„Gefühl völliger Ohnmacht“

Kinderschützer und Ärzte schlagen wegen RS-Virus-Welle Alarm

Eine Intensivpflegerin hält auf der Kinderintensivstation in einer Klinik den Fuß eines jungen Patienten, der beatmet wird, in der Hand (Symbolbild).

Eine Intensivpflegerin hält auf der Kinderintensivstation in einer Klinik den Fuß eines jungen Patienten, der beatmet wird, in der Hand (Symbolbild).

Hannover/Berlin. Der Deutsche Kinderschutzbund hat angesichts der Warnungen vor einem Zusammenbruch des Pflegesystems mit Blick auf die aktuelle Situation in den Kinderkliniken schockiert reagiert. „Das ist ein Gefühl völliger Ohnmacht. Der Mangel in der Kinderpflege ist sehr dramatisch. Ich bin wirklich entsetzt, dass man es so weit hat kommen lassen“, sagte Präsident Heinz Hilgers dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Jetzt sind wir in einer großen Krise. Das ist gravierend für die betroffenen Familien und Kinder in unserem Land.“

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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hatte wegen des aktuellen Fachkräftemangels bereits vor dem Zusammenbruch des Pflegesystems gewarnt. „Wenn wir nicht schnell grundlegende Reformen bekommen, kann man die pflegerische Versorgung in Deutschland nicht mehr aufrechterhalten“, teilte die Vorsitzende Christel Bienstein am Freitag dem RND mit. Sie sprach davon, dass es eine vergleichbare Situation „in den vergangenen 50 Jahren nicht gegeben“ habe. Man gehe insgesamt von 200.000 fehlenden Vollzeitkräften aus.

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Im Zuge der aktuellen RS-Virus-Welle wurde der Pflegemangel zuletzt besonders in den Kinderkliniken deutlich. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) konnte vielerorts wegen der angespannten Personalsituation ein Teil der Betten nicht betrieben werden.

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Kinderschützer kritisiert „jahrzehntelange Vernachlässigung“ der Politik

Hilgers kritisierte, dass man seit Jahren vor einer solchen Überlastungssituation in den Kinderkliniken und -arztpraxen eindringlich gewarnt und Verbesserungen angemahnt habe. „Die sind leider nicht angegangen worden, wegen der ausschließlich betriebswirtschaftlichen Orientierung des Systems, das auf Vollauslastung ausgelegt ist“, so der Kinderschutzbund-Präsident weiter zum RND. „Und jetzt stehen wir an einem Punkt, der absehbar war und an dem das System mit den Herausforderungen nicht mehr fertig wird.“

Die aktuelle Krise sei laut Hilgers das Ergebnis einer „jahrzehntelangen Vernachlässigung“ durch die Politik. Wegen des akuten Fachkräftemangels könne diese „kurzfristig nicht bewältigt werden“. Der Kinderschützer fordert deshalb ein rasches finanzielles Notprogramm mit besseren Abrechnungsbedingungen für die Krankenhäuser. „Die Kinderkliniken müssen sowohl auf den regulären Stationen als auch auf den Intensivstationen Betten vorhalten können, damit diese in solchen Notsituationen zur Verfügung stehen“, so Hilgers. „Nur dann ist das Problem auf Dauer lösbar.“

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