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Russische Kriegsschiffe vor der Küste Norwegens: „Bei den Leuten hier wächst Angst“

  • Thomas Nilsen, Journalist in Kirkenes in Nordnorwegen, beschreibt, wie die Nähe zu Russland seinen Alltag bestimmt.
  • Mal kreuzen Kriegsschiffe aus Murmansk im Varanger Fjord, mal lässt russische Artillerie es krachen.
  • Vor zwei Jahren kam es zu einem mysteriösen Zwischenfall – begleitet von stark gestiegener Radioaktivität.
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Kürzlich, Mitte April, war mal wieder einer dieser Tage. Die Russen rempelten ihre norwegischen Nachbarn an.

Vor der Küste Norwegens tauchte eine russische Fregatte auf, die Admiral Kasatonov. Den Anblick russischer Kriegsschiffe sind die Norweger gewohnt. Ihr Land grenzt direkt an Russland. Besonders nahe kommt man einander oft ganz oben im Norden, vor Kirkenes, an der Barentssee. Um die Ecke liegt Murmansk, der Heimathafen der russischen Nordmeerflotte.

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Die Begleitmusik aber war an diesem Tag seltsam, wie der norwegische Reporter Thomas Nilsen (52) feststellte. In einer offiziellen Mitteilung des russischen Flottenkommandos hieß es, die Fregatte solle unter anderem „die Sicherheit russischer Fischer in der Region gewährleisten“.

„Das war wohl was Politisches“

Nilsen konnte es nicht glauben. Die Kasatonow ist eine moderne russische Fregatte, sie kommt mit den in Syrien eingesetzten Marschflugkörpern vom Typ Kalibr-NK um die Kurve. Damit kann man ganze Stadtteile einebnen, aus 1000 Kilometern Entfernung.

Was hat das mit der Fischerei zu tun? „Das war wohl was Politisches“, glaubt Nilsen.

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Zuvor hatten norwegische Behörden einen russischen Trawler festgesetzt, wegen eines Verstoßes gegen Fischereivorschriften. Ging es den Russen jetzt um Revanche? Einschüchterung? Einen Nervenkrieg?

Wie auch immer: Nilsen hielt auch diese Seltsamkeit in einem Artikel für den „Barents Observer“ fest, ein unabhängiges Nachrichtenportal, das den Norden Norwegens mit Neuigkeiten versorgt.

Nilsen arbeitet in Kirkenes. Nach Oslo ist es weit, 1400 Kilometer Luftlinie. Zur – gesperrten – Staatsgrenze von Russland sind es elf Kilometer.

Im hohen Norden Norwegens: Kirkenes liegt am Varanger Fjord, der in die Barentssee im Arktischen Ozean mündet. © Quelle: Wikipedia

„Bei den Leuten hier wächst allmählich die Angst“, berichtet Nilsen in einem Telefongespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Als tiefere Ursache sieht er die wachsenden neuen Spannungen zwischen Russland und den Nato-Staaten: Erst der Ukraine-Konflikt, dann die Vergiftung Nawalnys, jetzt ein nie dagewesener militärische Aufmarsch der Russen in der Arktis, inzwischen gekontert durch die Landung schwerer amerikanischer Bomber, ebenfalls in Norwegen – dies alles hat den Beziehungen nicht gut getan.

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Früher wurde im geteilten Deutschland das Auf und Ab zwischen West und Ost besonders spürbar. Heute legt sich die neue Düsternis zuerst über Orte wie Kirkenes.

Auf die Stimmung drücken hier auch die immer neuen Schießübungen der Russen. Mal zischen Raketen über den Varanger Fjord, mal lässt die Artillerie es krachen. Der „Barents Observer“ berichtet darüber, notgedrungen. Es geht auch um praktische Tipps. Mal ist das Fischen, mal auch das Schwimmen in bestimmten Regionen verboten.

Ein mysteriöser Vorfall im Jahr 2019

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Das Problem, sagt Nilsen, sei aus Sicht vieler Menschen in der Region nicht nur das Risiko eines militärischen Konflikts. „Sie machen sich Sorgen wegen der Strahlung, die schon jetzt, in Friedenszeiten, von all den Atombomben und nuklearen Antrieben des russischen Militärs ausgeht.“

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Im Sommer 2019 wurde auf dem russischen Marinetestgelände Njonoksa plötzlich eine stark erhöhte Radioaktivität gemessen, fünf Menschen starben unter mysteriösen Umständen. Offenbar war ein Test mit dem russischen Marschflugkörper Burewestnik schiefgegangen. Das ist eine der von Staatschef Wladimir Putin als „unaufhaltsam“ gepriesenen neuen Waffen. Ein kleiner Reaktor treibt das Ding durch die Luft. Warum es offenbar abstürzte und Strahlung freigab, ist unklar. Klar ist nur: In Russland wurden nach dem Unfall prompt die Strahlenmessstationen abgeschaltet, wie einst zu Sowjetzeiten.

„So etwas“, schimpft Nilsen, „schafft natürlich Misstrauen.“

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