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  • Rückzug von Kipping und Riexinger: Die Linke braucht neue Vorsitzende und neue politische Kultur

Die Linke braucht neue Vorsitzende und eine neue politische Kultur

  • Der Rückzug der Linken-Chefs Katja Kipping und Bernd Riexinger ist unabhängig von ihren Verdiensten auch ein Scheitern.
  • Dabei scheitern nicht nur die Vorsitzenden, sondern auch die Partei – und zwar an sich selbst.
  • Die Linke braucht dringend einen neuen Umgang miteinander, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Bei der Linken tritt jetzt das ein, was sich seit Monaten abzeichnet. Katja Kipping und Bernd Riexinger ziehen sich als Vorsitzende zurück und machen den Weg für ein anderes Duo frei. Das ist ein demokratischer Vorgang. Es ist aber auch Beleg eines Scheiterns – der Vorsitzenden und der Partei an sich selbst.

Kipping und Riexinger sind 2012 ins Amt gekommen bei einem Parteitag, der mitsamt seiner Vorgeschichte einer Schlacht glich, die sich demokratische Parteien so nicht leisten sollten. Der damalige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysis sprach von “Hass”. Während Kipping sich später in der Auseinandersetzung mit Sahra Wagenknecht verschliss, gebrach es dem integren Riexinger noch dazu an strategischen Fähigkeiten.

Es ist bemerkenswert, dass lange vor Kipping auch Wagenknecht aus dem Amt schied. Für beide Frauen haben sich die Streitereien unter Beimischung von Verachtung nicht ausgezahlt. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Wagenknechts Ehemann Oskar Lafontaine, der 2012 am Anfang der Schlacht stand und die Streitereien in den Jahren darauf immer wieder befeuert hat, die Folgen zuletzt treffend beschrieb. “Es ist natürlich ein ziemlich mühseliger Job”, sagte der 76-Jährige über das Fehlen offizieller Nachfolgekandidaten. “Das wollen sich viele nicht antun.” Er fuhr fort: “Eitelkeit und Rivalität verhindern eine erfolgreiche Arbeit.” Die Linke muss nun also zwei fähige neue Vorsitzende finden. Doch fast noch wichtiger ist eine andere politische Kultur, die Vertreter an der Spitze leben lässt.

Wie auch immer: Riexinger dürfte langsam in den Ruhestand hinübergleiten. Er ist ein anständiger Kerl geblieben. Das ist in der Politik wie im Leben viel. Kipping wird man womöglich an anderer herausgehobener Stelle noch einmal wiedersehen. Es wäre ihrem Talent angemessen.

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