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  • Rücktritt von Sebastian Kurz – internationale Pressestimmen zum Kanzlerrückzug

Von „Tricky Sebastian“ bis „abstoßendes Sittenbild“: So reagiert die internationale Presse auf den Kurz-Rücktritt

  • Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist am Samstag von seinem Amt zurückgetreten.
  • Die öffentlich gewordenen Informationen aus dem Korruptionsskandal zeigen für die internationale Presse den wahren Politiker Sebastian Kurz.
  • Die Kommentierenden erkennen im ehemaligen Wunderkanzler zynische, machtversessene Züge.
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Hannover/Berlin. Der Rücktritt von Sebastian Kurz (ÖVP) als österreichischer Bundeskanzler sorgt für mächtig Wirbel in der Alpenrepublik. Gegen Kurz und einige seiner engsten Vertrauten wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Untreue ermittelt. Das Team soll den Aufstieg von Kurz an die Spitze von Partei und Staat seit 2016 durch geschönte Umfragen und gekaufte Medien­berichte abgesichert haben. Diese sollen aus Steuermitteln bezahlt worden sein. Für die internationale Presse enttarnt der Skandal den wahren Menschen und Politiker Sebastian Kurz.

„Der Standard“ (Österreich): Kurz ist „Tricky Sebastian“

„Man könnte Kurz jetzt allmählich den Spitznamen ,Tricky Sebastian‘ geben. Geschickt und konsequent hat er sich an die Spitze der ÖVP und ins Kanzleramt manövriert, hat den Ibiza-Skandal seines Partners FPÖ für sich genutzt, die Abwahl durch das Parlament weggesteckt und einen neuen Partner in den Grünen gefunden. Dann geriet er massiv ins Schleudern durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und den Abfall des grünen Partners. Nun versucht er es mit einem Manöver, das Kanzleramt formal an den treuen Außenminister Alexander Schallenberg abzugeben.“

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„Wiener Zeitung“ (Österreich): Kurz nicht zu früh abschreiben

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„Das Ur-Vertrauen, dass Kurz wie 2019 nach Neuwahlen erneut als Phönix aus der Asche aufsteigen wird, ist nicht mehr. Als Partei- und Klubchef will Kurz weiter die Zügel in der Hand behalten, in der Partei wie auch in der Regierung. Er setzt darauf, die strafrechtlichen Vorwürfe schnell entkräften und dann ins Kanzleramt zurückkehren zu können. Das ist ein Plan, eher aus der Not geboren. Ob er der Realität standhalten kann, muss sich aber erst zeigen. Sehr wahrscheinlich ist das aus heutiger Sicht nicht. Trotzdem sollte man sich hüten, diesen Politiker vorschnell abzuschreiben.“

„Kleine Zeitung“ (Österreich): Angriff auf die Demokratie

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„Sebastian Kurz war als Regierungschef handlungswillig, aber nicht mehr handlungsfähig. Er musste das Selbstbild, das er noch abends zuvor von sich gezeichnet hatte, revidieren, gegen sein Naturell. (...) Es sind Vorwürfe, deren Substrat das demokratische Gemeinwesen zersetzt, um Lug und Trug, vom Steuerzahler mitfinanziert und von einem Gratismedium als Geschäft publiziert: um Täuschung also, die die Partei ins Blendwerk mit einbezog. Nicht zufällig nannte man das schamlose Treiben intern das ,Beinschab-Österreich-Tool‘. Ein Tool ist ein Werkzeug. Alle waren Werkzeug.“

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz): Skandal zeigt „abstoßendes Sittenbild“

„Über seinem steilen Aufstieg liegt ein Schatten, seit in den letzten Tagen bekannt geworden ist, wie zynisch er und sein enges Umfeld vorgingen. Die Flut an Chats, die die Staatsanwaltschaft derzeit auswertet, offenbaren mutmaßlich strafbares Handeln durch die Verwendung von Steuergeldern für manipulierte Umfragen und erkaufte Jubelberichte in einem Boulevardblatt. Sie zeigen aber vor allem auch ein abstoßendes Sittenbild einer Clique, die in ihrem unbedingten Machtwillen sogar einen Feldzug gegen die eigene Partei führte.“

„Deutsche Welle“ (Deutschland): Kurz ist ein Manipulator

„Noch als Minister soll der heutige Kanzler Umfragen manipuliert, darin sein Abschneiden geschönt und das Ganze gegen Geld bei der geneigten Boulevardpresse untergebracht haben. Wenn in den Jahren seines unaufhaltsamen Aufstiegs also Schlagzeilen erschienen, die Kurz als beliebtesten Kanzlerkandidaten aller Zeiten beschrieben, dann hatten seine Getreuen die Zahlen womöglich gefälscht.“

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„Augsburger Allgemeine“ (Deutschland): Kurz als „Schattenkanzler“

„Der grüne Vizekanzler Werner Kogler trat ebenfalls am Samstagabend vor die Presse und kündigte an, das Angebot der ÖVP zu akzeptieren. Stabilität müsse es jetzt geben, und man werde mit Schallenberg als Kanzler weiterregieren, so Koglers Statement zusammengefasst. Das ist nichts anderes als eine Stillhalte-Kommission, und in der Kanzlerpartei ÖVP gibt man sich auch keinerlei Mühe, das zu verschleiern. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, ebenfalls engste Kurz-Vertraute, schrieb in sozialen Medien zuerst ganz offen von einem ,befristeten‘ Rücktritt – nur um ihre Postings gleich darauf wieder zu löschen. Kurz wird damit zum Schattenkanzler.“

„Welt“ (Deutschland): Kurz mit dem Rücken zur Wand

„Er stand nackt und hilflos da – zum ersten Mal in seinem Leben als Politiker. Sein Schicksal lag in der Hand der Grünen. Und die machten kurzen Prozess. Doch dem Karrierepolitiker könnte 2024 ein Comeback auf ganz anderer Ebene gelingen. Klar ist: Kurz‘ Rücktritt als Kanzler war kein ,selbstloser Schritt‘, der ,von Größe‘ zeugte, wie Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sagte. Vielmehr hatte Kurz keine andere Wahl: Er stand mit dem Rücken zur Wand, er hatte keine Verhandlungsmasse mehr, er stand nackt und hilflos da – zum ersten Mal in seinem Leben als Politiker.“

RND/jst/scs

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