland zählt der britische Profifußballclub Chelsea. Unter wachsenden Druck geraten kündigte Abramowitsch in der vergangenen Woche den Verkauf des Teams mit einem Wert von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro an, und der Nettoerlös soll „zum Nutzen aller Opfer des Krieges in der Ukraine“ verwendet werden.

Derweil hat Abramowitschs knapp 550 Millionen Euro teure „Eclipse“, 2021 vom Stapel gelaufen und acht Stockwerke hoch, am vergangenen Donnerstag Sint Maarten verlassen und ist in der Karibik unterwegs – Ziel unbekannt.

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RND/AP

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